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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876.

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Besondere Pflanzenbaulehre.

In milden Gegenden mit feuchtem Frühjahre empfiehlt es sich, den Wau als
Sommergewächs zu cultiviren. In trockenen Frühjahren geht der Same, welcher
viele Feuchtigkeit zum Keimen verlangt, oft lange nicht auf, weshalb es für solche
Oertlichkeiten zweckmäßiger ist, den Wau schon im Herbste auszusäen. An Samen,
welcher mit der Egge flach untergebracht oder noch besser gedrillt wird, verwendet
man auf 1 Hektar 12--16 Kilogramm.

Die weitere Cultur ist sehr einfach. Sie beschränkt sich auf das Jäten und
Bearbeiten der Bodenzwischenräume mit der Handhacke und auf das Verdünnen bei
zu üppigem Stande der Pflanzen.

Sobald der Wau in volle Blüthe getreten, die untersten Blätter gelb zu werden
beginnen und die untersten Samenkapseln reifen, werden die Pflanzen dicht am Boden
abgehauen und im Schatten, nachdem alle etwaigen Unkrautpflanzen ausgezogen
worden, zum Trocknen aufgestellt. Am besten wird der Wau auf der Tenne oder
unter einem sonstigen bedachten Raume getrocknet, da sich sein Werth durch Beregnen
bedeutend verringert. Der gut getrocknete Wau darf weder braun noch dunkelgrün
sein, sondern muß, wenn er als gute, farbreiche Waare bezahlt werden soll, hellgrün
gefärbt sein. Der Ertrag an getrockneten Pflanzen erreicht bei dem zweijährigen,
deutschen Wau 2600--5000 Kilogramm, im Werthe von 12--20 Mark (6--10 fl.)
per 100 Kilogramm, bei dem einjährigen, französischen Wau 2000--4300
Kilogramm, im Werthe von 20--24 Mark (10--12 fl.).

Zur Samengewinnung läßt man einige Pflanzen bis zur Vollreife stehen. Der
Samenertrag stellt sich auf 200--400 Kilogramm von dem Hektare.

4. Der Waid.

Die Cultur des Waid, Färberwaid, deutscher Indigo (Isatis tinctoria L.)
wird seit der Einführung des Indigo (von Indigofera tinctoria und Indigofera anil
stammend) zum Blaufärben nur mehr in sehr beschränktem Maße, am ausgedehntesten
noch in Thüringen angebaut.

Der Boden für Waid soll tiefgründig, lehm- und kalkreich sein und sich in
gutem Düngungszustande befinden. Ueber die Cultur dieser zweijährigen Pflanze
macht Langethal 1) folgende Angaben:

"Für den Waid pflügt man den Acker, sobald die Gerste das Land verlassen
hat, 45 Ctm. tief, und bringt dabei, mit Hilfe des Rechens 45 Fuhren Dünger
ins Land. Der Acker bleibt bis zum October liegen, worauf man die Erde, durch
ein nochmaliges Tiefpflügen wieder zusammenschlägt. Im Anfange des Frühjahres
wird das Feld blos aufgeegget und mit 5 Kilogramm Schötchen pro Hektar besäet,
die man auf sehr flache Furchen ausstreut. Zuletzt wird zugeegget und angewalzt.
Bekommen die Schötchen keinen Regen, dann bleiben sie oft 6 Wochen, ohne zu
keimen, im Boden liegen, dann aber wachsen die Pflanzen schnell heran. Sobald

1) Dr. Chr. Ed. Langethal. Handbuch der landwirth. Pflanzenkunde und des Pflanzen-
baues. 5. Auflg. Berlin 1874. S. 148.
Beſondere Pflanzenbaulehre.

In milden Gegenden mit feuchtem Frühjahre empfiehlt es ſich, den Wau als
Sommergewächs zu cultiviren. In trockenen Frühjahren geht der Same, welcher
viele Feuchtigkeit zum Keimen verlangt, oft lange nicht auf, weshalb es für ſolche
Oertlichkeiten zweckmäßiger iſt, den Wau ſchon im Herbſte auszuſäen. An Samen,
welcher mit der Egge flach untergebracht oder noch beſſer gedrillt wird, verwendet
man auf 1 Hektar 12—16 Kilogramm.

Die weitere Cultur iſt ſehr einfach. Sie beſchränkt ſich auf das Jäten und
Bearbeiten der Bodenzwiſchenräume mit der Handhacke und auf das Verdünnen bei
zu üppigem Stande der Pflanzen.

Sobald der Wau in volle Blüthe getreten, die unterſten Blätter gelb zu werden
beginnen und die unterſten Samenkapſeln reifen, werden die Pflanzen dicht am Boden
abgehauen und im Schatten, nachdem alle etwaigen Unkrautpflanzen ausgezogen
worden, zum Trocknen aufgeſtellt. Am beſten wird der Wau auf der Tenne oder
unter einem ſonſtigen bedachten Raume getrocknet, da ſich ſein Werth durch Beregnen
bedeutend verringert. Der gut getrocknete Wau darf weder braun noch dunkelgrün
ſein, ſondern muß, wenn er als gute, farbreiche Waare bezahlt werden ſoll, hellgrün
gefärbt ſein. Der Ertrag an getrockneten Pflanzen erreicht bei dem zweijährigen,
deutſchen Wau 2600—5000 Kilogramm, im Werthe von 12—20 Mark (6—10 fl.)
per 100 Kilogramm, bei dem einjährigen, franzöſiſchen Wau 2000—4300
Kilogramm, im Werthe von 20—24 Mark (10—12 fl.).

