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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876.

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Besondere Pflanzenbaulehre.
Die Erschöpfung beträgt bei einer mittleren Ernte für ein Hektar:

Asche, Kali, Kalk, Phosporsäure
260 Kilogr. Dolden 17.37 Kilogr. 5.98 Kilogr. 2.89 Kilogr. 2.91 Kilogr.
8000 Kilogr. Blätter u. Ranken 325.60 " 91.20 " 100.80 " 35.20 "
Zusammen: 342.97 Klgr. 97.18 Klgr. 103.69 Klgr. 38.11 Klgr.

Der Hopfen wird unter den verschiedensten klimatischen Verhältnissen gebaut,
sowohl in den feuchteren Lagen Südungarn's (Bellye), als auch in Böhmen (Saaz,
Auscha), in Baiern (Spalt), am Rhein, im Elsaß, in Belgien, in England, in Posen
(Neutomysl) und selbst in Schweden.

2. Anlage des Hopfengartens.

Als ausdauernde Pflanze wird der Hopfen nicht in die Fruchtfolge aufgenommen,
sondern in der geeigneten Oertlichkeit als besonderer Hopfengarten, Hopfen-
plantage, angelegt. Auf tiefgründigem Boden bleibt eine Hopfenanlage ge-
wöhnlich durch 12--15 Jahre, in besonders günstigen Lagen auch noch länger in
guter Ertragsfähigkeit. Nach dieser Zeit fängt die Anlage an lückig zu werden, so
zwar, daß sie die Culturkosten nicht mehr lohnt und aufgelassen werden muß. In
den aufzulassenden Garten wird im Herbste ohne Ueberfrucht Luzerne ausgesäet. Die
im Boden zurückgebliebenen Hopfenstöcke, wenn sie auch austreiben, werden durch den
häufigen Schnitt der Luzerne bald zum Absterben gebracht. Nach 3--4 Jahren
sind sie verfault, so zwar, daß nun auch die Luzerne umgebrochen werden kann.
Durch ein oder zwei Jahre gebaute Hackfrucht reinigt den Boden auch von den
Luzernewurzeln und das Land ist nunmehr wieder zur Neuanlage eines Hopfengartens
geeignet.

Die Neuanlage beginnt im Herbste mit dem Rajolen des Bodens mit dem
Spaten auf mindestens 1 Meter Tiefe, unter gleichzeitiger Anwendung einer sehr starken
Stallmistdüngung, welche zweckmäßig zu zwei verschiedenen Tiefen untergebracht wird.
Im nächsten Frühjahre wird das abgeeggte und gewalzte Land mit der Schnur auf
je 1.3--1.8 Meter im Quadrat marquirt. Auf einen Hopfenstock entfällt daher je
nach Boden und Klima ein Wachsraum von 1.7--3.2 #Meter. Im ersteren Falle
kommen auf 1 Hektar 5883, im letzteren 3125 Hopfenpflanzen. An den mar-
quirten Stellen werden in 30 Ctm. tiefen Gruben zwei, zuweilen auch drei un-
bewurzelte, seltener bewurzelte Setzer derart mit den Augen nach aufwärts hinein-
gestellt, daß sich die Setzer oben berühren, während sie unten 13--16 Ctm. von
einander abstehen.

Die Setzlinge (Fechser) werden beim Schnitte der älteren Hopfenanlagen in
demselben Frühjahre, in welchem die Anlage erfolgt, gewonnen. Als Setzer ver-
wendet man jenen Theil der vorjährigen, stärkeren Reben, welcher sich unmittelbar
über dem Wurzelstocke befindet. Derselbe wird gewöhnlich in 10 Ctm. lange Stücke,

Beſondere Pflanzenbaulehre.
Die Erſchöpfung beträgt bei einer mittleren Ernte für ein Hektar:

Aſche, Kali, Kalk, Phosporſäure
260 Kilogr. Dolden 17.37 Kilogr. 5.98 Kilogr. 2.89 Kilogr. 2.91 Kilogr.
8000 Kilogr. Blätter u. Ranken 325.60 „ 91.20 „ 100.80 „ 35.20 „
Zuſammen: 342.97 Klgr. 97.18 Klgr. 103.69 Klgr. 38.11 Klgr.

Der Hopfen wird unter den verſchiedenſten klimatiſchen Verhältniſſen gebaut,
ſowohl in den feuchteren Lagen Südungarn’s (Bellye), als auch in Böhmen (Saaz,
Auſcha), in Baiern (Spalt), am Rhein, im Elſaß, in Belgien, in England, in Poſen
(Neutomysl) und ſelbſt in Schweden.

2. Anlage des Hopfengartens.

Als ausdauernde Pflanze wird der Hopfen nicht in die Fruchtfolge aufgenommen,
ſondern in der geeigneten Oertlichkeit als beſonderer Hopfengarten, Hopfen-
plantage, angelegt. Auf tiefgründigem Boden bleibt eine Hopfenanlage ge-
wöhnlich durch 12—15 Jahre, in beſonders günſtigen Lagen auch noch länger in
guter Ertragsfähigkeit. Nach dieſer Zeit fängt die Anlage an lückig zu werden, ſo
zwar, daß ſie die Culturkoſten nicht mehr lohnt und aufgelaſſen werden muß. In
den aufzulaſſenden Garten wird im Herbſte ohne Ueberfrucht Luzerne ausgeſäet. Die
im Boden zurückgebliebenen Hopfenſtöcke, wenn ſie auch austreiben, werden durch den
häufigen Schnitt der Luzerne bald zum Abſterben gebracht. Nach 3—4 Jahren
ſind ſie verfault, ſo zwar, daß nun auch die Luzerne umgebrochen werden kann.
Durch ein oder zwei Jahre gebaute Hackfrucht reinigt den Boden auch von den
Luzernewurzeln und das Land iſt nunmehr wieder zur Neuanlage eines Hopfengartens
geeignet.

