Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Klüber, Johann Ludwig: Europäisches Völkerrecht. Bd. 1. Stuttgart, 1821.

Bild:
<< vorherige Seite
III. Cap. Recht d. Unterhandl., ins. durch Gesandte.
dem französischen, s. man Meusel's Geschichte von Frank-
reich, Th. IV, S. 635 f. -- Aufhebung in Spanien 1594,
u. durch eine Verordn. v. 1684.
§. 208.
Unterschieden von dem AsylRecht.

Von jener QuartierFreiheit unterscheidet
sich das gesandschaftliche AsylRecht, Recht der
Freiung oder Freistätte (jus asyli, droit d'asile),
das Recht, zu dem Gefolge des Gesandten nicht
gehörigen Verbrechern oder eines Verbrechens
Verdächtigen, welche sich in das Gesandschaft-
Quartier geflüchtet haben, daselbst Schutz zu
geben gegen die verfolgende Ortsobrigkeit a).
Dieses zu Begünstigung der Verbrecher oft miss-
brauchte Recht, ist in den europäischen Staaten
fast allgemein aufgehoben, mit der Einschrän-
kung, dass dem Gesandten das Recht und die
Pflicht der Auslieferung, nach vorhergegangener
Requisition, zukommt b). Die Ortsobrigkeiten
sind berechtigt, nicht nur zu schleunigen Sicher-
heitsmaasregeln von Aussen, dass der Verbrecher
oder Verdächtige aus dem GesandschaftQuartier
nicht entkomme, sondern auch, in dem Fall
verweigerter Auslieferung, zu gewaltsamer Ab-
holung desselben c). So wenig ein Souverain
berechtigt wäre, den straffälligen Gesandten eines
andern Staates, unter dem Vorwand, dass er in
seinem Staatsgebiet sich befinde, dem Richter-
stuhl seines Souverains zu entziehen, eben so

Klüber's Europ. Völkerr. I. 22
III. Cap. Recht d. Unterhandl., ins. durch Gesandte.
dem französischen, s. man Meusel’s Geschichte von Frank-
reich, Th. IV, S. 635 f. — Aufhebung in Spanien 1594,
u. durch eine Verordn. v. 1684.
§. 208.
Unterschieden von dem AsylRecht.

Von jener QuartierFreiheit unterscheidet
sich das gesandschaftliche AsylRecht, Recht der
Freiung oder Freistätte (jus asyli, droit d’asile),
das Recht, zu dem Gefolge des Gesandten nicht
gehörigen Verbrechern oder eines Verbrechens
Verdächtigen, welche sich in das Gesandschaft-
Quartier geflüchtet haben, daselbst Schutz zu
geben gegen die verfolgende Ortsobrigkeit a).
Dieses zu Begünstigung der Verbrecher oft miſs-
brauchte Recht, ist in den europäischen Staaten
fast allgemein aufgehoben, mit der Einschrän-
kung, daſs dem Gesandten das Recht und die
Pflicht der Auslieferung, nach vorhergegangener
Requisition, zukommt b). Die Ortsobrigkeiten
sind berechtigt, nicht nur zu schleunigen Sicher-
heitsmaasregeln von Aussen, daſs der Verbrecher
oder Verdächtige aus dem GesandschaftQuartier
nicht entkomme, sondern auch, in dem Fall
verweigerter Auslieferung, zu gewaltsamer Ab-
holung desselben c). So wenig ein Souverain
berechtigt wäre, den straffälligen Gesandten eines
andern Staates, unter dem Vorwand, daſs er in
seinem Staatsgebiet sich befinde, dem Richter-
stuhl seines Souverains zu entziehen, eben so

