Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 1. Berlin, 1875.

Bild:
<< vorherige Seite
Allgemeine Ackerbaulehre.

Diese Ausbildung wird zu ungleichen Zeiten eintreten je nachdem, 1. die ganze
noch grüne Pflanze oder 2. die Frucht und das Stroh oder 3. die Knollen und
Wurzeln oder schließlich nur 4. einzelne Theile der Pflanze, wie die Samen, die
Blüthen, die Stengel, Blätter etc. zu gewinnen sind.

1. Die Mähmaschine.

Je nach der abzumähenden Fruchtart unterscheidet man 1. Gras-, 2. Getreide-
und 3. combinirte Mähmaschinen Letztere eignen sich ebenso zum Schneiden von
Gras als von Getreide. Alle Mähmaschinen 1) bestehen aus 1. dem Wagen, 2. der
Betriebsvorrichtung und 3. dem Schneideapparat, zu welchem bei vielen Getreide-
erntemaschinen noch 4. der Ablegeapparat hinzukommt.

Der Wagen dient zur Befestigung der einzelnen Theile der Mähmaschine
und zur Aufnahme des Betriebsmechanismus für den Schneide- und Ablegeapparat.
Er besteht aus den Fahrrädern und dem Gestelle, in welchem der Betriebsmechanismus

[Abbildung] Fig. 91.

Howard's "European"-Getreidemähmaschine
mit Selbstablage, zwei Fahrrädern u. Kutschersitz außerhalb
am Gestelle. -- Gewicht 470 Kilo, Gesammtbreite 2.6 Meter;
Preis mit 2 Messern und Werkzeugkasten 640 Mark, 320 fl.

gelagert ist. Die meisten Getreide-
mähmaschinen werden mit einem
70--80 Cm. hohen Fahrrade,
die Grasmähmaschinen mit zwei
Rädern versehen. Es ist jedoch
auch bei Getreidemähmaschinen
wegen dem leichteren Betriebe des
Schneideapparates u. dem sichereren
Gange der Maschine zweckmäßiger,
zwei Räder anzubringen. Eine
empfehlenswerthe Maschine dieser
Art ist die zweiräderige "European"-
Getreidemähmaschine mit Selbst-
ablage von H. & F. Howard --
Bedford, Fig. 91. Dieselbe
zeichnet sich dadurch aus, daß die
Fahrradachse nicht wie sonst üblich,
sondern in starken Doppelgelenken gelagert ist, so daß die Fahrräder jeder Unebenheit
(Abhänge, Wasserfurchen etc.) des Bodens ohne Störung der Arbeit folgen können.

Von Wichtigkeit für den Aufwand an Zugkraft ist die Anordnung der Deichsel.
Bei einräderigen Maschinen vertheilen sich die Widerstände besser, wenn die Deichsel
zwischen dem Fahrrade und dem Schneideapparate, bei zweiräderigen Maschinen wenn
die Deichsel zwischen beiden Fahrrädern angebracht ist. Am ungünstigsten ist die An-
ordnung der Deichsel außer dem Fahrrade, indem dann die Tendenz der Maschine
sich gegen die Frucht zu drehen am stärksten hervortritt.

1) E. Perels, Die Mähmaschinen. Jena 1869; W. Hecke u. G. Krafft, Internationale
Getreide-Mähmaschinen-Concurrenz zu Ungar. Altenburg. Wien 1870; Dr. C. Filly,
Internationale Mähmaschinen-Concurrenz bei Berlin. Berlin 1869.
Allgemeine Ackerbaulehre.

Dieſe Ausbildung wird zu ungleichen Zeiten eintreten je nachdem, 1. die ganze
noch grüne Pflanze oder 2. die Frucht und das Stroh oder 3. die Knollen und
Wurzeln oder ſchließlich nur 4. einzelne Theile der Pflanze, wie die Samen, die
Blüthen, die Stengel, Blätter ꝛc. zu gewinnen ſind.

