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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 1. Berlin, 1875.

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Die Ernte.

Zur Beurtheilung des Bedarfes an Zugkraft mögen hier nach den beiden oben er-
wähnten Berichten noch einige Angaben folgen:

Die durchschnittliche Zugkraft in Kilogr. für je 30 Cm. Schnittbreite war bei den
Kraftproben in Berlin (I) mit Ausschluß der combinirten Maschinen und in Ungar. Alten-
burg (II) die folgende:

[Tabelle]
2. Die Ernte grüner Pflanzen.

Im grünen Zustande werden sowohl die Wiesenpflanzen als auch die auf dem
Ackerlande gebauten Futterpflanzen geerntet. Abgeerntet finden dieselben entweder
gleich im frischen Zustande als Grünfutter Verwendung oder dieselben werden vor
ihrer Verfütterung zu Heu getrocknet. Durch die Heuwerbung will man nicht nur
Vorsorge für die Winterernährung der Thiere treffen, sondern auch ein Futter er-
zielen, welches als Zusatz eine höhere Verwerthung wässeriger Futtermittel, wie
Kartoffeln, Rüben, Schlempe u. dgl. ermöglicht.

Für die Verfütterung der Pflanzen im grünen oder getrockneten Zustande kann
es nicht gleichgültig sein, in welchem Entwickelungsstadium der Pflanze das Ab-
mähen vorgenommen wird, indem davon nicht nur die Menge der in den Futter-
mitteln enthaltenen Nährstoffe, sondern auch die Verdaulichkeit derselben abhängig ist.

Im jugendlichen Zustande sind alle Wiesen- und Feldfutterpflanzen relativ reich
an Nährstoffen und zwar besonders an den für die Thierernährung so wichtigen
stickstoffhaltigen Bestandtheilen und an Phosphorsäure. In jungen Pflanzen ist die
Zellsubstanz überdies noch zart und leicht verdaulich. Je weiter die Pflanzen in
ihrer Entwickelung vorschreiten, desto mehr verlieren sie an Futterwerth, da sie nicht
nur relativ ärmer an stickstoffhaltigen Nährstoffen werden, sondern späterhin auch
bereits eine Umbildung des Zellstoffes in schwerer verdaulichen Holzstoff eintritt.

Die Analysen von Rothklee, der (I) am 9. Juli in der Knospung, (II) am 17. Juli
in der angehenden und (III) am 24. Juli in voller Blüthe stand, ergaben nach E. Heiden
und F. Voigt 1) folgende Resultate:

[Tabelle]
1) Amtsbl. f. d. landw. Vereine im Königr. Sachsen. 1873. S. 7.
Die Ernte.

Zur Beurtheilung des Bedarfes an Zugkraft mögen hier nach den beiden oben er-
wähnten Berichten noch einige Angaben folgen:

Die durchſchnittliche Zugkraft in Kilogr. für je 30 Cm. Schnittbreite war bei den
Kraftproben in Berlin (I) mit Ausſchluß der combinirten Maſchinen und in Ungar. Alten-
burg (II) die folgende:

[Tabelle]
2. Die Ernte grüner Pflanzen.

Im grünen Zuſtande werden ſowohl die Wieſenpflanzen als auch die auf dem
Ackerlande gebauten Futterpflanzen geerntet. Abgeerntet finden dieſelben entweder
gleich im friſchen Zuſtande als Grünfutter Verwendung oder dieſelben werden vor
ihrer Verfütterung zu Heu getrocknet. Durch die Heuwerbung will man nicht nur
Vorſorge für die Winterernährung der Thiere treffen, ſondern auch ein Futter er-
zielen, welches als Zuſatz eine höhere Verwerthung wäſſeriger Futtermittel, wie
Kartoffeln, Rüben, Schlempe u. dgl. ermöglicht.

Für die Verfütterung der Pflanzen im grünen oder getrockneten Zuſtande kann
es nicht gleichgültig ſein, in welchem Entwickelungsſtadium der Pflanze das Ab-
mähen vorgenommen wird, indem davon nicht nur die Menge der in den Futter-
mitteln enthaltenen Nährſtoffe, ſondern auch die Verdaulichkeit derſelben abhängig iſt.

