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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876.

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Die Gewürzpflanzen, der Hopfen und die Weberkarde.
15--23.5 Kilogramm auf ein Hektar. Während des weiteren Wachsthumes, welches in
90--120 Tagen vollendet ist, wird die Madie wie der Mohn cultivirt. Die Samen-
köpfe reifen ungleich. Versäumt man den richtigen Moment, so erleidet man durch
Samenausfall großen Verlust. An Samen erntet man von dem Hektar 12 bis
22 Hektoliter a 54 Kilogramm, an Stroh 0.8--1.5 Tonnen.

IV.
Die Gewürzpflanzen, der Hopfen und die Weberkarde.

Der Anbau der Gewürz- und Arzneipflanzen erreicht bei den geringen Ver-
brauchsmengen derselben nur eine sehr mäßige Ausdehnung und daher auch meistens
nur eine locale Bedeutung, wenn auch die durch denselben hervorgebrachten Werthe
immerhin beachtenswerth sind. Ihre Cultur erfordert eine große Aufmerksam-
keit, welche mit Vortheil nur von dem Kleinwirthe aufgewendet werden kann. Die
Zahl der Gewürz- und Arzneipflanzen ist eine ansehnliche. Von denselben gelangen
jedoch nur etwa die folgenden außer dem Garten zum Anbaue: aus der Familie der
Papilionaceen: Bockshornklee (Trigonella foenum graecum L.), Süßholz
(Glycyrrhiza glabra L.),
Rosaceen: Nelkenwurz (Geum urbanum L.),
Cruciferen: Brunnkresse (Nasturtium officinale R. Br.), Schwarzer Senf
(Brassica nigra Kch.), Weißer Senf (Sinapis alba L.), Meerrettig
(Armoracia rusticana Lam.),
Ranunculaceen: Schwarzkümmel (Nigella sativa L.),
Umbelliferen: Kümmel (Carum carvi L.), Anis (Pimpinella anisum L.),
Fenchel (Foeniculum officinale All.), Koriander (Coriandrum
sativum L.
),
Labiaten: Pfeffermünze (Mentha piperita L.),
Compositen: Wermuth (Artemisia absinthium L.),
Irideen: Safran (Crocus sativus All.),
Asphodeleen: Zwiebel (Allium cepa L.) etc.

Am geeignetsten für die Großcultur ist der Hopfen (Humulus lupulus L.)
aus der Familie der Urticeen, weniger die im Anhange zu besprechende Weber-
karde
(Dipsacus fullonum Mill.) aus der Familie der Dipsaceen.

Die Cultur des Hopfens erfordert einen hohen Capitals-, Arbeits-
und Düngeraufwand, welchem allerdings ein bedeutender, wenn auch unsicherer
Rohertrag gegenüber steht. Der Hopfen läßt sich nicht ohne Schaden über ein
Jahr aufbewahren, weshalb der Preis, wie nicht leicht bei einem anderen Pflanzen-
producte, je nach dem Ausfalle der Ernte den größten Schwankungen, und zwar im Ver-
hältnisse von 1 : 12 unterliegt. Die Hopfencultur kann die ansehnlichsten Reinerträge
gewähren, behält jedoch stets wegen der Unsicherheit der Ernte und dem Schwanken
der Preise den Charakter eines Glücksspieles. Trotzdem nimmt der Anbau dieser
wichtigen Handelspflanze mit dem gesteigerten Bedarfe der in stetiger Zunahme be-
griffenen Bierproduction an Bedeutung immermehr zu.


Die Gewürzpflanzen, der Hopfen und die Weberkarde.
15—23.5 Kilogramm auf ein Hektar. Während des weiteren Wachsthumes, welches in
90—120 Tagen vollendet iſt, wird die Madie wie der Mohn cultivirt. Die Samen-
köpfe reifen ungleich. Verſäumt man den richtigen Moment, ſo erleidet man durch
Samenausfall großen Verluſt. An Samen erntet man von dem Hektar 12 bis
22 Hektoliter à 54 Kilogramm, an Stroh 0.8—1.5 Tonnen.

IV.
Die Gewürzpflanzen, der Hopfen und die Weberkarde.

Der Anbau der Gewürz- und Arzneipflanzen erreicht bei den geringen Ver-
brauchsmengen derſelben nur eine ſehr mäßige Ausdehnung und daher auch meiſtens
nur eine locale Bedeutung, wenn auch die durch denſelben hervorgebrachten Werthe
immerhin beachtenswerth ſind. Ihre Cultur erfordert eine große Aufmerkſam-
keit, welche mit Vortheil nur von dem Kleinwirthe aufgewendet werden kann. Die
Zahl der Gewürz- und Arzneipflanzen iſt eine anſehnliche. Von denſelben gelangen
jedoch nur etwa die folgenden außer dem Garten zum Anbaue: aus der Familie der
Papilionaceen: Bockshornklee (Trigonella foenum graecum L.), Süßholz
(Glycyrrhiza glabra L.),
Roſaceen: Nelkenwurz (Geum urbanum L.),
Cruciferen: Brunnkreſſe (Nasturtium officinale R. Br.), Schwarzer Senf
(Brassica nigra Kch.), Weißer Senf (Sinapis alba L.), Meerrettig
(Armoracia rusticana Lam.),
Ranunculaceen: Schwarzkümmel (Nigella sativa L.),
Umbelliferen: Kümmel (Carum carvi L.), Anis (Pimpinella anisum L.),
Fenchel (Foeniculum officinale All.), Koriander (Coriandrum
sativum L.
),
Labiaten: Pfeffermünze (Mentha piperita L.),
Compoſiten: Wermuth (Artemisia absinthium L.),
Irideen: Safran (Crocus sativus All.),
Aſphodeleen: Zwiebel (Allium cepa L.) ꝛc.

