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Koch, Konrad: Das Fußballspiel im Jahre 1900. In: E. von Schenckendorff/ F. A. Schmidt (Hg.): Jahrbuch für Volks- und Jugendspiele. 10. Jahrgang. Leipzig, 1901. S. 283-286.

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möglich gewesen wäre. Übrigens war die ganze Spielweise an sich
nicht erfreulich. Kaum hatte ein Spieler den Ball aufgenommen, so
hatte ihn ein Gegner bei den Beinen, um ihn zu Falle zu bringen,
und dann folgte eine wenig schöne Balgerei. Auch aus England hört
man wieder Klagen über die allmählich zunehmende Verrohung des
gemischten Spiels, das trotz alledem drüben immer noch an den Uni-
versitäten beliebter ist als das einfach. Die langen, kühnen Läufe
des alten Stils, wie sie z. B. von Hughes in Tom Browns Schul-
tagen so herrlich beschrieben sind, werden immer seltener; auch das
enge Zusammenhalten der Stürmermassen hört auf, um dem lockeren
Spiel, wie es beim gemischten Fußall üblich ist, Platz zu machen.
Hoffentlich führen diese und ähnliche Klagen endlich zu einem kräftigen
Vorgehen der für das gemischte Spiel maßgebenden Union, die es
vermocht hat, das Handwerkertum von ihren Spielplätzen fernzuhalten
und also auch das alte Ideal des Spielplatzes von Rugby zu erneuern
im Stande sein wird.

Höchst erfreulich ist die Anerkennung, die dem Fußballspiele und
der Thätigkeit des Zentral-Ausschusses dafür bei den Verhandlungen
über Fragen des höheren Unterrichts in Berlin am 6.-8. Juni
geworden ist. Freiherr von Seckendorff, Generalmajor, Kom-
mandeur des Kadettencorps, widmete der Wirksamkeit des Zentral-
Ausschusses u. a. einige anerkennende Worte, hob hervor, daß neben
den altbekannten Ballspielen die neu eingeführten, Fußball, Korbball
und Lawn Tennis den reichsten Beifall gefunden hätten, und führt
schließlich folgende Worte des Leiters einer Kadettenanstalt an, die
allgemeine Beachtung verdienen:

"Sehr dankenswert erwies sich die Ausgabe von Regeln für das
Fußballspiel (durch den Zentral-Auschuß); ihnen wird es zu danken
sein, daß dieses öfter als gefährlich oder gar als roh bezeichnete
Spiel im Kadettencorps fortdauernd ohne nennenswerte Verletzungen
und mit Aufrechterhaltung guter Sitten betrieben wird."

möglich gewesen wäre. Übrigens war die ganze Spielweise an sich
nicht erfreulich. Kaum hatte ein Spieler den Ball aufgenommen, so
hatte ihn ein Gegner bei den Beinen, um ihn zu Falle zu bringen,
und dann folgte eine wenig schöne Balgerei. Auch aus England hört
man wieder Klagen über die allmählich zunehmende Verrohung des
gemischten Spiels, das trotz alledem drüben immer noch an den Uni-
versitäten beliebter ist als das einfach. Die langen, kühnen Läufe
des alten Stils, wie sie z. B. von Hughes in Tom Browns Schul-
tagen so herrlich beschrieben sind, werden immer seltener; auch das
enge Zusammenhalten der Stürmermassen hört auf, um dem lockeren
Spiel, wie es beim gemischten Fußall üblich ist, Platz zu machen.
Hoffentlich führen diese und ähnliche Klagen endlich zu einem kräftigen
Vorgehen der für das gemischte Spiel maßgebenden Union, die es
vermocht hat, das Handwerkertum von ihren Spielplätzen fernzuhalten
und also auch das alte Ideal des Spielplatzes von Rugby zu erneuern
im Stande sein wird.

Höchst erfreulich ist die Anerkennung, die dem Fußballspiele und
der Thätigkeit des Zentral-Ausschusses dafür bei den Verhandlungen
über Fragen des höheren Unterrichts in Berlin am 6.-8. Juni
geworden ist. Freiherr von Seckendorff, Generalmajor, Kom-
mandeur des Kadettencorps, widmete der Wirksamkeit des Zentral-
Ausschusses u. a. einige anerkennende Worte, hob hervor, daß neben
den altbekannten Ballspielen die neu eingeführten, Fußball, Korbball
und Lawn Tennis den reichsten Beifall gefunden hätten, und führt
schließlich folgende Worte des Leiters einer Kadettenanstalt an, die
allgemeine Beachtung verdienen:

„Sehr dankenswert erwies sich die Ausgabe von Regeln für das
Fußballspiel (durch den Zentral-Auschuß); ihnen wird es zu danken
sein, daß dieses öfter als gefährlich oder gar als roh bezeichnete
Spiel im Kadettencorps fortdauernd ohne nennenswerte Verletzungen
und mit Aufrechterhaltung guter Sitten betrieben wird.“

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[286/0005] möglich gewesen wäre. Übrigens war die ganze Spielweise an sich nicht erfreulich. Kaum hatte ein Spieler den Ball aufgenommen, so hatte ihn ein Gegner bei den Beinen, um ihn zu Falle zu bringen, und dann folgte eine wenig schöne Balgerei. Auch aus England hört man wieder Klagen über die allmählich zunehmende Verrohung des gemischten Spiels, das trotz alledem drüben immer noch an den Uni- versitäten beliebter ist als das einfach. Die langen, kühnen Läufe des alten Stils, wie sie z. B. von Hughes in Tom Browns Schul- tagen so herrlich beschrieben sind, werden immer seltener; auch das enge Zusammenhalten der Stürmermassen hört auf, um dem lockeren Spiel, wie es beim gemischten Fußall üblich ist, Platz zu machen. Hoffentlich führen diese und ähnliche Klagen endlich zu einem kräftigen Vorgehen der für das gemischte Spiel maßgebenden Union, die es vermocht hat, das Handwerkertum von ihren Spielplätzen fernzuhalten und also auch das alte Ideal des Spielplatzes von Rugby zu erneuern im Stande sein wird. Höchst erfreulich ist die Anerkennung, die dem Fußballspiele und der Thätigkeit des Zentral-Ausschusses dafür bei den Verhandlungen über Fragen des höheren Unterrichts in Berlin am 6.-8. Juni geworden ist. Freiherr von Seckendorff, Generalmajor, Kom- mandeur des Kadettencorps, widmete der Wirksamkeit des Zentral- Ausschusses u. a. einige anerkennende Worte, hob hervor, daß neben den altbekannten Ballspielen die neu eingeführten, Fußball, Korbball und Lawn Tennis den reichsten Beifall gefunden hätten, und führt schließlich folgende Worte des Leiters einer Kadettenanstalt an, die allgemeine Beachtung verdienen: „Sehr dankenswert erwies sich die Ausgabe von Regeln für das Fußballspiel (durch den Zentral-Auschuß); ihnen wird es zu danken sein, daß dieses öfter als gefährlich oder gar als roh bezeichnete Spiel im Kadettencorps fortdauernd ohne nennenswerte Verletzungen und mit Aufrechterhaltung guter Sitten betrieben wird.“

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Zitationshilfe: Koch, Konrad: Das Fußballspiel im Jahre 1900. In: E. von Schenckendorff/ F. A. Schmidt (Hg.): Jahrbuch für Volks- und Jugendspiele. 10. Jahrgang. Leipzig, 1901. S. 283-286, S. 286. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/koch_fussballspiel1900_1901/5>, abgerufen am 21.07.2019.