1. Die Mähmaſchine.

Je nach der abzumähenden Fruchtart unterſcheidet man 1. Gras-, 2. Getreide-
und 3. combinirte Mähmaſchinen Letztere eignen ſich ebenſo zum Schneiden von
Gras als von Getreide. Alle Mähmaſchinen 1) beſtehen aus 1. dem Wagen, 2. der
Betriebsvorrichtung und 3. dem Schneideapparat, zu welchem bei vielen Getreide-
erntemaſchinen noch 4. der Ablegeapparat hinzukommt.

Der Wagen dient zur Befeſtigung der einzelnen Theile der Mähmaſchine
und zur Aufnahme des Betriebsmechanismus für den Schneide- und Ablegeapparat.
Er beſteht aus den Fahrrädern und dem Geſtelle, in welchem der Betriebsmechanismus

[Abbildung] Fig. 91.

Howard's „European“-Getreidemähmaſchine
mit Selbſtablage, zwei Fahrrädern u. Kutſcherſitz außerhalb
am Geſtelle. — Gewicht 470 Kilo, Geſammtbreite 2.6 Meter;
Preis mit 2 Meſſern und Werkzeugkaſten 640 Mark, 320 fl.

gelagert iſt. Die meiſten Getreide-
mähmaſchinen werden mit einem
70—80 Cm. hohen Fahrrade,
die Grasmähmaſchinen mit zwei
Rädern verſehen. Es iſt jedoch
auch bei Getreidemähmaſchinen
wegen dem leichteren Betriebe des
Schneideapparates u. dem ſichereren
Gange der Maſchine zweckmäßiger,
zwei Räder anzubringen. Eine
empfehlenswerthe Maſchine dieſer
Art iſt die zweiräderige „European“-
Getreidemähmaſchine mit Selbſt-
ablage von H. & F. Howard —
Bedford, Fig. 91. Dieſelbe
zeichnet ſich dadurch aus, daß die
Fahrradachſe nicht wie ſonſt üblich,
ſondern in ſtarken Doppelgelenken gelagert iſt, ſo daß die Fahrräder jeder Unebenheit
(Abhänge, Waſſerfurchen ꝛc.) des Bodens ohne Störung der Arbeit folgen können.

Von Wichtigkeit für den Aufwand an Zugkraft iſt die Anordnung der Deichſel.
Bei einräderigen Maſchinen vertheilen ſich die Widerſtände beſſer, wenn die Deichſel
zwiſchen dem Fahrrade und dem Schneideapparate, bei zweiräderigen Maſchinen wenn
die Deichſel zwiſchen beiden Fahrrädern angebracht iſt. Am ungünſtigſten iſt die An-
ordnung der Deichſel außer dem Fahrrade, indem dann die Tendenz der Maſchine
ſich gegen die Frucht zu drehen am ſtärkſten hervortritt.

