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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876.

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Besondere Pflanzenbaulehre.

Nach Hosaeus 1) wurde der Samenertrag durch eine Düngung mit einem Ge-
menge von Guano und Sombrerophosphat gegenüber dem ungedüngten Mohn ver-
doppelt und verdreifacht, der Oelgehalt etwas gesteigert. Stickstoffhaltige Düngstoffe,
vorzüglich das schwefelsaure Ammoniak sollen nach Dietrich 2) eine auffällige Ver-
mehrung des Morphingehaltes herbeiführen.

2. Die Saat und Pflege.

Der Mohn ist möglichst frühzeitig, gegen Ende März, spätestens Mitte April
anzubauen. Der Same, welcher gewöhnlich mit Sand oder Asche gemischt, breitwürfig,
in einer Menge von 9--13 Liter oder 6--8 Kilogramm ausgesäet wird, darf nur
flach mit der Egge oder der Schleife untergebracht werden. Bei der vortheilhafteren
Drillsaat (Saatmenge 6--9 Liter oder 4--6 Kilogramm) ist zu beachten, daß der
Same nicht zu tief in den Boden gelangt. Die Entfernung der Drillreihen schwankt
nach dem Längenwachsthume des Mohnes zwischen 26--52 Ctm. In trockenen
Gegenden erreicht er eine Höhe von 0.5, in feuchten von 0.6--1 Meter.

Der Mohn ist als Hackfrucht zwei bis drei Mal mit der Hand, später mit der
Pferdehacke zu behacken, und zuletzt leicht anzuhäufeln. Nach der zweiten Hacke ist
der Mohn in der Drillreihe auf 15--20 Ctm. zu vereinzeln, da bei zu dichtem
Stande die Köpfe klein bleiben.

Von Spätfrösten leidet der Mohn wenig. Späterhin sagen ihm besonders ein
warmer Sommer und Windstille zu. Beeinträchtigt wird der Ertrag durch naßkalte
Witterung und heftige Winde, welche die Stengel abbrechen und bei Schüttmohn
den Samen ausschütteln.

Der Schimmelpilz, Peronospora arborescens Berk., verursacht ein Ver-
krümmen der Stengel und ein blasiges Auftreiben der Blätter. Den größten Schaden
auf den Mohnfeldern richtet der Weißfleckrüßler (Ceutorhynchus macula alba
Hbst.
) an. Das Käferweibchen frißt ein Loch in den unreifen Mohnkopf und legt in
die Nähe der Mohnkörnerreihe ein Ei. Die ausschlüpfende Larve frißt dann oft sämmt-
liche Körner. Außerdem schaden den Wurzeln der Mohnwurzelrüßler (Coeliodes
fuliginosus Marsh.
), an den Blättern der Erdfloh (Haltica fuscicornis Ill.), die
Ampferblattlaus (Aphis rumicis L.), die Mohnblattlaus (Aphis papaveris F.) etc.;
den Früchten die Kohleule (Mamestra brassicae L.), Fig. 77, die Mohngallen-
mücke (Cecidomyia papaveris Winn.) etc.

3. Die Ernte.

Der Mohn wird geerntet, sobald im August, in kühlen Sommern im Septem-
ber, die Stengel dürr und der Same in den Kapseln locker geworden ist. Der
Schließmohn kann länger als der Schüttmohn, dessen Samen leicht ausfallen, am
Felde belassen werden. Im Kleinen werden die reifen Köpfe des Schüttmohnes in

1) Annal. d. Landw. 1868. S. 96.
2) Mitth. des l. Cent. Ver. Kassel 1872. S. 344.
Beſondere Pflanzenbaulehre.

Nach Hoſaeus 1) wurde der Samenertrag durch eine Düngung mit einem Ge-
menge von Guano und Sombrerophosphat gegenüber dem ungedüngten Mohn ver-
doppelt und verdreifacht, der Oelgehalt etwas geſteigert. Stickſtoffhaltige Düngſtoffe,
vorzüglich das ſchwefelſaure Ammoniak ſollen nach Dietrich 2) eine auffällige Ver-
mehrung des Morphingehaltes herbeiführen.

2. Die Saat und Pflege.

Der Mohn iſt möglichſt frühzeitig, gegen Ende März, ſpäteſtens Mitte April
anzubauen. Der Same, welcher gewöhnlich mit Sand oder Aſche gemiſcht, breitwürfig,
in einer Menge von 9—13 Liter oder 6—8 Kilogramm ausgeſäet wird, darf nur
flach mit der Egge oder der Schleife untergebracht werden. Bei der vortheilhafteren
Drillſaat (Saatmenge 6—9 Liter oder 4—6 Kilogramm) iſt zu beachten, daß der
Same nicht zu tief in den Boden gelangt. Die Entfernung der Drillreihen ſchwankt
nach dem Längenwachsthume des Mohnes zwiſchen 26—52 Ctm. In trockenen
Gegenden erreicht er eine Höhe von 0.5, in feuchten von 0.6—1 Meter.

Der Mohn iſt als Hackfrucht zwei bis drei Mal mit der Hand, ſpäter mit der
Pferdehacke zu behacken, und zuletzt leicht anzuhäufeln. Nach der zweiten Hacke iſt
der Mohn in der Drillreihe auf 15—20 Ctm. zu vereinzeln, da bei zu dichtem
Stande die Köpfe klein bleiben.

