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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 1. Berlin, 1875.

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Die Melioration.
zur Fluthzeit das Wasser durch Schleußen über ein Terrain ausfließen gelassen und
nach dem Absatze des Schlamms zur Zeit der Ebbe wieder abgelassen wurde.

Die in neuerer Zeit von Fraas 1) wieder empfohlene künstliche Alluvion,
d. h. die Ueberschlammung der Wiesen, verbessert nicht nur den physikalischen Boden-
zustand, sondern bereichert den Boden auch mit Pflanzennährstoffen. Nicht nur wird
durch das Regenwasser Schlamm von den Feldern in die Gewässer abgeschwemmt,
sondern die Flüsse etc. führen auch reichliche Mengen abgeschwemmter Verwitterungs-
produkte der Gebirgsgesteine mit sich, welche bei der Ueberschlammung aus dem
Wasser abgesetzt werden und den Wiesen zugute kommen. Durch den Absatz von
Sand, Thon, Lehm aus dem trüben Wasser erhöht sich wenn auch nur sehr all-
mälig der Boden, welcher dadurch trockener wird. Besteht der Boden der Wiese aus
Thon, so verwende man das Wasser, wenn es durch starke Regengüsse oder durch
das Schmelzen des Schnees recht trübe ist, da es dann auch gröbere Sandtheile mit
sich führt, welche zur Lockerung des Bodens beitragen. Bei losem Boden verwende
man Wasser, welches Lehm- und Thontheilchen suspendirt enthält, die sich beim Stehen
des Wassers aus demselben ausscheiden. Den Schlammgehalt kleinerer Gewässer kann
man dadurch vermehren, daß man an den Ufern des Oberlaufes derselben Erde abgräbt
und in das Wasser wirft. Bei stärkerem Schlammgehalte der Gewässer ist es leicht
thunlich durch Einlegen von Faschinen auch Niederungen und kleinere Mulden aus-
zufüllen, zu ebenen.

7. Das Ebenen des Bodens.

Die einfachste Art, einen Boden zu ebenen, läßt sich mit dem Pfluge durchführen,
indem man die Pflugfurchen jedesmal gegen die Vertiefung hin in derselben Richtung
umlegt. Schneller und vollkommener zum Ziele führt das Abgraben der Anhöhen
mit dem Spaten und das
Ausfüllen der Vertiefungen
mit der beim Abgraben ge-
wonnenen Erde, welche mittelst
Hand- oder Pferdekarren zu-
geführt wird. Ein besonders
leistungsfähiges Geräthe für
diesen Zweck ist das mit einem
oder mit zwei Pferden be-
spannte Muldbrett, Fig. 20,

[Abbildung] Fig. 20.

Muldbrett.

eine große, etwa 1 Meter breite, hölzerne Schaufel, deren vorderer Rand mit Blech
beschlagen ist. Bei dem Gebrauche wird das Muldbrett in das gelockerte Erdreich
hineingeschoben und dabei mit Erde gefüllt. An dem auszufüllenden Orte angelangt,
hebt man den rückwärts am Muldbrette angebrachten Stiel nach aufwärts, wo-
durch sich die Schaufel beim Fortziehen durch Ueberstürzen selbst entleert.

Gruben und Löcher, welche sich beim Ausziehen von Baumstrünken ergeben,
werden gleich beim Roden des Waldlandes ausgeglichen.

1) Landw. Centralbl. f. D. 1867, I. S. 389.

Die Melioration.
zur Fluthzeit das Waſſer durch Schleußen über ein Terrain ausfließen gelaſſen und
nach dem Abſatze des Schlamms zur Zeit der Ebbe wieder abgelaſſen wurde.

Die in neuerer Zeit von Fraas 1) wieder empfohlene künſtliche Alluvion,
d. h. die Ueberſchlammung der Wieſen, verbeſſert nicht nur den phyſikaliſchen Boden-
zuſtand, ſondern bereichert den Boden auch mit Pflanzennährſtoffen. Nicht nur wird
durch das Regenwaſſer Schlamm von den Feldern in die Gewäſſer abgeſchwemmt,
ſondern die Flüſſe ꝛc. führen auch reichliche Mengen abgeſchwemmter Verwitterungs-
produkte der Gebirgsgeſteine mit ſich, welche bei der Ueberſchlammung aus dem
Waſſer abgeſetzt werden und den Wieſen zugute kommen. Durch den Abſatz von
Sand, Thon, Lehm aus dem trüben Waſſer erhöht ſich wenn auch nur ſehr all-
mälig der Boden, welcher dadurch trockener wird. Beſteht der Boden der Wieſe aus
Thon, ſo verwende man das Waſſer, wenn es durch ſtarke Regengüſſe oder durch
das Schmelzen des Schnees recht trübe iſt, da es dann auch gröbere Sandtheile mit
ſich führt, welche zur Lockerung des Bodens beitragen. Bei loſem Boden verwende
man Waſſer, welches Lehm- und Thontheilchen ſuspendirt enthält, die ſich beim Stehen
des Waſſers aus demſelben ausſcheiden. Den Schlammgehalt kleinerer Gewäſſer kann
man dadurch vermehren, daß man an den Ufern des Oberlaufes derſelben Erde abgräbt
und in das Waſſer wirft. Bei ſtärkerem Schlammgehalte der Gewäſſer iſt es leicht
thunlich durch Einlegen von Faſchinen auch Niederungen und kleinere Mulden aus-
zufüllen, zu ebenen.

