Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Klüber, Johann Ludwig: Europäisches Völkerrecht. Bd. 1. Stuttgart, 1821.

Bild:
<< vorherige Seite

II. Th. I. Tit. Unbedingte Rechte d. europ. Staaten.
auf den Zweck des Staates Einfluss haben
kann, welches beobachtend jeder Anordnung und
Vorschrift vorausgehen, und deren Vollziehung
und Erfolg begleiten muss, gebührt jedem Staat,
auch in Beziehung auf das, was fremde Staa-
ten oder deren Unterthanen in Beziehung auf
ihn und seine Angehörigen unternehmen; doch
innerhalb der gehörigen Schranken a).

a) Klüber's öffentl. Recht des teutschen Bundes. §. 278--280.
§. 54.
2) Gesetze und Privilegien.

Die Gesetze des Staates sind anwendbar
auch auf Unterthanen anderer Staaten, so weit
sie in dem diesseitigen Staatsgebiet sich aufhal-
ten, oder Handlungen, insbesondere Rechtsge-
schäfte vornehmen a), oder Vermögen besitzen;
es sey denn, dass Staatsverträge ihnen in dieser
Hinsicht Befreiung von der persönlichen oder
dinglichen Unterthänigkeit einräumen b). Blosse
Verschiedenheit des Privatrechtes der beidersei-
tigen Staaten, berechtigt nicht zu einer Befrei-
ung dieser Art. Wohl aber begründet eine un-
gleiche beschwerende Behandlung fremder Un-
terthanen, im Verhältniss zu einheimischen, z. B.
bei Concursen, Erbschaften u. d., die Retorsion
dieser Behandlung von Seite des andern Staa-
tes c). Auch Privilegien für eigene oder fremde
Unterthanen, müssen Fremde in dem Staatsge-
biete des Ertheilers achten d).

a) Wo-

II. Th. I. Tit. Unbedingte Rechte d. europ. Staaten.
auf den Zweck des Staates Einfluſs haben
kann, welches beobachtend jeder Anordnung und
Vorschrift vorausgehen, und deren Vollziehung
und Erfolg begleiten muſs, gebührt jedem Staat,
auch in Beziehung auf das, was fremde Staa-
ten oder deren Unterthanen in Beziehung auf
ihn und seine Angehörigen unternehmen; doch
innerhalb der gehörigen Schranken a).

a) Klüber’s öffentl. Recht des teutschen Bundes. §. 278—280.
§. 54.
2) Gesetze und Privilegien.

Die Gesetze des Staates sind anwendbar
auch auf Unterthanen anderer Staaten, so weit
sie in dem diesseitigen Staatsgebiet sich aufhal-
ten, oder Handlungen, insbesondere Rechtsge-
schäfte vornehmen a), oder Vermögen besitzen;
es sey denn, daſs Staatsverträge ihnen in dieser
Hinsicht Befreiung von der persönlichen oder
dinglichen Unterthänigkeit einräumen b). Blosse
Verschiedenheit des Privatrechtes der beidersei-
tigen Staaten, berechtigt nicht zu einer Befrei-
ung dieser Art. Wohl aber begründet eine un-
gleiche beschwerende Behandlung fremder Un-
terthanen, im Verhältniſs zu einheimischen, z. B.
bei Concursen, Erbschaften u. d., die Retorsion
dieser Behandlung von Seite des andern Staa-
tes c). Auch Privilegien für eigene oder fremde
Unterthanen, müssen Fremde in dem Staatsge-
biete des Ertheilers achten d).

