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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 1. Berlin, 1875.

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Die Bodenbearbeitung.
Dornegge, Fig. 60, verrichtet eine ähnliche Arbeit wie ein Besen. Für unebenen
Boden verwendet man Schleifen, deren einzelne Theile beweglich sind und sich daher
[Abbildung] Fig. 60.

Dornegge.

den Bodenunebenheiten
anschmiegen können.
Derartige Schleifen,
wie z. B. die belgische
Balkenschleife, bestehen
aus einer parallel an-
geordneten Reihe von
Balken, welche an einer
Kette beweglich aufgeschoben und zur Verringerung der Abnützung an den unteren
Kanten mit Eisenblech beschlagen sind.

Die Schleife wird benützt um das Feld vor dem Säen mit der Maschine, zu
ebenen und zu klären, damit die Radspuren der Säemaschine deutlicher sichtbar bleiben.
Nach der Reihensäemaschine schleift man zuweilen die durch die Saatschare geöffneten
Rillen zu, um den Samen besser mit Erde zu bedecken. Ebenso werden in Kämme
gelegte Kartoffeln, auf rauher Furche oder auf durch die Ringwalze gerifften Boden
gesäete Samen zugeschleift. Stoppeln, Unkrautwurzeln werden durch die Schleife
bloßgelegt und können dann leichter entfernt werden. Zum Vermischen von pulver-
förmigen Düngern mit dem Boden eignet sich die Schleife ganz vorzüglich. Maul-
wurfshaufen, welche besonders auf Wiesen hinderlich sind, werden mit der Schleife
auseinandergezogen und geebenet.

9. Die Dampfculturgeräthe.

In neuerer Zeit erlangt die Bearbeitung des Bodens mit Anwendung der
Dampfkraft 1) immer mehr Bedeutung, wenn auch einer allgemeineren Einführung
derselben zur Zeit noch die hohen Anschaffungskosten der erforderlichen Dampfcultur-
geräthe hinderlich entgegenstehen. Den größten Werth hat die tiefe und kräftige Be-
arbeitung des Bodens mit dem Dampfpfluge, dem Dampfgrubber und der Dampf-
egge, von minderem Belange ist die Verwendung der Dampfwalze, der Dampfsäe-
maschine, der Dampfhackgeräthe, des Dampfrübenhebers und der erst kaum versuchs-
weise ausgeführten Dampfmähemaschine.

Die bewährteste Form des Dampfpfluges ist der von Fisken erfundene von
John Fowler vervollkommnete Balancir- oder Kipppflug, Fig. 61 (s. S. 148).
Derselbe besteht aus einem durch zwei große Fahrräder im Schwerpunkte unter-
stützten, schmiedeeisernen Rahmen, an dessen beiden in einem stumpfen Winkel zu
einander stehenden Seitentheilen in einer Reihe 4--8 stählerne Pflugkörper befestigt
sind. Bei der Arbeit kommt nur ein Scharsatz, welcher durch das Gewicht des auf
dem Rahmen sitzenden Führers niedergehalten wird, in Thätigkeit, während der

1) Dr. E. Perels, Die Dampfbodencultur. Berlin 1870; Dr. E. Perels, Die An-
wendung der Dampfkraft in der Landwirthschaft. Halle 1872.
10*

Die Bodenbearbeitung.
Dornegge, Fig. 60, verrichtet eine ähnliche Arbeit wie ein Beſen. Für unebenen
Boden verwendet man Schleifen, deren einzelne Theile beweglich ſind und ſich daher
[Abbildung] Fig. 60.

Dornegge.

den Bodenunebenheiten
anſchmiegen können.
Derartige Schleifen,
wie z. B. die belgiſche
Balkenſchleife, beſtehen
aus einer parallel an-
geordneten Reihe von
Balken, welche an einer
Kette beweglich aufgeſchoben und zur Verringerung der Abnützung an den unteren
Kanten mit Eiſenblech beſchlagen ſind.

Die Schleife wird benützt um das Feld vor dem Säen mit der Maſchine, zu
ebenen und zu klären, damit die Radſpuren der Säemaſchine deutlicher ſichtbar bleiben.
Nach der Reihenſäemaſchine ſchleift man zuweilen die durch die Saatſchare geöffneten
Rillen zu, um den Samen beſſer mit Erde zu bedecken. Ebenſo werden in Kämme
gelegte Kartoffeln, auf rauher Furche oder auf durch die Ringwalze gerifften Boden
geſäete Samen zugeſchleift. Stoppeln, Unkrautwurzeln werden durch die Schleife
bloßgelegt und können dann leichter entfernt werden. Zum Vermiſchen von pulver-
förmigen Düngern mit dem Boden eignet ſich die Schleife ganz vorzüglich. Maul-
wurfshaufen, welche beſonders auf Wieſen hinderlich ſind, werden mit der Schleife
auseinandergezogen und geebenet.