Am geeignetſten für die Großcultur iſt der Hopfen (Humulus lupulus L.)
aus der Familie der Urticeen, weniger die im Anhange zu beſprechende Weber-
karde
(Dipsacus fullonum Mill.) aus der Familie der Dipſaceen.

Die Cultur des Hopfens erfordert einen hohen Capitals-, Arbeits-
und Düngeraufwand, welchem allerdings ein bedeutender, wenn auch unſicherer
Rohertrag gegenüber ſteht. Der Hopfen läßt ſich nicht ohne Schaden über ein
Jahr aufbewahren, weshalb der Preis, wie nicht leicht bei einem anderen Pflanzen-
producte, je nach dem Ausfalle der Ernte den größten Schwankungen, und zwar im Ver-
hältniſſe von 1 : 12 unterliegt. Die Hopfencultur kann die anſehnlichſten Reinerträge
gewähren, behält jedoch ſtets wegen der Unſicherheit der Ernte und dem Schwanken
der Preiſe den Charakter eines Glücksſpieles. Trotzdem nimmt der Anbau dieſer
wichtigen Handelspflanze mit dem geſteigerten Bedarfe der in ſtetiger Zunahme be-
griffenen Bierproduction an Bedeutung immermehr zu.


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[93/0107] Die Gewürzpflanzen, der Hopfen und die Weberkarde. 15—23.5 Kilogramm auf ein Hektar. Während des weiteren Wachsthumes, welches in 90—120 Tagen vollendet iſt, wird die Madie wie der Mohn cultivirt. Die Samen- köpfe reifen ungleich. Verſäumt man den richtigen Moment, ſo erleidet man durch Samenausfall großen Verluſt. An Samen erntet man von dem Hektar 12 bis 22 Hektoliter à 54 Kilogramm, an Stroh 0.8—1.5 Tonnen. IV. Die Gewürzpflanzen, der Hopfen und die Weberkarde. Der Anbau der Gewürz- und Arzneipflanzen erreicht bei den geringen Ver- brauchsmengen derſelben nur eine ſehr mäßige Ausdehnung und daher auch meiſtens nur eine locale Bedeutung, wenn auch die durch denſelben hervorgebrachten Werthe immerhin beachtenswerth ſind. Ihre Cultur erfordert eine große Aufmerkſam- keit, welche mit Vortheil nur von dem Kleinwirthe aufgewendet werden kann. Die Zahl der Gewürz- und Arzneipflanzen iſt eine anſehnliche. Von denſelben gelangen jedoch nur etwa die folgenden außer dem Garten zum Anbaue: aus der Familie der Papilionaceen: Bockshornklee (Trigonella foenum graecum L.), Süßholz (Glycyrrhiza glabra L.), Roſaceen: Nelkenwurz (Geum urbanum L.), Cruciferen: Brunnkreſſe (Nasturtium officinale R. Br.), Schwarzer Senf (Brassica nigra Kch.), Weißer Senf (Sinapis alba L.), Meerrettig (Armoracia rusticana Lam.), Ranunculaceen: Schwarzkümmel (Nigella sativa L.), Umbelliferen: Kümmel (Carum carvi L.), Anis (Pimpinella anisum L.), Fenchel (Foeniculum officinale All.), Koriander (Coriandrum sativum L.), Labiaten: Pfeffermünze (Mentha piperita L.), Compoſiten: Wermuth (Artemisia absinthium L.), Irideen: Safran (Crocus sativus All.), Aſphodeleen: Zwiebel (Allium cepa L.) ꝛc. Am geeignetſten für die Großcultur iſt der Hopfen (Humulus lupulus L.) aus der Familie der Urticeen, weniger die im Anhange zu beſprechende Weber- karde (Dipsacus fullonum Mill.) aus der Familie der Dipſaceen. Die Cultur des Hopfens erfordert einen hohen Capitals-, Arbeits- und Düngeraufwand, welchem allerdings ein bedeutender, wenn auch unſicherer Rohertrag gegenüber ſteht. Der Hopfen läßt ſich nicht ohne Schaden über ein Jahr aufbewahren, weshalb der Preis, wie nicht leicht bei einem anderen Pflanzen- producte, je nach dem Ausfalle der Ernte den größten Schwankungen, und zwar im Ver- hältniſſe von 1 : 12 unterliegt. Die Hopfencultur kann die anſehnlichſten Reinerträge gewähren, behält jedoch ſtets wegen der Unſicherheit der Ernte und dem Schwanken der Preiſe den Charakter eines Glücksſpieles. Trotzdem nimmt der Anbau dieſer wichtigen Handelspflanze mit dem geſteigerten Bedarfe der in ſtetiger Zunahme be- griffenen Bierproduction an Bedeutung immermehr zu.

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876, S. 93. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/107>, abgerufen am 22.03.2019.