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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876.

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Besondere Pflanzenbaulehre.
3. Der Leindotter.
[Abbildung] Fig. 65.

Gemeiner Leindotter (Camelina
sativa Crtz.
) Sun nach Robbe. -- Same mit
Hülle, r Würzelchen; enthüllter Same:
a Würzelchen, b und g Keimblätter,
d Endknöspchen.

Der gemeine Leindotter, Dotter, Butterraps
oder Buttersame (Camelina sativa Crtz.), wie
der Raps zur Familie der Cruciferen gehörig,
besitzt zum Unterschiede von demselben ein auf-
geblasenes Schötchen. In dem zweifächerigen
Schötchen befinden sich meist je acht, kleine gold-
gelbe oder bräunliche Samen, Fig. 65, welche
bis zu 28 % eines leicht ranzig werdenden Oeles
enthalten. Die Pflanze wird 0.45--0.60 Meter
hoch.

Der Anbau dieser Oelfrucht erreicht selten eine größere Ausdehnung, obwohl
sie noch auf geringem, trockenem Sandboden fortkommt und weniger von dem In-
sectenfraße zu leiden hat. Vereinzelt findet man den Leindotter in Deutschland,
Oesterreich, Belgien, Frankreich, in der Türkei, meist an Stelle einer zu Grunde ge-
gangenen anderen Oelfrucht, angebaut.

Die Aussaat erfolgt entweder breitwürfig mit einem Saatquantum von 15 bis
25 Kilogramm oder in 16--20 Ctm. breiten Drillreihen mit einer Saatmenge
von 12--20 Kilogramm. Die Saatzeit fällt auf den Monat April oder den An-
fang Mai.

Von den Pflanzenkrankheiten verhindert das Ueberhandnehmen des Schimmels
(Peronospora parasitica Pers.) und des weißen Rostes (Cystopus candidus Pers.)
die Blüthenbildung und den Fruchtansatz.

Unter den Insecten schaden am meisten die Raupen der Ypsiloneule (Plusia
gamma L.
), Fig. 88, und der Kohlerdfloh (Haltica oleracea L.).

Im August werden die samenreifen Pflanzen gemäht und zum Trocknen auf-
gestellt. Der Körnerertrag erreicht von dem Hektare 10--20 Hektoliter a 60 Kilo-
gramm. An Stroh werden 1.5--2.3 Tonnen geerntet.

4. Der Mohn.

Der Mohn, Schlafmohn, Gartenmohn, Magsamen (Papaver somniferum L.),
Fig. 66, zur Familie der Papaveraceen gehörig, besitzt eine vierblätterige, verschieden-
färbige Blumenkrone, zahlreiche unterweibige Staubblätter, Griffel fehlend, Narbe
schildförmig, vier bis zwanzigstrahlig, Fruchtkapsel halbvielfächerig und kahl, mit
vielen, eiweißhaltigen Samen. Letzterer enthält bis zu 53 % eines, sehr leicht ver-
daulichen, fetten Oeles. Die Samen der großkörnigen Mohnsorten werden sowohl zur
Oelgewinnung, als auch zur Bereitung verschiedener Speisen verwendet. In Süd-
europa, dem Orient und in neuester Zeit, jedoch mit zweifelhaftem Erfolge, auch
in Deutschland, werden kleinsamige Spielarten der Mohnpflanze zur Opium-
gewinnung angebaut. Das Opium ist der eingetrocknete Milchsaft. Derselbe enthält
die verschiedensten giftigen Alkaloide, darunter bis zu 15 % Morphin, Papaverin,

Beſondere Pflanzenbaulehre.
3. Der Leindotter.
[Abbildung] Fig. 65.

Gemeiner Leindotter (Camelina
sativa Crtz.
) ☉ nach Robbe. — Same mit
Hülle, r Würzelchen; enthüllter Same:
α Würzelchen, β und γ Keimblätter,
δ Endknöspchen.

Der gemeine Leindotter, Dotter, Butterraps
oder Butterſame (Camelina sativa Crtz.), wie
der Raps zur Familie der Cruciferen gehörig,
beſitzt zum Unterſchiede von demſelben ein auf-
geblaſenes Schötchen. In dem zweifächerigen
Schötchen befinden ſich meiſt je acht, kleine gold-
gelbe oder bräunliche Samen, Fig. 65, welche
bis zu 28 % eines leicht ranzig werdenden Oeles
enthalten. Die Pflanze wird 0.45—0.60 Meter
hoch.

Der Anbau dieſer Oelfrucht erreicht ſelten eine größere Ausdehnung, obwohl
ſie noch auf geringem, trockenem Sandboden fortkommt und weniger von dem In-
ſectenfraße zu leiden hat. Vereinzelt findet man den Leindotter in Deutſchland,
Oeſterreich, Belgien, Frankreich, in der Türkei, meiſt an Stelle einer zu Grunde ge-
gangenen anderen Oelfrucht, angebaut.

Die Ausſaat erfolgt entweder breitwürfig mit einem Saatquantum von 15 bis
25 Kilogramm oder in 16—20 Ctm. breiten Drillreihen mit einer Saatmenge
von 12—20 Kilogramm. Die Saatzeit fällt auf den Monat April oder den An-
fang Mai.

Von den Pflanzenkrankheiten verhindert das Ueberhandnehmen des Schimmels
(Peronospora parasitica Pers.) und des weißen Roſtes (Cystopus candidus Pers.)
die Blüthenbildung und den Fruchtanſatz.