Klüber’s Europ. Völkerr. I. 22
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <note place="end" n="b)"><pb facs="#f0343" n="337"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#i">III. Cap. Recht d. Unterhandl., ins. durch Gesandte.</hi></fw><lb/>
dem französischen, s. man <hi rendition="#k">Meusel</hi>&#x2019;s Geschichte von Frank-<lb/>
reich, Th. IV, S. 635 f. &#x2014; Aufhebung in Spanien 1594,<lb/>
u. durch eine Verordn. v. 1684.</note>
              </div><lb/>
              <div n="5">
                <head>§. 208.<lb/><hi rendition="#i">Unterschieden von dem AsylRecht</hi>.</head><lb/>
                <p>Von jener QuartierFreiheit unterscheidet<lb/>
sich das gesandschaftliche <hi rendition="#i">AsylRecht</hi>, Recht der<lb/>
Freiung oder Freistätte (jus asyli, droit d&#x2019;asile),<lb/>
das Recht, zu dem Gefolge des Gesandten nicht<lb/>
gehörigen Verbrechern oder eines Verbrechens<lb/>
Verdächtigen, welche sich in das Gesandschaft-<lb/>
Quartier geflüchtet haben, daselbst Schutz zu<lb/>
geben gegen die verfolgende Ortsobrigkeit <hi rendition="#i">a</hi>).<lb/>
Dieses zu Begünstigung der Verbrecher oft mi&#x017F;s-<lb/>
brauchte Recht, ist in den europäischen Staaten<lb/>
fast allgemein aufgehoben, mit der Einschrän-<lb/>
kung, da&#x017F;s dem Gesandten das Recht und die<lb/>
Pflicht der Auslieferung, nach vorhergegangener<lb/>
Requisition, zukommt <hi rendition="#i">b</hi>). Die Ortsobrigkeiten<lb/>
sind berechtigt, nicht nur zu schleunigen Sicher-<lb/>
heitsmaasregeln von Aussen, da&#x017F;s der Verbrecher<lb/>
oder Verdächtige aus dem GesandschaftQuartier<lb/>
nicht entkomme, sondern auch, in dem Fall<lb/>
verweigerter Auslieferung, zu gewaltsamer Ab-<lb/>
holung desselben <hi rendition="#i">c</hi>). So wenig ein Souverain<lb/>
berechtigt wäre, den straffälligen Gesandten eines<lb/>
andern Staates, unter dem Vorwand, da&#x017F;s er in<lb/>
seinem Staatsgebiet sich befinde, dem Richter-<lb/>
stuhl seines Souverains zu entziehen, eben so<lb/>
<fw place="bottom" type="sig"><hi rendition="#i">Klüber&#x2019;s Europ. Völkerr.</hi> I. 22</fw><lb/></p>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[337/0343] III. Cap. Recht d. Unterhandl., ins. durch Gesandte. b⁾ dem französischen, s. man Meusel’s Geschichte von Frank- reich, Th. IV, S. 635 f. — Aufhebung in Spanien 1594, u. durch eine Verordn. v. 1684. §. 208. Unterschieden von dem AsylRecht. Von jener QuartierFreiheit unterscheidet sich das gesandschaftliche AsylRecht, Recht der Freiung oder Freistätte (jus asyli, droit d’asile), das Recht, zu dem Gefolge des Gesandten nicht gehörigen Verbrechern oder eines Verbrechens Verdächtigen, welche sich in das Gesandschaft- Quartier geflüchtet haben, daselbst Schutz zu geben gegen die verfolgende Ortsobrigkeit a). Dieses zu Begünstigung der Verbrecher oft miſs- brauchte Recht, ist in den europäischen Staaten fast allgemein aufgehoben, mit der Einschrän- kung, daſs dem Gesandten das Recht und die Pflicht der Auslieferung, nach vorhergegangener Requisition, zukommt b). Die Ortsobrigkeiten sind berechtigt, nicht nur zu schleunigen Sicher- heitsmaasregeln von Aussen, daſs der Verbrecher oder Verdächtige aus dem GesandschaftQuartier nicht entkomme, sondern auch, in dem Fall verweigerter Auslieferung, zu gewaltsamer Ab- holung desselben c). So wenig ein Souverain berechtigt wäre, den straffälligen Gesandten eines andern Staates, unter dem Vorwand, daſs er in seinem Staatsgebiet sich befinde, dem Richter- stuhl seines Souverains zu entziehen, eben so Klüber’s Europ. Völkerr. I. 22

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/klueber_voelkerrecht01_1821
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/klueber_voelkerrecht01_1821/343
Zitationshilfe: Klüber, Johann Ludwig: Europäisches Völkerrecht. Bd. 1. Stuttgart, 1821, S. 337. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/klueber_voelkerrecht01_1821/343>, abgerufen am 20.03.2019.