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Kempelen, Wolfgang von: Mechanismus der menschlichen Sprache. Wien, 1791.

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Von der Sprachmaschine.
W Wie V nur weniger Wind, und mehr
Stimme.
Z Der Tast s mit dem kleinen Finger niederge-
drückt, und etwas Stimme dazu.
§. 243.

Man kann in einer Zeit von drey Wochen ei-
ne bewundernswerthe Fertigkeit im Spielen erlan-
gen, besonders, wenn man sich auf die lateinische,
französische oder italienische Sprache verlegt, denn
die Deutsche ist wegen den häufig zusammenkom-
menden Mitlautern, wegen ihren Hauchlauten, und
am Ende der Wörter so oft angebrachten stummen
Buchstaben um sehr vieles schwerer. Jch spreche ein
jedes französisches oder italienisches Wort, das
man mir vorsagt, auf der Stelle nach, ein deut-
sches etwas langes hingegen kostet mich immer
Mühe, und geräth mir nur selten ganz deutlich.
Ganze Redensarten kann ich nur wenige und kurze
sagen, weil der Blasebalg nicht groß genug ist, den

erfor-
Von der Sprachmaſchine.
W Wie V nur weniger Wind, und mehr
Stimme.
Z Der Taſt s mit dem kleinen Finger niederge-
druͤckt, und etwas Stimme dazu.
§. 243.

Man kann in einer Zeit von drey Wochen ei-
ne bewundernswerthe Fertigkeit im Spielen erlan-
gen, beſonders, wenn man ſich auf die lateiniſche,
franzoͤſiſche oder italieniſche Sprache verlegt, denn
die Deutſche iſt wegen den haͤufig zuſammenkom-
menden Mitlautern, wegen ihren Hauchlauten, und
am Ende der Woͤrter ſo oft angebrachten ſtummen
Buchſtaben um ſehr vieles ſchwerer. Jch ſpreche ein
jedes franzoͤſiſches oder italieniſches Wort, das
man mir vorſagt, auf der Stelle nach, ein deut-
ſches etwas langes hingegen koſtet mich immer
Muͤhe, und geraͤth mir nur ſelten ganz deutlich.
Ganze Redensarten kann ich nur wenige und kurze
ſagen, weil der Blaſebalg nicht groß genug iſt, den

erfor-
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[455/0537] Von der Sprachmaſchine. W Wie V nur weniger Wind, und mehr Stimme. Z Der Taſt s mit dem kleinen Finger niederge- druͤckt, und etwas Stimme dazu. §. 243. Man kann in einer Zeit von drey Wochen ei- ne bewundernswerthe Fertigkeit im Spielen erlan- gen, beſonders, wenn man ſich auf die lateiniſche, franzoͤſiſche oder italieniſche Sprache verlegt, denn die Deutſche iſt wegen den haͤufig zuſammenkom- menden Mitlautern, wegen ihren Hauchlauten, und am Ende der Woͤrter ſo oft angebrachten ſtummen Buchſtaben um ſehr vieles ſchwerer. Jch ſpreche ein jedes franzoͤſiſches oder italieniſches Wort, das man mir vorſagt, auf der Stelle nach, ein deut- ſches etwas langes hingegen koſtet mich immer Muͤhe, und geraͤth mir nur ſelten ganz deutlich. Ganze Redensarten kann ich nur wenige und kurze ſagen, weil der Blaſebalg nicht groß genug iſt, den erfor-

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Zitationshilfe: Kempelen, Wolfgang von: Mechanismus der menschlichen Sprache. Wien, 1791, S. 455. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/kempelen_maschine_1791/537>, abgerufen am 19.10.2019.