Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Kempelen, Wolfgang von: Mechanismus der menschlichen Sprache. Wien, 1791.

Bild:
<< vorherige Seite
III. Abtheilung.
§. 91.

Die Pferde, und auch alle wiederkäuende Thie-
re trinken durch Einsaugen wie der Mensch. Weil
sie aber ein viel tiefer eingeschlitztes Maul haben, so
müßten sie es sehr tief in das Wasser einsenken,
um zu vermeiden, daß nicht an den Seiten Luft
mit hinein ziehe, und da würden sie gezwungen
seyn auch die Nase mit unter Wasser zu bringen;
wenn sie sodann den Athem an sich zögen, so füh-
re Wasser zum Maul, und zur Nase zugleich hin-
ein. Um dieses zu vermeiden benehmen sie sich auf
folgende Art: Bey dem Pferde zum Beyspiel Tab.
IX. Fig. 1.
macht die untere Lefze bey b einen be-
sonderen Bug, so, daß sich nur ihr äusserster Theil
a. zurück begibt, und das Maul etwas weniges
öffnet, wobey aber der übrige Theil des Einschnitts
von b. bis c. geschlossen bleibt. Wenn es daher sei-
ne Lefzen nur bis an die punktirte Linie d. e. die
die Oberfläche des Wassers andeutet, eingetaucht
hat, so kann es das Wasser an sich ziehen. Daß
die Nasenlöcher ein gutes Stück weit über dieses
Lippengelenk b. hinaufgeschlitzt sind, gereicht dem

Pfer-
III. Abtheilung.
§. 91.

Die Pferde, und auch alle wiederkaͤuende Thie-
re trinken durch Einſaugen wie der Menſch. Weil
ſie aber ein viel tiefer eingeſchlitztes Maul haben, ſo
muͤßten ſie es ſehr tief in das Waſſer einſenken,
um zu vermeiden, daß nicht an den Seiten Luft
mit hinein ziehe, und da wuͤrden ſie gezwungen
ſeyn auch die Naſe mit unter Waſſer zu bringen;
wenn ſie ſodann den Athem an ſich zoͤgen, ſo fuͤh-
re Waſſer zum Maul, und zur Naſe zugleich hin-
ein. Um dieſes zu vermeiden benehmen ſie ſich auf
folgende Art: Bey dem Pferde zum Beyſpiel Tab.
IX. Fig. 1.
macht die untere Lefze bey b einen be-
ſonderen Bug, ſo, daß ſich nur ihr aͤuſſerſter Theil
a. zuruͤck begibt, und das Maul etwas weniges
oͤffnet, wobey aber der uͤbrige Theil des Einſchnitts
von b. bis c. geſchloſſen bleibt. Wenn es daher ſei-
ne Lefzen nur bis an die punktirte Linie d. e. die
die Oberflaͤche des Waſſers andeutet, eingetaucht
hat, ſo kann es das Waſſer an ſich ziehen. Daß
die Naſenloͤcher ein gutes Stuͤck weit uͤber dieſes
Lippengelenk b. hinaufgeſchlitzt ſind, gereicht dem

