Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876.

Bild:
<< vorherige Seite

Besondere Pflanzenbaulehre.
Ein Theil dieser Abfälle gewährt bedeutende Futtermengen, welche in Dünger um-
gewandelt, dem Boden die entzogenen Nährstoffe wieder zurückerstatten. Am vortheil-
haftesten wird sich die Cultur der Hackfrüchte herausstellen, wenn durch Vermehrung des
Capitals- und Düngeraufwandes möglichst hohe Ernteerträge angestrebt werden, indem
sich dann die nahezu gleichbleibenden Arbeitskosten auf eine größere Erntemenge vertheilen:

Am häufigsten werden von den Knollenfrüchten cultivirt und zwar aus
der Familie der
Cruciferen: der Kohlrabi (Brassica oleracea gongyloides L.)
Solaneen: die Kartoffel (Solanum tuberosum L.)
Compositen: der Topinambur (Helianthus tuberosus L.).
Von den Wurzelfrüchten werden gebaut aus der Familie der
Chenopodeen: die Runkelrübe (Beta vulgaris L.),
Cruciferen: die Steck- oder Kohlrübe (Brassica napus rapifera DC.),
die weiße oder Wasserrübe (Brassica rapa rapifera DC),
Cucurbitaceen: der Kürbis (Cucurbita Pepo L.),
Umbelliferen: die Sellerie (Apium graveolens L.), die Pastinake
(Pastinaca sativa L.), die Möhre (Daucus carota L.),
Compositen: die Cichorie (Cichorium intybus L.).

Im Anhange sollen einige Futterpflanzen, deren Stengel und Blätter zur Ver-
wendung kommen, jedoch in der Cultur mit den Knollengewächsen übereinstimmen,
besprochen werden und zwar aus der Familie der
Cruciferen: der Winterkohl, Kuhkohl (Brassica oleracea acephala
DC.
), das Kopfkraut (Brassica oleracea capitata DC.).

1. Der Kohlrabi.
[Abbildung] Fig. 89.

Spätkohlrabi (Brassica oleracea gongy-
loides L.
).

Der Kohlrabi, Oberkohlrabi, Ober-
rübe (Brassica oleracea gongyloides L.)
wird nur vereinzelt im Größeren am
Felde, gewöhnlich nur im Garten oder
als Zwischenfrucht in Hopfengärten als
Gemüse angebaut. Für das Feld eignet
sich besonders der Spätkohlrabi, Fig. 89.
Derselbe gedeiht am besten auf mehr
leichtem als schwerem Boden, der sich in
gutem Düngungszustande befinden und
vor Winter tief gepflügt werden soll.
Die nöthigen Pflanzen erzieht man auf
besonderen Gartenbeeten, auf welchen die
Aussaat nicht vor Anfang April statt-
finden soll, um zu vermeiden, daß die
Pflanzen in die Blüthe schießen. Bei
dichtem Stande im Gartenbeete erhält

Beſondere Pflanzenbaulehre.
Ein Theil dieſer Abfälle gewährt bedeutende Futtermengen, welche in Dünger um-
gewandelt, dem Boden die entzogenen Nährſtoffe wieder zurückerſtatten. Am vortheil-
hafteſten wird ſich die Cultur der Hackfrüchte herausſtellen, wenn durch Vermehrung des
Capitals- und Düngeraufwandes möglichſt hohe Ernteerträge angeſtrebt werden, indem
ſich dann die nahezu gleichbleibenden Arbeitskoſten auf eine größere Erntemenge vertheilen:

Am häufigſten werden von den Knollenfrüchten cultivirt und zwar aus
der Familie der
Cruciferen: der Kohlrabi (Brassica oleracea gongyloides L.)
Solaneen: die Kartoffel (Solanum tuberosum L.)
Compoſiten: der Topinambur (Helianthus tuberosus L.).
Von den Wurzelfrüchten werden gebaut aus der Familie der
Chenopodeen: die Runkelrübe (Beta vulgaris L.),
Cruciferen: die Steck- oder Kohlrübe (Brassica napus rapifera DC.),
die weiße oder Waſſerrübe (Brassica rapa rapifera DC),
Cucurbitaceen: der Kürbis (Cucurbita Pepo L.),
Umbelliferen: die Sellerie (Apium graveolens L.), die Paſtinake
(Pastinaca sativa L.), die Möhre (Daucus carota L.),
Compoſiten: die Cichorie (Cichorium intybus L.).

Im Anhange ſollen einige Futterpflanzen, deren Stengel und Blätter zur Ver-
wendung kommen, jedoch in der Cultur mit den Knollengewächſen übereinſtimmen,
beſprochen werden und zwar aus der Familie der
Cruciferen: der Winterkohl, Kuhkohl (Brassica oleracea acephala
DC.
), das Kopfkraut (Brassica oleracea capitata DC.).