9. Die Dampfculturgeräthe.

In neuerer Zeit erlangt die Bearbeitung des Bodens mit Anwendung der
Dampfkraft 1) immer mehr Bedeutung, wenn auch einer allgemeineren Einführung
derſelben zur Zeit noch die hohen Anſchaffungskoſten der erforderlichen Dampfcultur-
geräthe hinderlich entgegenſtehen. Den größten Werth hat die tiefe und kräftige Be-
arbeitung des Bodens mit dem Dampfpfluge, dem Dampfgrubber und der Dampf-
egge, von minderem Belange iſt die Verwendung der Dampfwalze, der Dampfſäe-
maſchine, der Dampfhackgeräthe, des Dampfrübenhebers und der erſt kaum verſuchs-
weiſe ausgeführten Dampfmähemaſchine.

Die bewährteſte Form des Dampfpfluges iſt der von Fisken erfundene von
John Fowler vervollkommnete Balancir- oder Kipppflug, Fig. 61 (ſ. S. 148).
Derſelbe beſteht aus einem durch zwei große Fahrräder im Schwerpunkte unter-
ſtützten, ſchmiedeeiſernen Rahmen, an deſſen beiden in einem ſtumpfen Winkel zu
einander ſtehenden Seitentheilen in einer Reihe 4—8 ſtählerne Pflugkörper befeſtigt
ſind. Bei der Arbeit kommt nur ein Scharſatz, welcher durch das Gewicht des auf
dem Rahmen ſitzenden Führers niedergehalten wird, in Thätigkeit, während der

1) Dr. E. Perels, Die Dampfbodencultur. Berlin 1870; Dr. E. Perels, Die An-
wendung der Dampfkraft in der Landwirthſchaft. Halle 1872.
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[147/0165] Die Bodenbearbeitung. Dornegge, Fig. 60, verrichtet eine ähnliche Arbeit wie ein Beſen. Für unebenen Boden verwendet man Schleifen, deren einzelne Theile beweglich ſind und ſich daher [Abbildung Fig. 60. Dornegge.] den Bodenunebenheiten anſchmiegen können. Derartige Schleifen, wie z. B. die belgiſche Balkenſchleife, beſtehen aus einer parallel an- geordneten Reihe von Balken, welche an einer Kette beweglich aufgeſchoben und zur Verringerung der Abnützung an den unteren Kanten mit Eiſenblech beſchlagen ſind. Die Schleife wird benützt um das Feld vor dem Säen mit der Maſchine, zu ebenen und zu klären, damit die Radſpuren der Säemaſchine deutlicher ſichtbar bleiben. Nach der Reihenſäemaſchine ſchleift man zuweilen die durch die Saatſchare geöffneten Rillen zu, um den Samen beſſer mit Erde zu bedecken. Ebenſo werden in Kämme gelegte Kartoffeln, auf rauher Furche oder auf durch die Ringwalze gerifften Boden geſäete Samen zugeſchleift. Stoppeln, Unkrautwurzeln werden durch die Schleife bloßgelegt und können dann leichter entfernt werden. Zum Vermiſchen von pulver- förmigen Düngern mit dem Boden eignet ſich die Schleife ganz vorzüglich. Maul- wurfshaufen, welche beſonders auf Wieſen hinderlich ſind, werden mit der Schleife auseinandergezogen und geebenet. 9. Die Dampfculturgeräthe. In neuerer Zeit erlangt die Bearbeitung des Bodens mit Anwendung der Dampfkraft 1) immer mehr Bedeutung, wenn auch einer allgemeineren Einführung derſelben zur Zeit noch die hohen Anſchaffungskoſten der erforderlichen Dampfcultur- geräthe hinderlich entgegenſtehen. Den größten Werth hat die tiefe und kräftige Be- arbeitung des Bodens mit dem Dampfpfluge, dem Dampfgrubber und der Dampf- egge, von minderem Belange iſt die Verwendung der Dampfwalze, der Dampfſäe- maſchine, der Dampfhackgeräthe, des Dampfrübenhebers und der erſt kaum verſuchs- weiſe ausgeführten Dampfmähemaſchine. Die bewährteſte Form des Dampfpfluges iſt der von Fisken erfundene von John Fowler vervollkommnete Balancir- oder Kipppflug, Fig. 61 (ſ. S. 148). Derſelbe beſteht aus einem durch zwei große Fahrräder im Schwerpunkte unter- ſtützten, ſchmiedeeiſernen Rahmen, an deſſen beiden in einem ſtumpfen Winkel zu einander ſtehenden Seitentheilen in einer Reihe 4—8 ſtählerne Pflugkörper befeſtigt ſind. Bei der Arbeit kommt nur ein Scharſatz, welcher durch das Gewicht des auf dem Rahmen ſitzenden Führers niedergehalten wird, in Thätigkeit, während der 1) Dr. E. Perels, Die Dampfbodencultur. Berlin 1870; Dr. E. Perels, Die An- wendung der Dampfkraft in der Landwirthſchaft. Halle 1872. 10*

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 1. Berlin, 1875. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft01_1875/165>, S. 147, abgerufen am 20.11.2017.