1) E. Perels, Die Mähmaſchinen. Jena 1869; W. Hecke u. G. Krafft, Internationale
Getreide-Mähmaſchinen-Concurrenz zu Ungar. Altenburg. Wien 1870; Dr. C. Filly,
Internationale Mähmaſchinen-Concurrenz bei Berlin. Berlin 1869.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0264" n="246"/>
            <fw place="top" type="header">Allgemeine Ackerbaulehre.</fw><lb/>
            <p>Die&#x017F;e Ausbildung wird zu ungleichen Zeiten eintreten je nachdem, 1. die ganze<lb/>
noch grüne Pflanze oder 2. die Frucht und das Stroh oder 3. die Knollen und<lb/>
Wurzeln oder &#x017F;chließlich nur 4. einzelne Theile der Pflanze, wie die Samen, die<lb/>
Blüthen, die Stengel, Blätter &#xA75B;c. zu gewinnen &#x017F;ind.</p><lb/>
            <div n="4">
              <head> <hi rendition="#b">1. Die Mähma&#x017F;chine.</hi> </head><lb/>
              <p>Je nach der abzumähenden Fruchtart unter&#x017F;cheidet man 1. Gras-, 2. Getreide-<lb/>
und 3. combinirte Mähma&#x017F;chinen Letztere eignen &#x017F;ich eben&#x017F;o zum Schneiden von<lb/>
Gras als von Getreide. Alle Mähma&#x017F;chinen <note place="foot" n="1)">E. Perels, Die Mähma&#x017F;chinen. Jena 1869; W. Hecke u. G. Krafft, Internationale<lb/>
Getreide-Mähma&#x017F;chinen-Concurrenz zu Ungar. Altenburg. Wien 1870; <hi rendition="#aq">Dr.</hi> C. Filly,<lb/>
Internationale Mähma&#x017F;chinen-Concurrenz bei Berlin. Berlin 1869.</note> be&#x017F;tehen aus 1. dem Wagen, 2. der<lb/>
Betriebsvorrichtung und 3. dem Schneideapparat, zu welchem bei vielen Getreide-<lb/>
erntema&#x017F;chinen noch 4. der Ablegeapparat hinzukommt.</p><lb/>
              <p>Der <hi rendition="#g">Wagen</hi> dient zur Befe&#x017F;tigung der einzelnen Theile der Mähma&#x017F;chine<lb/>
und zur Aufnahme des Betriebsmechanismus für den Schneide- und Ablegeapparat.<lb/>
Er be&#x017F;teht aus den Fahrrädern und dem Ge&#x017F;telle, in welchem der Betriebsmechanismus<lb/><figure><head>Fig. 91. </head><p>Howard's &#x201E;European&#x201C;-Getreidemähma&#x017F;chine<lb/>
mit Selb&#x017F;tablage, zwei Fahrrädern u. Kut&#x017F;cher&#x017F;itz außerhalb<lb/>
am Ge&#x017F;telle. &#x2014; Gewicht 470 Kilo, Ge&#x017F;ammtbreite 2.6 Meter;<lb/>
Preis mit 2 Me&#x017F;&#x017F;ern und Werkzeugka&#x017F;ten 640 Mark, 320 fl.</p></figure><lb/>
gelagert i&#x017F;t. Die mei&#x017F;ten Getreide-<lb/>
mähma&#x017F;chinen werden mit einem<lb/>
70&#x2014;80 Cm. hohen Fahrrade,<lb/>
die Grasmähma&#x017F;chinen mit zwei<lb/>
Rädern ver&#x017F;ehen. Es i&#x017F;t jedoch<lb/>
auch bei Getreidemähma&#x017F;chinen<lb/>
wegen dem leichteren Betriebe des<lb/>
Schneideapparates u. dem &#x017F;ichereren<lb/>
Gange der Ma&#x017F;chine zweckmäßiger,<lb/>
zwei Räder anzubringen. Eine<lb/>
empfehlenswerthe Ma&#x017F;chine die&#x017F;er<lb/>
Art i&#x017F;t die zweiräderige &#x201E;European&#x201C;-<lb/>
Getreidemähma&#x017F;chine mit Selb&#x017F;t-<lb/>
ablage von H. &amp; F. Howard &#x2014;<lb/>
Bedford, Fig. 91. Die&#x017F;elbe<lb/>
zeichnet &#x017F;ich dadurch aus, daß die<lb/>
Fahrradach&#x017F;e nicht wie &#x017F;on&#x017F;t üblich,<lb/>
&#x017F;ondern in &#x017F;tarken Doppelgelenken gelagert i&#x017F;t, &#x017F;o daß die Fahrräder jeder Unebenheit<lb/>
(Abhänge, Wa&#x017F;&#x017F;erfurchen &#xA75B;c.) des Bodens ohne Störung der Arbeit folgen können.</p><lb/>
              <p>Von Wichtigkeit für den Aufwand an Zugkraft i&#x017F;t die Anordnung der Deich&#x017F;el.<lb/>