1. Der Kohlrabi.
[Abbildung] Fig. 89.

Spätkohlrabi (Brassica oleracea gongy-
loides L.
). ⚇

Der Kohlrabi, Oberkohlrabi, Ober-
rübe (Brassica oleracea gongyloides L.) ⚇
wird nur vereinzelt im Größeren am
Felde, gewöhnlich nur im Garten oder
als Zwiſchenfrucht in Hopfengärten als
Gemüſe angebaut. Für das Feld eignet
ſich beſonders der Spätkohlrabi, Fig. 89.
Derſelbe gedeiht am beſten auf mehr
leichtem als ſchwerem Boden, der ſich in
gutem Düngungszuſtande befinden und
vor Winter tief gepflügt werden ſoll.
Die nöthigen Pflanzen erzieht man auf
beſonderen Gartenbeeten, auf welchen die
Ausſaat nicht vor Anfang April ſtatt-
finden ſoll, um zu vermeiden, daß die
Pflanzen in die Blüthe ſchießen. Bei
dichtem Stande im Gartenbeete erhält

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0148" n="134"/><fw place="top" type="header">Be&#x017F;ondere Pflanzenbaulehre.</fw><lb/>
Ein Theil die&#x017F;er Abfälle gewährt bedeutende Futtermengen, welche in Dünger um-<lb/>
gewandelt, dem Boden die entzogenen Nähr&#x017F;toffe wieder zurücker&#x017F;tatten. Am vortheil-<lb/>
hafte&#x017F;ten wird &#x017F;ich die Cultur der Hackfrüchte heraus&#x017F;tellen, wenn durch Vermehrung des<lb/>
Capitals- und Düngeraufwandes möglich&#x017F;t hohe Ernteerträge ange&#x017F;trebt werden, indem<lb/>
&#x017F;ich dann die nahezu gleichbleibenden Arbeitsko&#x017F;ten auf eine größere Erntemenge vertheilen:</p><lb/>
          <p>Am häufig&#x017F;ten werden von den <hi rendition="#g">Knollenfrüchten</hi> cultivirt und zwar aus<lb/>
der Familie der<lb/><hi rendition="#g">Cruciferen</hi>: der <hi rendition="#g">Kohlrabi</hi> (<hi rendition="#aq">Brassica oleracea gongyloides L.</hi>)<lb/><hi rendition="#g">Solaneen</hi>: die <hi rendition="#g">Kartoffel</hi> (<hi rendition="#aq">Solanum tuberosum L.</hi>)<lb/><hi rendition="#g">Compo&#x017F;iten</hi>: der <hi rendition="#g">Topinambur</hi> (<hi rendition="#aq">Helianthus tuberosus L.</hi>).<lb/>
Von den <hi rendition="#g">Wurzelfrüchten</hi> werden gebaut aus der Familie der<lb/><hi rendition="#g">Chenopodeen</hi>: die <hi rendition="#g">Runkelrübe</hi> (<hi rendition="#aq">Beta vulgaris L.</hi>),<lb/><hi rendition="#g">Cruciferen</hi>: die <hi rendition="#g">Steck</hi>- oder <hi rendition="#g">Kohlrübe</hi> (<hi rendition="#aq">Brassica napus rapifera DC.</hi>),<lb/>
die weiße oder <hi rendition="#g">Wa&#x017F;&#x017F;errübe</hi> (<hi rendition="#aq">Brassica rapa rapifera DC</hi>),<lb/><hi rendition="#g">Cucurbitaceen</hi>: der Kürbis (<hi rendition="#aq">Cucurbita Pepo L.</hi>),<lb/><hi rendition="#g">Umbelliferen</hi>: die Sellerie (<hi rendition="#aq">Apium graveolens L.</hi>), die <hi rendition="#g">Pa&#x017F;tinake</hi><lb/>
(<hi rendition="#aq">Pastinaca sativa L.</hi>), die <hi rendition="#g">Möhre</hi> (<hi rendition="#aq">Daucus carota L.</hi>),<lb/><hi rendition="#g">Compo&#x017F;iten</hi>: die <hi rendition="#g">Cichorie</hi> (<hi rendition="#aq">Cichorium intybus L.</hi>).</p><lb/>
          <p>Im Anhange &#x017F;ollen einige Futterpflanzen, deren Stengel und Blätter zur Ver-<lb/>
wendung kommen, jedoch in der Cultur mit den Knollengewäch&#x017F;en überein&#x017F;timmen,<lb/>
be&#x017F;prochen werden und zwar aus der Familie der<lb/><hi rendition="#g">Cruciferen</hi>: der Winterkohl, <hi rendition="#g">Kuhkohl</hi> (<hi rendition="#aq">Brassica oleracea acephala<lb/>
DC.</hi>), das <hi rendition="#g">Kopfkraut</hi> (<hi rendition="#aq">Brassica oleracea capitata DC.</hi>).</p><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b">1. Der Kohlrabi.</hi> </head><lb/>
