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Kerner, Justinus: Geschichten Besessener neuerer Zeit. Karlsruhe, 1834.

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fragen, wie man eine so nichtige Sache so lange ernsthaft
behandeln könne? Ich entgegne ihnen ganz einfach, daß ich
diese Sache nicht ernsthafter behandle, als sie Christus,
die Apostel und die ganze Kirche behandelt haben. So lange
nicht nachgewiesen ist, daß die Besitzungen seit Christi Zei-
ten aufgehört haben, so lange muß auch von einem Exor-
cismus die Rede seyn. Die Hauptsache ist, diese Behand-
lung den Händen der Teufelsbeschwörer und Segensprecher
zu entreißen, welche sie zu Gewinn und Täuschung mis-
brauchen, und sie solchen Händen anzuvertrauen, welche
sie, wie Gaßner, zur Ehre Gottes und zu Beweisung der
Kraft des Namens Jesu ausüben. Die Fälle sind ohne-
dieß selten, aber die göttliche Zulassung mag ihre Zwecke
dabey haben, und unter diesen ist wohl auch der, dem Un-
glauben die beyden Reiche der Unnatur und der Ueberna-
tur vorzuhalten und den Sieg des Letztern über das Erstere
in seiner Herrlichkeit zu zeigen.

Was die Einwürfe überhaupt betrifft, so werde ich noch
später auf dieselben mich einlassen.



Vom Zauber.

Der andere nicht weniger wichtige Zweig der Unnatur
ist der Zauber, den ich aber hier nur mit einigen theore-
tischen Momenten berühre, ganz absehend von der großen
Menge von Thatsachen, welche in den Schriften und Pro-
tocollen aller Zeitalter über ihn gesammelt sind. Wer möchte
alle die Gattungen und Arten von Magieen, Mantieen und
Skopieen zählen, welche zur klassischen Literatur des Sa-
tans gehören und besonders von Schriftstellern des Mittel-
alters in förmliche Systeme gebracht sind? Eine factische
Wahrheit muß zum Grunde liegen; denn die Conformität
der Geständnisse und Zeugnisse der dem Zauber ergebenen

Kerner, über Besessenseyn. 11

fragen, wie man eine ſo nichtige Sache ſo lange ernſthaft
behandeln könne? Ich entgegne ihnen ganz einfach, daß ich
dieſe Sache nicht ernſthafter behandle, als ſie Chriſtus,
die Apoſtel und die ganze Kirche behandelt haben. So lange
nicht nachgewieſen iſt, daß die Beſitzungen ſeit Chriſti Zei-
ten aufgehört haben, ſo lange muß auch von einem Exor-
cismus die Rede ſeyn. Die Hauptſache iſt, dieſe Behand-
lung den Händen der Teufelsbeſchwörer und Segenſprecher
zu entreißen, welche ſie zu Gewinn und Täuſchung mis-
brauchen, und ſie ſolchen Händen anzuvertrauen, welche
ſie, wie Gaßner, zur Ehre Gottes und zu Beweiſung der
Kraft des Namens Jeſu ausüben. Die Fälle ſind ohne-
dieß ſelten, aber die göttliche Zulaſſung mag ihre Zwecke
dabey haben, und unter dieſen iſt wohl auch der, dem Un-
glauben die beyden Reiche der Unnatur und der Ueberna-
tur vorzuhalten und den Sieg des Letztern über das Erſtere
in ſeiner Herrlichkeit zu zeigen.

Was die Einwürfe überhaupt betrifft, ſo werde ich noch
ſpäter auf dieſelben mich einlaſſen.



Vom Zauber.

Der andere nicht weniger wichtige Zweig der Unnatur
iſt der Zauber, den ich aber hier nur mit einigen theore-
tiſchen Momenten berühre, ganz abſehend von der großen
Menge von Thatſachen, welche in den Schriften und Pro-
tocollen aller Zeitalter über ihn geſammelt ſind. Wer möchte
alle die Gattungen und Arten von Magieen, Mantieen und
Skopieen zählen, welche zur klaſſiſchen Literatur des Sa-
tans gehören und beſonders von Schriftſtellern des Mittel-
alters in förmliche Syſteme gebracht ſind? Eine factiſche
Wahrheit muß zum Grunde liegen; denn die Conformität
der Geſtändniſſe und Zeugniſſe der dem Zauber ergebenen

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[161/0175] fragen, wie man eine ſo nichtige Sache ſo lange ernſthaft behandeln könne? Ich entgegne ihnen ganz einfach, daß ich dieſe Sache nicht ernſthafter behandle, als ſie Chriſtus, die Apoſtel und die ganze Kirche behandelt haben. So lange nicht nachgewieſen iſt, daß die Beſitzungen ſeit Chriſti Zei- ten aufgehört haben, ſo lange muß auch von einem Exor- cismus die Rede ſeyn. Die Hauptſache iſt, dieſe Behand- lung den Händen der Teufelsbeſchwörer und Segenſprecher zu entreißen, welche ſie zu Gewinn und Täuſchung mis- brauchen, und ſie ſolchen Händen anzuvertrauen, welche ſie, wie Gaßner, zur Ehre Gottes und zu Beweiſung der Kraft des Namens Jeſu ausüben. Die Fälle ſind ohne- dieß ſelten, aber die göttliche Zulaſſung mag ihre Zwecke dabey haben, und unter dieſen iſt wohl auch der, dem Un- glauben die beyden Reiche der Unnatur und der Ueberna- tur vorzuhalten und den Sieg des Letztern über das Erſtere in ſeiner Herrlichkeit zu zeigen. Was die Einwürfe überhaupt betrifft, ſo werde ich noch ſpäter auf dieſelben mich einlaſſen. Vom Zauber. Der andere nicht weniger wichtige Zweig der Unnatur iſt der Zauber, den ich aber hier nur mit einigen theore- tiſchen Momenten berühre, ganz abſehend von der großen Menge von Thatſachen, welche in den Schriften und Pro- tocollen aller Zeitalter über ihn geſammelt ſind. Wer möchte alle die Gattungen und Arten von Magieen, Mantieen und Skopieen zählen, welche zur klaſſiſchen Literatur des Sa- tans gehören und beſonders von Schriftſtellern des Mittel- alters in förmliche Syſteme gebracht ſind? Eine factiſche Wahrheit muß zum Grunde liegen; denn die Conformität der Geſtändniſſe und Zeugniſſe der dem Zauber ergebenen Kerner, über Beſeſſenſeyn. 11

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Zitationshilfe: Kerner, Justinus: Geschichten Besessener neuerer Zeit. Karlsruhe, 1834, S. 161. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/kerner_besessene_1834/175>, abgerufen am 24.04.2019.