Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Kraepelin, Emil: Ueber die Beeinflussung einfacher psychischer Vorgänge durch einige Arzneimittel. Jena, 1892.

Bild:
<< vorherige Seite

Sicherheit widerlegt werden kann. Es ist seinerzeit versäumt worden,
normale Parallelreihen durchzuführen. Mir war damals die Grösse
und Unregelmässigkeit der normalen Schwankungen in länger fortge-
setzten psychometrischen Versuchen noch nicht hinreichend bekannt,
um mich zu der angedeuteten Vorsichtsmassregel zu veranlassen. So
aber muss die Möglichkeit zugegeben werden, dass manche der auf
den Alkohol bezogenen Veränderungen in der Reactionsdauer vielleicht
von der Einwirkung des Mittels ganz unabhängig war und durch
andersartige Einflüsse bedingt wurde. Der im Ganzen über Erwarten
gleichmässige Ausfall der Versuche spricht zwar einigermassen gegen
jene Möglichkeit; volle Sicherheit aber wird doch immer nur das
Experiment geben können. Wir werden daher zu untersuchen haben,
wieweit sich aus dem nun folgenden Beobachtungsmaterial Bestäti-
gungen der bisher gewonnenen Resultate ergeben oder nicht.

c. Associationsversuche.

Die erste Gruppe meiner Associationsversuche stammt aus dem
Jahre 1883. *) Sie umfasst nur 3 Beobachtungsreihen, welche in
einer den einfachen Reactionsversuchen durchaus analogen Art ge-
wonnen wurden. Nachdem eine gewisse Anzahl von normalen Asso-
ciationen nach der von Trautscholdt geübten Methode erhalten waren,
erfolgte die Einverleibung von 30 gr Alkohol; sodann wurde unver-
züglich zur Fortsetzung der Zeitmessungen geschritten, bis nach dem
subjectiven Gefühl die Wirkung des Mittels verflogen war. Bei dem
ersten dieser Versuche liess ich die Richtung der Associationen ganz
unbestimmt, während beim zweiten die Forderung gestellt war, Reime
aufzufinden, beim dritten aber Subsumtionen ausgeführt werden sollten.
Versuchsperson war ich selbst, Registrirender Dr. Trautscholdt. Die
Darstellung dieser Versuche nach der alten Methode der Mittelziehung
aus je 3--4 benachbarten Werthen ergab sehr schwankende, unüber-
sichtliche Zahlenreihen, aus denen sich kaum sichere Schlüsse über
den Gang der psychischen Zeiten ableiten liessen. Weit besser war das
möglich, als ich Curven nach den Angaben von Tigerstedt und Berg-
quist
construirte. Für die freien Associationen ergab sich ein stärkeres

*) Bericht über die 56. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte
in Freiburg i. B., 1883, p. 259.
4*

Sicherheit widerlegt werden kann. Es ist seinerzeit versäumt worden,
normale Parallelreihen durchzuführen. Mir war damals die Grösse
und Unregelmässigkeit der normalen Schwankungen in länger fortge-
setzten psychometrischen Versuchen noch nicht hinreichend bekannt,
um mich zu der angedeuteten Vorsichtsmassregel zu veranlassen. So
aber muss die Möglichkeit zugegeben werden, dass manche der auf
den Alkohol bezogenen Veränderungen in der Reactionsdauer vielleicht
von der Einwirkung des Mittels ganz unabhängig war und durch
andersartige Einflüsse bedingt wurde. Der im Ganzen über Erwarten
gleichmässige Ausfall der Versuche spricht zwar einigermassen gegen
jene Möglichkeit; volle Sicherheit aber wird doch immer nur das
Experiment geben können. Wir werden daher zu untersuchen haben,
wieweit sich aus dem nun folgenden Beobachtungsmaterial Bestäti-
gungen der bisher gewonnenen Resultate ergeben oder nicht.

c. Associationsversuche.

Die erste Gruppe meiner Associationsversuche stammt aus dem
Jahre 1883. *) Sie umfasst nur 3 Beobachtungsreihen, welche in
einer den einfachen Reactionsversuchen durchaus analogen Art ge-
wonnen wurden. Nachdem eine gewisse Anzahl von normalen Asso-
ciationen nach der von Trautscholdt geübten Methode erhalten waren,
erfolgte die Einverleibung von 30 gr Alkohol; sodann wurde unver-
züglich zur Fortsetzung der Zeitmessungen geschritten, bis nach dem
subjectiven Gefühl die Wirkung des Mittels verflogen war. Bei dem
ersten dieser Versuche liess ich die Richtung der Associationen ganz
unbestimmt, während beim zweiten die Forderung gestellt war, Reime
aufzufinden, beim dritten aber Subsumtionen ausgeführt werden sollten.
Versuchsperson war ich selbst, Registrirender Dr. Trautscholdt. Die
Darstellung dieser Versuche nach der alten Methode der Mittelziehung
aus je 3—4 benachbarten Werthen ergab sehr schwankende, unüber-
sichtliche Zahlenreihen, aus denen sich kaum sichere Schlüsse über
den Gang der psychischen Zeiten ableiten liessen. Weit besser war das
möglich, als ich Curven nach den Angaben von Tigerstedt und Berg-
quist
construirte. Für die freien Associationen ergab sich ein stärkeres