Zur Samengewinnung läßt man einige Pflanzen bis zur Vollreife ſtehen. Der
Samenertrag ſtellt ſich auf 200—400 Kilogramm von dem Hektare.

4. Der Waid.

Die Cultur des Waid, Färberwaid, deutſcher Indigo (Isatis tinctoria L.)
wird ſeit der Einführung des Indigo (von Indigofera tinctoria und Indigofera anil
ſtammend) zum Blaufärben nur mehr in ſehr beſchränktem Maße, am ausgedehnteſten
noch in Thüringen angebaut.

Der Boden für Waid ſoll tiefgründig, lehm- und kalkreich ſein und ſich in
gutem Düngungszuſtande befinden. Ueber die Cultur dieſer zweijährigen Pflanze
macht Langethal 1) folgende Angaben:

„Für den Waid pflügt man den Acker, ſobald die Gerſte das Land verlaſſen
hat, 45 Ctm. tief, und bringt dabei, mit Hilfe des Rechens 45 Fuhren Dünger
ins Land. Der Acker bleibt bis zum October liegen, worauf man die Erde, durch
ein nochmaliges Tiefpflügen wieder zuſammenſchlägt. Im Anfange des Frühjahres
wird das Feld blos aufgeegget und mit 5 Kilogramm Schötchen pro Hektar beſäet,
die man auf ſehr flache Furchen ausſtreut. Zuletzt wird zugeegget und angewalzt.
Bekommen die Schötchen keinen Regen, dann bleiben ſie oft 6 Wochen, ohne zu
keimen, im Boden liegen, dann aber wachſen die Pflanzen ſchnell heran. Sobald

1) Dr. Chr. Ed. Langethal. Handbuch der landwirth. Pflanzenkunde und des Pflanzen-
baues. 5. Auflg. Berlin 1874. S. 148.
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[108/0122] Beſondere Pflanzenbaulehre. In milden Gegenden mit feuchtem Frühjahre empfiehlt es ſich, den Wau als Sommergewächs zu cultiviren. In trockenen Frühjahren geht der Same, welcher viele Feuchtigkeit zum Keimen verlangt, oft lange nicht auf, weshalb es für ſolche Oertlichkeiten zweckmäßiger iſt, den Wau ſchon im Herbſte auszuſäen. An Samen, welcher mit der Egge flach untergebracht oder noch beſſer gedrillt wird, verwendet man auf 1 Hektar 12—16 Kilogramm. Die weitere Cultur iſt ſehr einfach. Sie beſchränkt ſich auf das Jäten und Bearbeiten der Bodenzwiſchenräume mit der Handhacke und auf das Verdünnen bei zu üppigem Stande der Pflanzen. Sobald der Wau in volle Blüthe getreten, die unterſten Blätter gelb zu werden beginnen und die unterſten Samenkapſeln reifen, werden die Pflanzen dicht am Boden abgehauen und im Schatten, nachdem alle etwaigen Unkrautpflanzen ausgezogen worden, zum Trocknen aufgeſtellt. Am beſten wird der Wau auf der Tenne oder unter einem ſonſtigen bedachten Raume getrocknet, da ſich ſein Werth durch Beregnen bedeutend verringert. Der gut getrocknete Wau darf weder braun noch dunkelgrün ſein, ſondern muß, wenn er als gute, farbreiche Waare bezahlt werden ſoll, hellgrün gefärbt ſein. Der Ertrag an getrockneten Pflanzen erreicht bei dem zweijährigen, deutſchen Wau 2600—5000 Kilogramm, im Werthe von 12—20 Mark (6—10 fl.) per 100 Kilogramm, bei dem einjährigen, franzöſiſchen Wau 2000—4300 Kilogramm, im Werthe von 20—24 Mark (10—12 fl.). Zur Samengewinnung läßt man einige Pflanzen bis zur Vollreife ſtehen. Der Samenertrag ſtellt ſich auf 200—400 Kilogramm von dem Hektare. 4. Der Waid. Die Cultur des Waid, Färberwaid, deutſcher Indigo (Isatis tinctoria L.) ⚇ wird ſeit der Einführung des Indigo (von Indigofera tinctoria und Indigofera anil ſtammend) zum Blaufärben nur mehr in ſehr beſchränktem Maße, am ausgedehnteſten noch in Thüringen angebaut. Der Boden für Waid ſoll tiefgründig, lehm- und kalkreich ſein und ſich in gutem Düngungszuſtande befinden. Ueber die Cultur dieſer zweijährigen Pflanze macht Langethal 1) folgende Angaben: „Für den Waid pflügt man den Acker, ſobald die Gerſte das Land verlaſſen hat, 45 Ctm. tief, und bringt dabei, mit Hilfe des Rechens 45 Fuhren Dünger ins Land. Der Acker bleibt bis zum October liegen, worauf man die Erde, durch ein nochmaliges Tiefpflügen wieder zuſammenſchlägt. Im Anfange des Frühjahres wird das Feld blos aufgeegget und mit 5 Kilogramm Schötchen pro Hektar beſäet, die man auf ſehr flache Furchen ausſtreut. Zuletzt wird zugeegget und angewalzt. Bekommen die Schötchen keinen Regen, dann bleiben ſie oft 6 Wochen, ohne zu keimen, im Boden liegen, dann aber wachſen die Pflanzen ſchnell heran. Sobald 1) Dr. Chr. Ed. Langethal. Handbuch der landwirth. Pflanzenkunde und des Pflanzen- baues. 5. Auflg. Berlin 1874. S. 148.

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876, S. 108. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/122>, abgerufen am 21.03.2019.