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Klopstock, Friedrich Gottlieb: Deutsche Gelehrtenrepublik. Hamburg, 1774.

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Baume, so hoch er konte, auf seinem Pferde, haute
die Streitaxt in den Baum, ließ sie darinn, und
sagte zu den begleiten den Bayern: So führt Authari
seine Waffen.

Gesez der Bayern von der Unverlezlich-
keit der Todten.

Frevel, oder Leichtsinn büsset durch zwölf Gülden,
wer die Leiche eines Erschlagnen verlezt, mit Vorsaz,
auch nur durch die leichteste Wunde, aus welcher
bey einem Lebenden Blut flösse; ohne Vorsaz, in-
dem er unter die Adler, oder die andern Raubvögel
schiest, und der Pfeil die Leiche trift.

Die Eroberung Galliens.

Sechs tausend Franken hielten Kriegswandrung,
zukten ihr Schwert, und nanten Gallien, Frankreich.

Die gute Einsicht.

Wir wusten wohl, wer wir waren, wenn wir uns,
mit den überwundnen weichlichen Römern, und lau-
ter als sie, Barbaren ne[n]ten. Denn so sagten die
Räthe zu der Königin Amalaschwind von ihrem
Sohne Athalerich: Er muß keine Lehrer haben, vor
deren Peitsche er zittre, sondern solche, durch die er
die Lanze, und eine Herschaft kennen lerne, die edel,
und barbarischer Sitte sey.

Kädmon.

Auch nach Britannien hatten wir Eroberer gesen-
det. Unter ihnen war Kädmon der erste christliche
Dichter, der an die Stelle der Barden trat. Er sang

in

Baume, ſo hoch er konte, auf ſeinem Pferde, haute
die Streitaxt in den Baum, ließ ſie darinn, und
ſagte zu den begleiten den Bayern: So fuͤhrt Authari
ſeine Waffen.

Geſez der Bayern von der Unverlezlich-
keit der Todten.

Frevel, oder Leichtſinn buͤſſet durch zwoͤlf Guͤlden,
wer die Leiche eines Erſchlagnen verlezt, mit Vorſaz,
auch nur durch die leichteſte Wunde, aus welcher
bey einem Lebenden Blut floͤſſe; ohne Vorſaz, in-
dem er unter die Adler, oder die andern Raubvoͤgel
ſchieſt, und der Pfeil die Leiche trift.

Die Eroberung Galliens.

Sechs tauſend Franken hielten Kriegswandrung,
zukten ihr Schwert, und nanten Gallien, Frankreich.

Die gute Einſicht.

Wir wuſten wohl, wer wir waren, wenn wir uns,
mit den uͤberwundnen weichlichen Roͤmern, und lau-
ter als ſie, Barbaren ne[n]ten. Denn ſo ſagten die
Raͤthe zu der Koͤnigin Amalaſchwind von ihrem
Sohne Athalerich: Er muß keine Lehrer haben, vor
deren Peitſche er zittre, ſondern ſolche, durch die er
die Lanze, und eine Herſchaft kennen lerne, die edel,
und barbariſcher Sitte ſey.

Kaͤdmon.

Auch nach Britannien hatten wir Eroberer geſen-
det. Unter ihnen war Kaͤdmon der erſte chriſtliche
Dichter, der an die Stelle der Barden trat. Er ſang

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[294/0370] Baume, ſo hoch er konte, auf ſeinem Pferde, haute die Streitaxt in den Baum, ließ ſie darinn, und ſagte zu den begleiten den Bayern: So fuͤhrt Authari ſeine Waffen. Geſez der Bayern von der Unverlezlich- keit der Todten. Frevel, oder Leichtſinn buͤſſet durch zwoͤlf Guͤlden, wer die Leiche eines Erſchlagnen verlezt, mit Vorſaz, auch nur durch die leichteſte Wunde, aus welcher bey einem Lebenden Blut floͤſſe; ohne Vorſaz, in- dem er unter die Adler, oder die andern Raubvoͤgel ſchieſt, und der Pfeil die Leiche trift. Die Eroberung Galliens. Sechs tauſend Franken hielten Kriegswandrung, zukten ihr Schwert, und nanten Gallien, Frankreich. Die gute Einſicht. Wir wuſten wohl, wer wir waren, wenn wir uns, mit den uͤberwundnen weichlichen Roͤmern, und lau- ter als ſie, Barbaren nenten. Denn ſo ſagten die Raͤthe zu der Koͤnigin Amalaſchwind von ihrem Sohne Athalerich: Er muß keine Lehrer haben, vor deren Peitſche er zittre, ſondern ſolche, durch die er die Lanze, und eine Herſchaft kennen lerne, die edel, und barbariſcher Sitte ſey. Kaͤdmon. Auch nach Britannien hatten wir Eroberer geſen- det. Unter ihnen war Kaͤdmon der erſte chriſtliche Dichter, der an die Stelle der Barden trat. Er ſang in

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Zitationshilfe: Klopstock, Friedrich Gottlieb: Deutsche Gelehrtenrepublik. Hamburg, 1774, S. 294. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/klopstock_gelehrtenrepublik_1774/370>, abgerufen am 25.05.2019.