7. Das Ebenen des Bodens.

Die einfachſte Art, einen Boden zu ebenen, läßt ſich mit dem Pfluge durchführen,
indem man die Pflugfurchen jedesmal gegen die Vertiefung hin in derſelben Richtung
umlegt. Schneller und vollkommener zum Ziele führt das Abgraben der Anhöhen
mit dem Spaten und das
Ausfüllen der Vertiefungen
mit der beim Abgraben ge-
wonnenen Erde, welche mittelſt
Hand- oder Pferdekarren zu-
geführt wird. Ein beſonders
leiſtungsfähiges Geräthe für
dieſen Zweck iſt das mit einem
oder mit zwei Pferden be-
ſpannte Muldbrett, Fig. 20,

[Abbildung] Fig. 20.

Muldbrett.

eine große, etwa 1 Meter breite, hölzerne Schaufel, deren vorderer Rand mit Blech
beſchlagen iſt. Bei dem Gebrauche wird das Muldbrett in das gelockerte Erdreich
hineingeſchoben und dabei mit Erde gefüllt. An dem auszufüllenden Orte angelangt,
hebt man den rückwärts am Muldbrette angebrachten Stiel nach aufwärts, wo-
durch ſich die Schaufel beim Fortziehen durch Ueberſtürzen ſelbſt entleert.

Gruben und Löcher, welche ſich beim Ausziehen von Baumſtrünken ergeben,
werden gleich beim Roden des Waldlandes ausgeglichen.

1) Landw. Centralbl. f. D. 1867, I. S. 389.
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[87/0105] Die Melioration. zur Fluthzeit das Waſſer durch Schleußen über ein Terrain ausfließen gelaſſen und nach dem Abſatze des Schlamms zur Zeit der Ebbe wieder abgelaſſen wurde. Die in neuerer Zeit von Fraas 1) wieder empfohlene künſtliche Alluvion, d. h. die Ueberſchlammung der Wieſen, verbeſſert nicht nur den phyſikaliſchen Boden- zuſtand, ſondern bereichert den Boden auch mit Pflanzennährſtoffen. Nicht nur wird durch das Regenwaſſer Schlamm von den Feldern in die Gewäſſer abgeſchwemmt, ſondern die Flüſſe ꝛc. führen auch reichliche Mengen abgeſchwemmter Verwitterungs- produkte der Gebirgsgeſteine mit ſich, welche bei der Ueberſchlammung aus dem Waſſer abgeſetzt werden und den Wieſen zugute kommen. Durch den Abſatz von Sand, Thon, Lehm aus dem trüben Waſſer erhöht ſich wenn auch nur ſehr all- mälig der Boden, welcher dadurch trockener wird. Beſteht der Boden der Wieſe aus Thon, ſo verwende man das Waſſer, wenn es durch ſtarke Regengüſſe oder durch das Schmelzen des Schnees recht trübe iſt, da es dann auch gröbere Sandtheile mit ſich führt, welche zur Lockerung des Bodens beitragen. Bei loſem Boden verwende man Waſſer, welches Lehm- und Thontheilchen ſuspendirt enthält, die ſich beim Stehen des Waſſers aus demſelben ausſcheiden. Den Schlammgehalt kleinerer Gewäſſer kann man dadurch vermehren, daß man an den Ufern des Oberlaufes derſelben Erde abgräbt und in das Waſſer wirft. Bei ſtärkerem Schlammgehalte der Gewäſſer iſt es leicht thunlich durch Einlegen von Faſchinen auch Niederungen und kleinere Mulden aus- zufüllen, zu ebenen. 7. Das Ebenen des Bodens. Die einfachſte Art, einen Boden zu ebenen, läßt ſich mit dem Pfluge durchführen, indem man die Pflugfurchen jedesmal gegen die Vertiefung hin in derſelben Richtung umlegt. Schneller und vollkommener zum Ziele führt das Abgraben der Anhöhen mit dem Spaten und das Ausfüllen der Vertiefungen mit der beim Abgraben ge- wonnenen Erde, welche mittelſt Hand- oder Pferdekarren zu- geführt wird. Ein beſonders leiſtungsfähiges Geräthe für dieſen Zweck iſt das mit einem oder mit zwei Pferden be- ſpannte Muldbrett, Fig. 20, [Abbildung Fig. 20. Muldbrett.] eine große, etwa 1 Meter breite, hölzerne Schaufel, deren vorderer Rand mit Blech beſchlagen iſt. Bei dem Gebrauche wird das Muldbrett in das gelockerte Erdreich hineingeſchoben und dabei mit Erde gefüllt. An dem auszufüllenden Orte angelangt, hebt man den rückwärts am Muldbrette angebrachten Stiel nach aufwärts, wo- durch ſich die Schaufel beim Fortziehen durch Ueberſtürzen ſelbſt entleert. Gruben und Löcher, welche ſich beim Ausziehen von Baumſtrünken ergeben, werden gleich beim Roden des Waldlandes ausgeglichen. 1) Landw. Centralbl. f. D. 1867, I. S. 389.

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 1. Berlin, 1875, S. 87. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft01_1875/105>, abgerufen am 22.03.2019.