a) Wo-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <p><pb facs="#f0102" n="96"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#i">II. Th. I. Tit. Unbedingte Rechte d. europ. Staaten.</hi></fw><lb/>
auf den Zweck des Staates Einflu&#x017F;s haben<lb/>
kann, welches beobachtend jeder Anordnung und<lb/>
Vorschrift vorausgehen, und deren Vollziehung<lb/>
und Erfolg begleiten mu&#x017F;s, gebührt jedem Staat,<lb/>
auch in Beziehung auf das, was fremde Staa-<lb/>
ten oder deren Unterthanen in Beziehung auf<lb/>
ihn und seine Angehörigen unternehmen; doch<lb/>
innerhalb der gehörigen Schranken <hi rendition="#i">a</hi>).</p><lb/>
                <note place="end" n="a)"><hi rendition="#k">Klüber</hi>&#x2019;s öffentl. Recht des teutschen Bundes. §. 278&#x2014;280.</note>
              </div><lb/>
              <div n="5">
                <head>§. 54.<lb/>
2) <hi rendition="#i">Gesetze und Privilegien.</hi></head><lb/>
                <p>Die <hi rendition="#i">Gesetze</hi> des Staates sind anwendbar<lb/>
auch auf Unterthanen anderer Staaten, so weit<lb/>
sie in dem diesseitigen Staatsgebiet sich aufhal-<lb/>
ten, oder Handlungen, insbesondere Rechtsge-<lb/>
schäfte vornehmen <hi rendition="#i">a</hi>), oder Vermögen besitzen;<lb/>
es sey denn, da&#x017F;s Staatsverträge ihnen in dieser<lb/>
Hinsicht Befreiung von der persönlichen oder<lb/>
dinglichen Unterthänigkeit einräumen <hi rendition="#i">b</hi>). Blosse<lb/>
Verschiedenheit des Privatrechtes der beidersei-<lb/>
tigen Staaten, berechtigt nicht zu einer Befrei-<lb/>
ung dieser Art. Wohl aber begründet eine un-<lb/>
gleiche beschwerende Behandlung fremder Un-<lb/>
terthanen, im Verhältni&#x017F;s zu einheimischen, z. B.<lb/>
bei Concursen, Erbschaften u. d., die <hi rendition="#i">Retorsion</hi><lb/>
dieser Behandlung von Seite des andern Staa-<lb/>
tes <hi rendition="#i">c</hi>). Auch <hi rendition="#i">Privilegien</hi> für eigene oder fremde<lb/>
Unterthanen, müssen Fremde in dem Staatsge-<lb/>
biete des Ertheilers achten d).</p><lb/>
                <fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#i">a</hi>) Wo-</fw><lb/>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[96/0102] II. Th. I. Tit. Unbedingte Rechte d. europ. Staaten. auf den Zweck des Staates Einfluſs haben kann, welches beobachtend jeder Anordnung und Vorschrift vorausgehen, und deren Vollziehung und Erfolg begleiten muſs, gebührt jedem Staat, auch in Beziehung auf das, was fremde Staa- ten oder deren Unterthanen in Beziehung auf ihn und seine Angehörigen unternehmen; doch innerhalb der gehörigen Schranken a). a⁾ Klüber’s öffentl. Recht des teutschen Bundes. §. 278—280. §. 54. 2) Gesetze und Privilegien. Die Gesetze des Staates sind anwendbar auch auf Unterthanen anderer Staaten, so weit sie in dem diesseitigen Staatsgebiet sich aufhal- ten, oder Handlungen, insbesondere Rechtsge- schäfte vornehmen a), oder Vermögen besitzen; es sey denn, daſs Staatsverträge ihnen in dieser Hinsicht Befreiung von der persönlichen oder dinglichen Unterthänigkeit einräumen b). Blosse Verschiedenheit des Privatrechtes der beidersei- tigen Staaten, berechtigt nicht zu einer Befrei- ung dieser Art. Wohl aber begründet eine un- gleiche beschwerende Behandlung fremder Un- terthanen, im Verhältniſs zu einheimischen, z. B. bei Concursen, Erbschaften u. d., die Retorsion dieser Behandlung von Seite des andern Staa- tes c). Auch Privilegien für eigene oder fremde Unterthanen, müssen Fremde in dem Staatsge- biete des Ertheilers achten d). a) Wo-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/klueber_voelkerrecht01_1821
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/klueber_voelkerrecht01_1821/102
Zitationshilfe: Klüber, Johann Ludwig: Europäisches Völkerrecht. Bd. 1. Stuttgart, 1821, S. 96. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/klueber_voelkerrecht01_1821/102>, abgerufen am 19.03.2019.