Bei einräderigen Ma&#x017F;chinen vertheilen &#x017F;ich die Wider&#x017F;tände be&#x017F;&#x017F;er, wenn die Deich&#x017F;el<lb/>
zwi&#x017F;chen dem Fahrrade und dem Schneideapparate, bei zweiräderigen Ma&#x017F;chinen wenn<lb/>
die Deich&#x017F;el zwi&#x017F;chen beiden Fahrrädern angebracht i&#x017F;t. Am ungün&#x017F;tig&#x017F;ten i&#x017F;t die An-<lb/>
ordnung der Deich&#x017F;el außer dem Fahrrade, indem dann die Tendenz der Ma&#x017F;chine<lb/>
&#x017F;ich gegen die Frucht zu drehen am &#x017F;tärk&#x017F;ten hervortritt.</p><lb/>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[246/0264] Allgemeine Ackerbaulehre. Dieſe Ausbildung wird zu ungleichen Zeiten eintreten je nachdem, 1. die ganze noch grüne Pflanze oder 2. die Frucht und das Stroh oder 3. die Knollen und Wurzeln oder ſchließlich nur 4. einzelne Theile der Pflanze, wie die Samen, die Blüthen, die Stengel, Blätter ꝛc. zu gewinnen ſind. 1. Die Mähmaſchine. Je nach der abzumähenden Fruchtart unterſcheidet man 1. Gras-, 2. Getreide- und 3. combinirte Mähmaſchinen Letztere eignen ſich ebenſo zum Schneiden von Gras als von Getreide. Alle Mähmaſchinen 1) beſtehen aus 1. dem Wagen, 2. der Betriebsvorrichtung und 3. dem Schneideapparat, zu welchem bei vielen Getreide- erntemaſchinen noch 4. der Ablegeapparat hinzukommt. Der Wagen dient zur Befeſtigung der einzelnen Theile der Mähmaſchine und zur Aufnahme des Betriebsmechanismus für den Schneide- und Ablegeapparat. Er beſteht aus den Fahrrädern und dem Geſtelle, in welchem der Betriebsmechanismus [Abbildung Fig. 91. Howard's „European“-Getreidemähmaſchine mit Selbſtablage, zwei Fahrrädern u. Kutſcherſitz außerhalb am Geſtelle. — Gewicht 470 Kilo, Geſammtbreite 2.6 Meter; Preis mit 2 Meſſern und Werkzeugkaſten 640 Mark, 320 fl.] gelagert iſt. Die meiſten Getreide- mähmaſchinen werden mit einem 70—80 Cm. hohen Fahrrade, die Grasmähmaſchinen mit zwei Rädern verſehen. Es iſt jedoch auch bei Getreidemähmaſchinen wegen dem leichteren Betriebe des Schneideapparates u. dem ſichereren Gange der Maſchine zweckmäßiger, zwei Räder anzubringen. Eine empfehlenswerthe Maſchine dieſer Art iſt die zweiräderige „European“- Getreidemähmaſchine mit Selbſt- ablage von H. & F. Howard — Bedford, Fig. 91. Dieſelbe zeichnet ſich dadurch aus, daß die Fahrradachſe nicht wie ſonſt üblich, ſondern in ſtarken Doppelgelenken gelagert iſt, ſo daß die Fahrräder jeder Unebenheit (Abhänge, Waſſerfurchen ꝛc.) des Bodens ohne Störung der Arbeit folgen können. Von Wichtigkeit für den Aufwand an Zugkraft iſt die Anordnung der Deichſel. Bei einräderigen Maſchinen vertheilen ſich die Widerſtände beſſer, wenn die Deichſel zwiſchen dem Fahrrade und dem Schneideapparate, bei zweiräderigen Maſchinen wenn die Deichſel zwiſchen beiden Fahrrädern angebracht iſt. Am ungünſtigſten iſt die An- ordnung der Deichſel außer dem Fahrrade, indem dann die Tendenz der Maſchine ſich gegen die Frucht zu drehen am ſtärkſten hervortritt. 1) E. Perels, Die Mähmaſchinen. Jena 1869; W. Hecke u. G. Krafft, Internationale Getreide-Mähmaſchinen-Concurrenz zu Ungar. Altenburg. Wien 1870; Dr. C. Filly, Internationale Mähmaſchinen-Concurrenz bei Berlin. Berlin 1869.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft01_1875
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft01_1875/264
Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 1. Berlin, 1875, S. 246. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft01_1875/264>, abgerufen am 26.03.2019.