*) Bericht über die 56. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte
in Freiburg i. B., 1883, p. 259.
4*
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0067" n="51"/>
Sicherheit widerlegt werden kann. Es ist seinerzeit versäumt worden,<lb/>
normale Parallelreihen durchzuführen. Mir war damals die Grösse<lb/>
und Unregelmässigkeit der normalen Schwankungen in länger fortge-<lb/>
setzten psychometrischen Versuchen noch nicht hinreichend bekannt,<lb/>
um mich zu der angedeuteten Vorsichtsmassregel zu veranlassen. So<lb/>
aber muss die Möglichkeit zugegeben werden, dass manche der auf<lb/>
den Alkohol bezogenen Veränderungen in der Reactionsdauer vielleicht<lb/>
von der Einwirkung des Mittels ganz unabhängig war und durch<lb/>
andersartige Einflüsse bedingt wurde. Der im Ganzen über Erwarten<lb/>
gleichmässige Ausfall der Versuche spricht zwar einigermassen gegen<lb/>
jene Möglichkeit; volle Sicherheit aber wird doch immer nur das<lb/>
Experiment geben können. Wir werden daher zu untersuchen haben,<lb/>
wieweit sich aus dem nun folgenden Beobachtungsmaterial Bestäti-<lb/>
gungen der bisher gewonnenen Resultate ergeben oder nicht.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">c. Associationsversuche.</hi> </head><lb/>
          <p>Die erste Gruppe meiner Associationsversuche stammt aus dem<lb/>
Jahre 1883. <note place="foot" n="*)">Bericht über die 56. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte<lb/>
in Freiburg i. B., 1883, p. 259.</note> Sie umfasst nur 3 Beobachtungsreihen, welche in<lb/>
einer den einfachen Reactionsversuchen durchaus analogen Art ge-<lb/>
wonnen wurden. Nachdem eine gewisse Anzahl von normalen Asso-<lb/>
ciationen nach der von <hi rendition="#g">Trautscholdt</hi> geübten Methode erhalten waren,<lb/>
erfolgte die Einverleibung von 30 gr Alkohol; sodann wurde unver-<lb/>
züglich zur Fortsetzung der Zeitmessungen geschritten, bis nach dem<lb/>
subjectiven Gefühl die Wirkung des Mittels verflogen war. Bei dem<lb/>
ersten dieser Versuche liess ich die Richtung der Associationen ganz<lb/>
unbestimmt, während beim zweiten die Forderung gestellt war, Reime<lb/>
aufzufinden, beim dritten aber Subsumtionen ausgeführt werden sollten.<lb/>
Versuchsperson war ich selbst, Registrirender Dr. <hi rendition="#g">Trautscholdt</hi>. Die<lb/>
Darstellung dieser Versuche nach der alten Methode der Mittelziehung<lb/>
aus je 3&#x2014;4 benachbarten Werthen ergab sehr schwankende, unüber-<lb/>
sichtliche Zahlenreihen, aus denen sich kaum sichere Schlüsse über<lb/>
den Gang der psychischen Zeiten ableiten liessen. Weit besser war das<lb/>
möglich, als ich Curven nach den Angaben von <hi rendition="#g">Tigerstedt</hi> und <hi rendition="#g">Berg-<lb/>
quist</hi> construirte. Für die freien Associationen ergab sich ein stärkeres<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">4*</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[51/0067] Sicherheit widerlegt werden kann. Es ist seinerzeit versäumt worden, normale Parallelreihen durchzuführen. Mir war damals die Grösse und Unregelmässigkeit der normalen Schwankungen in länger fortge- setzten psychometrischen Versuchen noch nicht hinreichend bekannt, um mich zu der angedeuteten Vorsichtsmassregel zu veranlassen. So aber muss die Möglichkeit zugegeben werden, dass manche der auf den Alkohol bezogenen Veränderungen in der Reactionsdauer vielleicht von der Einwirkung des Mittels ganz unabhängig war und durch andersartige Einflüsse bedingt wurde. Der im Ganzen über Erwarten gleichmässige Ausfall der Versuche spricht zwar einigermassen gegen jene Möglichkeit; volle Sicherheit aber wird doch immer nur das Experiment geben können. Wir werden daher zu untersuchen haben, wieweit sich aus dem nun folgenden Beobachtungsmaterial Bestäti- gungen der bisher gewonnenen Resultate ergeben oder nicht. c. Associationsversuche. Die erste Gruppe meiner Associationsversuche stammt aus dem Jahre 1883. *) Sie umfasst nur 3 Beobachtungsreihen, welche in einer den einfachen Reactionsversuchen durchaus analogen Art ge- wonnen wurden. Nachdem eine gewisse Anzahl von normalen Asso- ciationen nach der von Trautscholdt geübten Methode erhalten waren, erfolgte die Einverleibung von 30 gr Alkohol; sodann wurde unver- züglich zur Fortsetzung der Zeitmessungen geschritten, bis nach dem subjectiven Gefühl die Wirkung des Mittels verflogen war. Bei dem ersten dieser Versuche liess ich die Richtung der Associationen ganz unbestimmt, während beim zweiten die Forderung gestellt war, Reime aufzufinden, beim dritten aber Subsumtionen ausgeführt werden sollten. Versuchsperson war ich selbst, Registrirender Dr. Trautscholdt. Die Darstellung dieser Versuche nach der alten Methode der Mittelziehung aus je 3—4 benachbarten Werthen ergab sehr schwankende, unüber- sichtliche Zahlenreihen, aus denen sich kaum sichere Schlüsse über den Gang der psychischen Zeiten ableiten liessen. Weit besser war das möglich, als ich Curven nach den Angaben von Tigerstedt und Berg- quist construirte. Für die freien Associationen ergab sich ein stärkeres *) Bericht über die 56. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Freiburg i. B., 1883, p. 259. 4*

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/kraepelin_arzneimittel_1892
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/kraepelin_arzneimittel_1892/67
Zitationshilfe: Kraepelin, Emil: Ueber die Beeinflussung einfacher psychischer Vorgänge durch einige Arzneimittel. Jena, 1892, S. 51. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/kraepelin_arzneimittel_1892/67>, abgerufen am 20.04.2019.