Am Dienstag, dem 19. November 2019, finden von 9 bis 14 Uhr Wartungsarbeiten an unseren Servern statt. Bitte beachten Sie, dass die DTA-Seiten in dieser Zeit nicht erreichbar sein werden.
Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Klopstock, Friedrich Gottlieb: Deutsche Gelehrtenrepublik. Hamburg, 1774.

Bild:
<< vorherige Seite

gemacht. Man that dem Mäcenaten Vor-
stellung über die eigentliche Beschaffenheit der
Sache; da er aber gar nicht hören wolte, und
über versagte Gerechtigkeit immer lauter
wurde: so konte man ihm zwar wol keine Ge-
nungthuung verschaffen; denn nach welchen
Geseze hätte man den Hofierer bestrafen kön-
nen? aber man sah sich doch durch den Vor-
fall genötigt, das Gesez, wovon wir reden,
zu geben. Der Mäcenat äusserte viel Zufrie-
denheit darüber, und schien völlig besänftigt
zu seyn, als er den Landtag verließ. Komm
mir nun nur wieder! mochte er denken.

Nur denen, die noch nicht lange in der
Welt gelebt, oder auf nichts, was darinn
vorgeht, Achtung gegeben haben, ist es un-
bekant, daß solche Begebenheiten sich wirk-
lich zuzutragen pflegen.

5

Derjenige Mäcenat, der den Unfug ein-
sieht, welcher dadurch entstanden ist, daß er
sich die bekanten Körner hat streuen lassen,
und der dabey erklärt, er sey dergleichen ge-
lehrte Dienerschaft nicht ferner zu dulden ge-
sonnen, kann in die Republik, und also nach
vorgängiger Untersuchung der Aldermänner

ent-

gemacht. Man that dem Maͤcenaten Vor-
ſtellung uͤber die eigentliche Beſchaffenheit der
Sache; da er aber gar nicht hoͤren wolte, und
uͤber verſagte Gerechtigkeit immer lauter
wurde: ſo konte man ihm zwar wol keine Ge-
nungthuung verſchaffen; denn nach welchen
Geſeze haͤtte man den Hofierer beſtrafen koͤn-
nen? aber man ſah ſich doch durch den Vor-
fall genoͤtigt, das Geſez, wovon wir reden,
zu geben. Der Maͤcenat aͤuſſerte viel Zufrie-
denheit daruͤber, und ſchien voͤllig beſaͤnftigt
zu ſeyn, als er den Landtag verließ. Komm
mir nun nur wieder! mochte er denken.

Nur denen, die noch nicht lange in der
Welt gelebt, oder auf nichts, was darinn
vorgeht, Achtung gegeben haben, iſt es un-
bekant, daß ſolche Begebenheiten ſich wirk-
lich zuzutragen pflegen.

5

Derjenige Maͤcenat, der den Unfug ein-
ſieht, welcher dadurch entſtanden iſt, daß er
ſich die bekanten Koͤrner hat ſtreuen laſſen,
und der dabey erklaͤrt, er ſey dergleichen ge-
lehrte Dienerſchaft nicht ferner zu dulden ge-
ſonnen, kann in die Republik, und alſo nach
vorgaͤngiger Unterſuchung der Aldermaͤnner

ent-
<TEI xml:id="dtabf">
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0138" n="62"/>
gemacht. Man that dem
                             Ma&#x0364;cenaten Vor-<lb/>
&#x017F;tellung u&#x0364;ber die eigentliche
                             Be&#x017F;chaffenheit der<lb/>
Sache; da er aber gar nicht ho&#x0364;ren
                             wolte, und<lb/>
u&#x0364;ber ver&#x017F;agte Gerechtigkeit immer
                             lauter<lb/>
wurde: &#x017F;o konte man ihm zwar wol keine
                             Ge-<lb/>
nungthuung ver&#x017F;chaffen; denn nach
                             welchen<lb/>
Ge&#x017F;eze ha&#x0364;tte man den Hofierer
                             be&#x017F;trafen ko&#x0364;n-<lb/>
nen? aber man &#x017F;ah &#x017F;ich
                             doch durch den Vor-<lb/>
fall geno&#x0364;tigt, das Ge&#x017F;ez, wovon
                             wir reden,<lb/>
zu geben. Der Ma&#x0364;cenat
                             a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;erte viel Zufrie-<lb/>
denheit daru&#x0364;ber,
                             und &#x017F;chien vo&#x0364;llig be&#x017F;a&#x0364;nftigt<lb/>
zu
                             &#x017F;eyn, als er den Landtag verließ. Komm<lb/>
mir nun nur wieder!
                             mochte er denken.</p><lb/>
            <p>Nur denen, die noch nicht lange in der<lb/>
Welt gelebt, oder auf nichts, was darinn<lb/>
vorgeht, Achtung gegeben haben, i&#x017F;t es un-<lb/>
bekant, daß &#x017F;olche Begebenheiten &#x017F;ich wirk-<lb/>
lich zuzutragen pflegen.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>5</head><lb/>
            <p>Derjenige Ma&#x0364;cenat, der den Unfug ein-<lb/>
&#x017F;ieht, welcher dadurch ent&#x017F;tanden i&#x017F;t, daß er<lb/>
&#x017F;ich die bekanten Ko&#x0364;rner hat &#x017F;treuen la&#x017F;&#x017F;en,<lb/>
und der dabey erkla&#x0364;rt, er &#x017F;ey dergleichen ge-<lb/>
lehrte Diener&#x017F;chaft nicht ferner zu dulden ge-<lb/>
&#x017F;onnen, kann in die Republik, und al&#x017F;o nach<lb/>
vorga&#x0364;ngiger Unter&#x017F;uchung der Alderma&#x0364;nner<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">ent-</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[62/0138] gemacht. Man that dem Maͤcenaten Vor- ſtellung uͤber die eigentliche Beſchaffenheit der Sache; da er aber gar nicht hoͤren wolte, und uͤber verſagte Gerechtigkeit immer lauter wurde: ſo konte man ihm zwar wol keine Ge- nungthuung verſchaffen; denn nach welchen Geſeze haͤtte man den Hofierer beſtrafen koͤn- nen? aber man ſah ſich doch durch den Vor- fall genoͤtigt, das Geſez, wovon wir reden, zu geben. Der Maͤcenat aͤuſſerte viel Zufrie- denheit daruͤber, und ſchien voͤllig beſaͤnftigt zu ſeyn, als er den Landtag verließ. Komm mir nun nur wieder! mochte er denken. Nur denen, die noch nicht lange in der Welt gelebt, oder auf nichts, was darinn vorgeht, Achtung gegeben haben, iſt es un- bekant, daß ſolche Begebenheiten ſich wirk- lich zuzutragen pflegen. 5 Derjenige Maͤcenat, der den Unfug ein- ſieht, welcher dadurch entſtanden iſt, daß er ſich die bekanten Koͤrner hat ſtreuen laſſen, und der dabey erklaͤrt, er ſey dergleichen ge- lehrte Dienerſchaft nicht ferner zu dulden ge- ſonnen, kann in die Republik, und alſo nach vorgaͤngiger Unterſuchung der Aldermaͤnner ent-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_gelehrtenrepublik_1774
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_gelehrtenrepublik_1774/138
Zitationshilfe: Klopstock, Friedrich Gottlieb: Deutsche Gelehrtenrepublik. Hamburg, 1774, S. 62. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_gelehrtenrepublik_1774/138>, abgerufen am 15.11.2019.