Von Spätfröſten leidet der Mohn wenig. Späterhin ſagen ihm beſonders ein
warmer Sommer und Windſtille zu. Beeinträchtigt wird der Ertrag durch naßkalte
Witterung und heftige Winde, welche die Stengel abbrechen und bei Schüttmohn
den Samen ausſchütteln.

Der Schimmelpilz, Peronospora arborescens Berk., verurſacht ein Ver-
krümmen der Stengel und ein blaſiges Auftreiben der Blätter. Den größten Schaden
auf den Mohnfeldern richtet der Weißfleckrüßler (Ceutorhynchus macula alba
Hbst.
) an. Das Käferweibchen frißt ein Loch in den unreifen Mohnkopf und legt in
die Nähe der Mohnkörnerreihe ein Ei. Die ausſchlüpfende Larve frißt dann oft ſämmt-
liche Körner. Außerdem ſchaden den Wurzeln der Mohnwurzelrüßler (Coeliodes
fuliginosus Marsh.
), an den Blättern der Erdfloh (Haltica fuscicornis Ill.), die
Ampferblattlaus (Aphis rumicis L.), die Mohnblattlaus (Aphis papaveris F.) ꝛc.;
den Früchten die Kohleule (Mamestra brassicae L.), Fig. 77, die Mohngallen-
mücke (Cecidomyia papaveris Winn.) ꝛc.

3. Die Ernte.

Der Mohn wird geerntet, ſobald im Auguſt, in kühlen Sommern im Septem-
ber, die Stengel dürr und der Same in den Kapſeln locker geworden iſt. Der
Schließmohn kann länger als der Schüttmohn, deſſen Samen leicht ausfallen, am
Felde belaſſen werden. Im Kleinen werden die reifen Köpfe des Schüttmohnes in

1) Annal. d. Landw. 1868. S. 96.
2) Mitth. des l. Cent. Ver. Kaſſel 1872. S. 344.
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[90/0104] Beſondere Pflanzenbaulehre. Nach Hoſaeus 1) wurde der Samenertrag durch eine Düngung mit einem Ge- menge von Guano und Sombrerophosphat gegenüber dem ungedüngten Mohn ver- doppelt und verdreifacht, der Oelgehalt etwas geſteigert. Stickſtoffhaltige Düngſtoffe, vorzüglich das ſchwefelſaure Ammoniak ſollen nach Dietrich 2) eine auffällige Ver- mehrung des Morphingehaltes herbeiführen. 2. Die Saat und Pflege. Der Mohn iſt möglichſt frühzeitig, gegen Ende März, ſpäteſtens Mitte April anzubauen. Der Same, welcher gewöhnlich mit Sand oder Aſche gemiſcht, breitwürfig, in einer Menge von 9—13 Liter oder 6—8 Kilogramm ausgeſäet wird, darf nur flach mit der Egge oder der Schleife untergebracht werden. Bei der vortheilhafteren Drillſaat (Saatmenge 6—9 Liter oder 4—6 Kilogramm) iſt zu beachten, daß der Same nicht zu tief in den Boden gelangt. Die Entfernung der Drillreihen ſchwankt nach dem Längenwachsthume des Mohnes zwiſchen 26—52 Ctm. In trockenen Gegenden erreicht er eine Höhe von 0.5, in feuchten von 0.6—1 Meter. Der Mohn iſt als Hackfrucht zwei bis drei Mal mit der Hand, ſpäter mit der Pferdehacke zu behacken, und zuletzt leicht anzuhäufeln. Nach der zweiten Hacke iſt der Mohn in der Drillreihe auf 15—20 Ctm. zu vereinzeln, da bei zu dichtem Stande die Köpfe klein bleiben. Von Spätfröſten leidet der Mohn wenig. Späterhin ſagen ihm beſonders ein warmer Sommer und Windſtille zu. Beeinträchtigt wird der Ertrag durch naßkalte Witterung und heftige Winde, welche die Stengel abbrechen und bei Schüttmohn den Samen ausſchütteln. Der Schimmelpilz, Peronospora arborescens Berk., verurſacht ein Ver- krümmen der Stengel und ein blaſiges Auftreiben der Blätter. Den größten Schaden auf den Mohnfeldern richtet der Weißfleckrüßler (Ceutorhynchus macula alba Hbst.) an. Das Käferweibchen frißt ein Loch in den unreifen Mohnkopf und legt in die Nähe der Mohnkörnerreihe ein Ei. Die ausſchlüpfende Larve frißt dann oft ſämmt- liche Körner. Außerdem ſchaden den Wurzeln der Mohnwurzelrüßler (Coeliodes fuliginosus Marsh.), an den Blättern der Erdfloh (Haltica fuscicornis Ill.), die Ampferblattlaus (Aphis rumicis L.), die Mohnblattlaus (Aphis papaveris F.) ꝛc.; den Früchten die Kohleule (Mamestra brassicae L.), Fig. 77, die Mohngallen- mücke (Cecidomyia papaveris Winn.) ꝛc. 3. Die Ernte. Der Mohn wird geerntet, ſobald im Auguſt, in kühlen Sommern im Septem- ber, die Stengel dürr und der Same in den Kapſeln locker geworden iſt. Der Schließmohn kann länger als der Schüttmohn, deſſen Samen leicht ausfallen, am Felde belaſſen werden. Im Kleinen werden die reifen Köpfe des Schüttmohnes in 1) Annal. d. Landw. 1868. S. 96. 2) Mitth. des l. Cent. Ver. Kaſſel 1872. S. 344.

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876, S. 90. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/104>, abgerufen am 20.03.2019.