Pfer-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0208" n="164"/>
          <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">III</hi>. Abtheilung.</hi> </fw><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 91.</head><lb/>
            <p>Die Pferde, und auch alle wiederka&#x0364;uende Thie-<lb/>
re trinken durch Ein&#x017F;augen wie der Men&#x017F;ch. Weil<lb/>
&#x017F;ie aber ein viel tiefer einge&#x017F;chlitztes Maul haben, &#x017F;o<lb/>
mu&#x0364;ßten &#x017F;ie es &#x017F;ehr tief in das Wa&#x017F;&#x017F;er ein&#x017F;enken,<lb/>
um zu vermeiden, daß nicht an den Seiten Luft<lb/>
mit hinein ziehe, und da wu&#x0364;rden &#x017F;ie gezwungen<lb/>
&#x017F;eyn auch die Na&#x017F;e mit unter Wa&#x017F;&#x017F;er zu bringen;<lb/>
wenn &#x017F;ie &#x017F;odann den Athem an &#x017F;ich zo&#x0364;gen, &#x017F;o fu&#x0364;h-<lb/>
re Wa&#x017F;&#x017F;er zum Maul, und zur Na&#x017F;e zugleich hin-<lb/>
ein. Um die&#x017F;es zu vermeiden benehmen &#x017F;ie &#x017F;ich auf<lb/>
folgende Art: Bey dem Pferde zum Bey&#x017F;piel <hi rendition="#aq">Tab.<lb/>
IX. Fig. 1.</hi> macht die untere Lefze bey <hi rendition="#aq">b</hi> einen be-<lb/>
&#x017F;onderen Bug, &#x017F;o, daß &#x017F;ich nur ihr a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;er&#x017F;ter Theil<lb/><hi rendition="#aq">a</hi>. zuru&#x0364;ck begibt, und das Maul etwas weniges<lb/>
o&#x0364;ffnet, wobey aber der u&#x0364;brige Theil des Ein&#x017F;chnitts<lb/>
von <hi rendition="#aq">b</hi>. bis <hi rendition="#aq">c</hi>. ge&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en bleibt. Wenn es daher &#x017F;ei-<lb/>
ne Lefzen nur bis an die punktirte Linie <hi rendition="#aq">d. e.</hi> die<lb/>
die Oberfla&#x0364;che des Wa&#x017F;&#x017F;ers andeutet, eingetaucht<lb/>
hat, &#x017F;o kann es das Wa&#x017F;&#x017F;er an &#x017F;ich ziehen. Daß<lb/>
die Na&#x017F;enlo&#x0364;cher ein gutes Stu&#x0364;ck weit u&#x0364;ber die&#x017F;es<lb/>
Lippengelenk <hi rendition="#aq">b</hi>. hinaufge&#x017F;chlitzt &#x017F;ind, gereicht dem<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Pfer-</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[164/0208] III. Abtheilung. §. 91. Die Pferde, und auch alle wiederkaͤuende Thie- re trinken durch Einſaugen wie der Menſch. Weil ſie aber ein viel tiefer eingeſchlitztes Maul haben, ſo muͤßten ſie es ſehr tief in das Waſſer einſenken, um zu vermeiden, daß nicht an den Seiten Luft mit hinein ziehe, und da wuͤrden ſie gezwungen ſeyn auch die Naſe mit unter Waſſer zu bringen; wenn ſie ſodann den Athem an ſich zoͤgen, ſo fuͤh- re Waſſer zum Maul, und zur Naſe zugleich hin- ein. Um dieſes zu vermeiden benehmen ſie ſich auf folgende Art: Bey dem Pferde zum Beyſpiel Tab. IX. Fig. 1. macht die untere Lefze bey b einen be- ſonderen Bug, ſo, daß ſich nur ihr aͤuſſerſter Theil a. zuruͤck begibt, und das Maul etwas weniges oͤffnet, wobey aber der uͤbrige Theil des Einſchnitts von b. bis c. geſchloſſen bleibt. Wenn es daher ſei- ne Lefzen nur bis an die punktirte Linie d. e. die die Oberflaͤche des Waſſers andeutet, eingetaucht hat, ſo kann es das Waſſer an ſich ziehen. Daß die Naſenloͤcher ein gutes Stuͤck weit uͤber dieſes Lippengelenk b. hinaufgeſchlitzt ſind, gereicht dem Pfer-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/kempelen_maschine_1791
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/kempelen_maschine_1791/208
Zitationshilfe: Kempelen, Wolfgang von: Mechanismus der menschlichen Sprache. Wien, 1791, S. 164. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/kempelen_maschine_1791/208>, abgerufen am 23.02.2020.