Die Neuanlage beginnt im Herbſte mit dem Rajolen des Bodens mit dem
Spaten auf mindeſtens 1 Meter Tiefe, unter gleichzeitiger Anwendung einer ſehr ſtarken
Stallmiſtdüngung, welche zweckmäßig zu zwei verſchiedenen Tiefen untergebracht wird.
Im nächſten Frühjahre wird das abgeeggte und gewalzte Land mit der Schnur auf
je 1.3—1.8 Meter im Quadrat marquirt. Auf einen Hopfenſtock entfällt daher je
nach Boden und Klima ein Wachsraum von 1.7—3.2 □Meter. Im erſteren Falle
kommen auf 1 Hektar 5883, im letzteren 3125 Hopfenpflanzen. An den mar-
quirten Stellen werden in 30 Ctm. tiefen Gruben zwei, zuweilen auch drei un-
bewurzelte, ſeltener bewurzelte Setzer derart mit den Augen nach aufwärts hinein-
geſtellt, daß ſich die Setzer oben berühren, während ſie unten 13—16 Ctm. von
einander abſtehen.

Die Setzlinge (Fechſer) werden beim Schnitte der älteren Hopfenanlagen in
demſelben Frühjahre, in welchem die Anlage erfolgt, gewonnen. Als Setzer ver-
wendet man jenen Theil der vorjährigen, ſtärkeren Reben, welcher ſich unmittelbar
über dem Wurzelſtocke befindet. Derſelbe wird gewöhnlich in 10 Ctm. lange Stücke,

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[100/0114] Beſondere Pflanzenbaulehre. Die Erſchöpfung beträgt bei einer mittleren Ernte für ein Hektar: Aſche, Kali, Kalk, Phosporſäure 260 Kilogr. Dolden 17.37 Kilogr. 5.98 Kilogr. 2.89 Kilogr. 2.91 Kilogr. 8000 Kilogr. Blätter u. Ranken 325.60 „ 91.20 „ 100.80 „ 35.20 „ Zuſammen: 342.97 Klgr. 97.18 Klgr. 103.69 Klgr. 38.11 Klgr. Der Hopfen wird unter den verſchiedenſten klimatiſchen Verhältniſſen gebaut, ſowohl in den feuchteren Lagen Südungarn’s (Bellye), als auch in Böhmen (Saaz, Auſcha), in Baiern (Spalt), am Rhein, im Elſaß, in Belgien, in England, in Poſen (Neutomysl) und ſelbſt in Schweden. 2. Anlage des Hopfengartens. Als ausdauernde Pflanze wird der Hopfen nicht in die Fruchtfolge aufgenommen, ſondern in der geeigneten Oertlichkeit als beſonderer Hopfengarten, Hopfen- plantage, angelegt. Auf tiefgründigem Boden bleibt eine Hopfenanlage ge- wöhnlich durch 12—15 Jahre, in beſonders günſtigen Lagen auch noch länger in guter Ertragsfähigkeit. Nach dieſer Zeit fängt die Anlage an lückig zu werden, ſo zwar, daß ſie die Culturkoſten nicht mehr lohnt und aufgelaſſen werden muß. In den aufzulaſſenden Garten wird im Herbſte ohne Ueberfrucht Luzerne ausgeſäet. Die im Boden zurückgebliebenen Hopfenſtöcke, wenn ſie auch austreiben, werden durch den häufigen Schnitt der Luzerne bald zum Abſterben gebracht. Nach 3—4 Jahren ſind ſie verfault, ſo zwar, daß nun auch die Luzerne umgebrochen werden kann. Durch ein oder zwei Jahre gebaute Hackfrucht reinigt den Boden auch von den Luzernewurzeln und das Land iſt nunmehr wieder zur Neuanlage eines Hopfengartens geeignet. Die Neuanlage beginnt im Herbſte mit dem Rajolen des Bodens mit dem Spaten auf mindeſtens 1 Meter Tiefe, unter gleichzeitiger Anwendung einer ſehr ſtarken Stallmiſtdüngung, welche zweckmäßig zu zwei verſchiedenen Tiefen untergebracht wird. Im nächſten Frühjahre wird das abgeeggte und gewalzte Land mit der Schnur auf je 1.3—1.8 Meter im Quadrat marquirt. Auf einen Hopfenſtock entfällt daher je nach Boden und Klima ein Wachsraum von 1.7—3.2 □Meter. Im erſteren Falle kommen auf 1 Hektar 5883, im letzteren 3125 Hopfenpflanzen. An den mar- quirten Stellen werden in 30 Ctm. tiefen Gruben zwei, zuweilen auch drei un- bewurzelte, ſeltener bewurzelte Setzer derart mit den Augen nach aufwärts hinein- geſtellt, daß ſich die Setzer oben berühren, während ſie unten 13—16 Ctm. von einander abſtehen. Die Setzlinge (Fechſer) werden beim Schnitte der älteren Hopfenanlagen in demſelben Frühjahre, in welchem die Anlage erfolgt, gewonnen. Als Setzer ver- wendet man jenen Theil der vorjährigen, ſtärkeren Reben, welcher ſich unmittelbar über dem Wurzelſtocke befindet. Derſelbe wird gewöhnlich in 10 Ctm. lange Stücke,

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876, S. 100. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/114>, abgerufen am 19.03.2019.