Unter den Inſecten ſchaden am meiſten die Raupen der Ypſiloneule (Plusia
gamma L.
), Fig. 88, und der Kohlerdfloh (Haltica oleracea L.).

Im Auguſt werden die ſamenreifen Pflanzen gemäht und zum Trocknen auf-
geſtellt. Der Körnerertrag erreicht von dem Hektare 10—20 Hektoliter à 60 Kilo-
gramm. An Stroh werden 1.5—2.3 Tonnen geerntet.

4. Der Mohn.

Der Mohn, Schlafmohn, Gartenmohn, Magſamen (Papaver somniferum L.),
Fig. 66, zur Familie der Papaveraceen gehörig, beſitzt eine vierblätterige, verſchieden-
färbige Blumenkrone, zahlreiche unterweibige Staubblätter, Griffel fehlend, Narbe
ſchildförmig, vier bis zwanzigſtrahlig, Fruchtkapſel halbvielfächerig und kahl, mit
vielen, eiweißhaltigen Samen. Letzterer enthält bis zu 53 % eines, ſehr leicht ver-
daulichen, fetten Oeles. Die Samen der großkörnigen Mohnſorten werden ſowohl zur
Oelgewinnung, als auch zur Bereitung verſchiedener Speiſen verwendet. In Süd-
europa, dem Orient und in neueſter Zeit, jedoch mit zweifelhaftem Erfolge, auch
in Deutſchland, werden kleinſamige Spielarten der Mohnpflanze zur Opium-
gewinnung angebaut. Das Opium iſt der eingetrocknete Milchſaft. Derſelbe enthält
die verſchiedenſten giftigen Alkaloïde, darunter bis zu 15 % Morphin, Papaverin,

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[88/0102] Beſondere Pflanzenbaulehre. 3. Der Leindotter. [Abbildung Fig. 65. Gemeiner Leindotter (Camelina sativa Crtz.) ☉ nach Robbe. — Same mit Hülle, r Würzelchen; enthüllter Same: α Würzelchen, β und γ Keimblätter, δ Endknöspchen. ] Der gemeine Leindotter, Dotter, Butterraps oder Butterſame (Camelina sativa Crtz.), wie der Raps zur Familie der Cruciferen gehörig, beſitzt zum Unterſchiede von demſelben ein auf- geblaſenes Schötchen. In dem zweifächerigen Schötchen befinden ſich meiſt je acht, kleine gold- gelbe oder bräunliche Samen, Fig. 65, welche bis zu 28 % eines leicht ranzig werdenden Oeles enthalten. Die Pflanze wird 0.45—0.60 Meter hoch. Der Anbau dieſer Oelfrucht erreicht ſelten eine größere Ausdehnung, obwohl ſie noch auf geringem, trockenem Sandboden fortkommt und weniger von dem In- ſectenfraße zu leiden hat. Vereinzelt findet man den Leindotter in Deutſchland, Oeſterreich, Belgien, Frankreich, in der Türkei, meiſt an Stelle einer zu Grunde ge- gangenen anderen Oelfrucht, angebaut. Die Ausſaat erfolgt entweder breitwürfig mit einem Saatquantum von 15 bis 25 Kilogramm oder in 16—20 Ctm. breiten Drillreihen mit einer Saatmenge von 12—20 Kilogramm. Die Saatzeit fällt auf den Monat April oder den An- fang Mai. Von den Pflanzenkrankheiten verhindert das Ueberhandnehmen des Schimmels (Peronospora parasitica Pers.) und des weißen Roſtes (Cystopus candidus Pers.) die Blüthenbildung und den Fruchtanſatz. Unter den Inſecten ſchaden am meiſten die Raupen der Ypſiloneule (Plusia gamma L.), Fig. 88, und der Kohlerdfloh (Haltica oleracea L.). Im Auguſt werden die ſamenreifen Pflanzen gemäht und zum Trocknen auf- geſtellt. Der Körnerertrag erreicht von dem Hektare 10—20 Hektoliter à 60 Kilo- gramm. An Stroh werden 1.5—2.3 Tonnen geerntet. 4. Der Mohn. Der Mohn, Schlafmohn, Gartenmohn, Magſamen (Papaver somniferum L.), Fig. 66, zur Familie der Papaveraceen gehörig, beſitzt eine vierblätterige, verſchieden- färbige Blumenkrone, zahlreiche unterweibige Staubblätter, Griffel fehlend, Narbe ſchildförmig, vier bis zwanzigſtrahlig, Fruchtkapſel halbvielfächerig und kahl, mit vielen, eiweißhaltigen Samen. Letzterer enthält bis zu 53 % eines, ſehr leicht ver- daulichen, fetten Oeles. Die Samen der großkörnigen Mohnſorten werden ſowohl zur Oelgewinnung, als auch zur Bereitung verſchiedener Speiſen verwendet. In Süd- europa, dem Orient und in neueſter Zeit, jedoch mit zweifelhaftem Erfolge, auch in Deutſchland, werden kleinſamige Spielarten der Mohnpflanze zur Opium- gewinnung angebaut. Das Opium iſt der eingetrocknete Milchſaft. Derſelbe enthält die verſchiedenſten giftigen Alkaloïde, darunter bis zu 15 % Morphin, Papaverin,

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876, S. 88. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/102>, abgerufen am 18.03.2019.