Im jugendlichen Zuſtande ſind alle Wieſen- und Feldfutterpflanzen relativ reich
an Nährſtoffen und zwar beſonders an den für die Thierernährung ſo wichtigen
ſtickſtoffhaltigen Beſtandtheilen und an Phosphorſäure. In jungen Pflanzen iſt die
Zellſubſtanz überdies noch zart und leicht verdaulich. Je weiter die Pflanzen in
ihrer Entwickelung vorſchreiten, deſto mehr verlieren ſie an Futterwerth, da ſie nicht
nur relativ ärmer an ſtickſtoffhaltigen Nährſtoffen werden, ſondern ſpäterhin auch
bereits eine Umbildung des Zellſtoffes in ſchwerer verdaulichen Holzſtoff eintritt.

Die Analyſen von Rothklee, der (I) am 9. Juli in der Knospung, (II) am 17. Juli
in der angehenden und (III) am 24. Juli in voller Blüthe ſtand, ergaben nach E. Heiden
und F. Voigt 1) folgende Reſultate:

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1) Amtsbl. f. d. landw. Vereine im Königr. Sachſen. 1873. S. 7.
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[253/0271] Die Ernte. Zur Beurtheilung des Bedarfes an Zugkraft mögen hier nach den beiden oben er- wähnten Berichten noch einige Angaben folgen: Die durchſchnittliche Zugkraft in Kilogr. für je 30 Cm. Schnittbreite war bei den Kraftproben in Berlin (I) mit Ausſchluß der combinirten Maſchinen und in Ungar. Alten- burg (II) die folgende: 2. Die Ernte grüner Pflanzen. Im grünen Zuſtande werden ſowohl die Wieſenpflanzen als auch die auf dem Ackerlande gebauten Futterpflanzen geerntet. Abgeerntet finden dieſelben entweder gleich im friſchen Zuſtande als Grünfutter Verwendung oder dieſelben werden vor ihrer Verfütterung zu Heu getrocknet. Durch die Heuwerbung will man nicht nur Vorſorge für die Winterernährung der Thiere treffen, ſondern auch ein Futter er- zielen, welches als Zuſatz eine höhere Verwerthung wäſſeriger Futtermittel, wie Kartoffeln, Rüben, Schlempe u. dgl. ermöglicht. Für die Verfütterung der Pflanzen im grünen oder getrockneten Zuſtande kann es nicht gleichgültig ſein, in welchem Entwickelungsſtadium der Pflanze das Ab- mähen vorgenommen wird, indem davon nicht nur die Menge der in den Futter- mitteln enthaltenen Nährſtoffe, ſondern auch die Verdaulichkeit derſelben abhängig iſt. Im jugendlichen Zuſtande ſind alle Wieſen- und Feldfutterpflanzen relativ reich an Nährſtoffen und zwar beſonders an den für die Thierernährung ſo wichtigen ſtickſtoffhaltigen Beſtandtheilen und an Phosphorſäure. In jungen Pflanzen iſt die Zellſubſtanz überdies noch zart und leicht verdaulich. Je weiter die Pflanzen in ihrer Entwickelung vorſchreiten, deſto mehr verlieren ſie an Futterwerth, da ſie nicht nur relativ ärmer an ſtickſtoffhaltigen Nährſtoffen werden, ſondern ſpäterhin auch bereits eine Umbildung des Zellſtoffes in ſchwerer verdaulichen Holzſtoff eintritt. Die Analyſen von Rothklee, der (I) am 9. Juli in der Knospung, (II) am 17. Juli in der angehenden und (III) am 24. Juli in voller Blüthe ſtand, ergaben nach E. Heiden und F. Voigt 1) folgende Reſultate: 1) Amtsbl. f. d. landw. Vereine im Königr. Sachſen. 1873. S. 7.

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 1. Berlin, 1875, S. 253. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft01_1875/271>, abgerufen am 20.03.2019.