            <figure>
              <head>Fig. 89. </head>
              <p>Spätkohlrabi (<hi rendition="#aq">Brassica oleracea gongy-<lb/>
loides L.</hi>). &#x2687;</p>
            </figure><lb/>
            <p>Der Kohlrabi, Oberkohlrabi, Ober-<lb/>
rübe (<hi rendition="#aq">Brassica oleracea gongyloides L.</hi>) &#x2687;<lb/>
wird nur vereinzelt im Größeren am<lb/>
Felde, gewöhnlich nur im Garten oder<lb/>
als Zwi&#x017F;chenfrucht in Hopfengärten als<lb/>
Gemü&#x017F;e angebaut. Für das Feld eignet<lb/>
&#x017F;ich be&#x017F;onders der Spätkohlrabi, Fig. 89.<lb/>
Der&#x017F;elbe gedeiht am be&#x017F;ten auf mehr<lb/>
leichtem als &#x017F;chwerem Boden, der &#x017F;ich in<lb/>
gutem Düngungszu&#x017F;tande befinden und<lb/>
vor Winter tief gepflügt werden &#x017F;oll.<lb/>
Die nöthigen Pflanzen erzieht man auf<lb/>
be&#x017F;onderen Gartenbeeten, auf welchen die<lb/>
Aus&#x017F;aat nicht vor Anfang April &#x017F;tatt-<lb/>
finden &#x017F;oll, um zu vermeiden, daß die<lb/>
Pflanzen in die Blüthe &#x017F;chießen. Bei<lb/>
dichtem Stande im Gartenbeete erhält<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[134/0148] Beſondere Pflanzenbaulehre. Ein Theil dieſer Abfälle gewährt bedeutende Futtermengen, welche in Dünger um- gewandelt, dem Boden die entzogenen Nährſtoffe wieder zurückerſtatten. Am vortheil- hafteſten wird ſich die Cultur der Hackfrüchte herausſtellen, wenn durch Vermehrung des Capitals- und Düngeraufwandes möglichſt hohe Ernteerträge angeſtrebt werden, indem ſich dann die nahezu gleichbleibenden Arbeitskoſten auf eine größere Erntemenge vertheilen: Am häufigſten werden von den Knollenfrüchten cultivirt und zwar aus der Familie der Cruciferen: der Kohlrabi (Brassica oleracea gongyloides L.) Solaneen: die Kartoffel (Solanum tuberosum L.) Compoſiten: der Topinambur (Helianthus tuberosus L.). Von den Wurzelfrüchten werden gebaut aus der Familie der Chenopodeen: die Runkelrübe (Beta vulgaris L.), Cruciferen: die Steck- oder Kohlrübe (Brassica napus rapifera DC.), die weiße oder Waſſerrübe (Brassica rapa rapifera DC), Cucurbitaceen: der Kürbis (Cucurbita Pepo L.), Umbelliferen: die Sellerie (Apium graveolens L.), die Paſtinake (Pastinaca sativa L.), die Möhre (Daucus carota L.), Compoſiten: die Cichorie (Cichorium intybus L.). Im Anhange ſollen einige Futterpflanzen, deren Stengel und Blätter zur Ver- wendung kommen, jedoch in der Cultur mit den Knollengewächſen übereinſtimmen, beſprochen werden und zwar aus der Familie der Cruciferen: der Winterkohl, Kuhkohl (Brassica oleracea acephala DC.), das Kopfkraut (Brassica oleracea capitata DC.). 1. Der Kohlrabi. [Abbildung Fig. 89. Spätkohlrabi (Brassica oleracea gongy- loides L.). ⚇ ] Der Kohlrabi, Oberkohlrabi, Ober- rübe (Brassica oleracea gongyloides L.) ⚇ wird nur vereinzelt im Größeren am Felde, gewöhnlich nur im Garten oder als Zwiſchenfrucht in Hopfengärten als Gemüſe angebaut. Für das Feld eignet ſich beſonders der Spätkohlrabi, Fig. 89. Derſelbe gedeiht am beſten auf mehr leichtem als ſchwerem Boden, der ſich in gutem Düngungszuſtande befinden und vor Winter tief gepflügt werden ſoll. Die nöthigen Pflanzen erzieht man auf beſonderen Gartenbeeten, auf welchen die Ausſaat nicht vor Anfang April ſtatt- finden ſoll, um zu vermeiden, daß die Pflanzen in die Blüthe ſchießen. Bei dichtem Stande im Gartenbeete erhält

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/148
Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876, S. 134. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/148>, abgerufen am 24.03.2019.