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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876.

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Besondere Pflanzenbaulehre.

Auf den Wurzelblättern der Weißrübe verursacht ein der Gattung Cystopus
angehöriger Parasit den weißen Rost oder Schimmel.

5. Die Ernte.

Die Ernte läßt sich leicht ausführen, nachdem die meisten Wasserrüben aus dem
Boden herauswachsen. Sollen größere Mengen noch im Herbste verfüttert werden,
so bewerkstelligt man die erste Saat so zeitlich, daß mit der Fütterung Anfang Sep-
tember begonnen werden kann. Die Wasserrüben sind weniger empfindlich gegen den
Frost als die Runkelrüben, trotzdem lassen sie sich schwer und nur in kleinen Mieten
aufbewahren In England erspart man sich das Nachhausefahren der ausgenomme-
nen Turnips, indem man sie sammt den Blättern vom Felde weg von den Schafen,
welchen gleichzeitig Bohnen oder Rapskuchenmehl vorgelegt wird, verzehren läßt. Als
Brachrüben gewähren sie auf einem Hektare Erträge von 40--50 Tonnen; als Stoppel-
rüben sinkt der Ertrag auf durchschnittlich 20--24 Tonnen. An Blättern, welche
ein gutes Futtermaterial liefern, werden 4--6 Tonnen gewonnen. Unter besonders
günstigen Umständen erhöht sich bei einigen als Sommerfrucht gebauten Sorten der
Ertrag auf 50--70 Tonnen Wurzeln.

Zur Samengewinnung läßt man einige Rüben, welche durch starkes Anhäufeln
gegen die Winterkälte geschützt werden, im Felde stehen oder man bewahrt die
Samenrüben im Keller auf und setzt sie im nächsten Frühjahre zur Samenzucht aus.

7. Die Pastinake.

Die gemeine Pastinake (Pastinaca sativa L.) unterscheidet sich von anderen
Umbelliferen durch die rundlichen, einwärts gerollten, gelben Blumenkronenblätter.
Die angenehm riechende Wurzel wird durch Cultur fleischig. Der kantig gefurchte,
0.3--1.25 Meter hohe Stengel ist wie das Blatt grasgrün. Die zwei seitlichen
Riefen der Früchtchen von den drei mittleren merklich entfernt. Diese ursprünglich
in Europa einheimische Pflanze wird entweder als Gemüse oder, wie namentlich die
langwurzelige Pastinake, als Viehfutter cultivirt. Außer den langwurzeligen Sorten
kommen noch mittellange Sorten, wie die Jersey-Pastinake, Fig. 111, und runde
Sorten, wie die Zucker- oder Königspastinake, Fig. 112, zum Anbaue.

Der Same der Pastinake 1) bewahrt nur zwei Jahre lang seine Keimkraft,
daher frischer Same auszusäen ist. Die Vegetationsdauer der Pastinake ist etwas
kürzer als die der Mohrrüben.

Bei der tiefgehenden Wurzel der Pastinake kann dieselbe nur auf einem reichen,
tiefgründigen und tief bearbeiteten, nicht zu schweren Boden cultivirt werden. Am
geeignetsten sind der lehmige Humusboden und der humose, reiche Sandboden; auf
Thonboden gedeiht sie nicht. Nachdem sie zu ihrem Gedeihen ein mildes, feuchtes
Klima bedarf, findet sich ihre Cultur vorzugsweise in Belgien, Nordfrankreich und
England.


1) Wir folgen hier den Ausführungen in Werner's Handbuch des Futterbaues.
Berlin 1875, S. 726.
Beſondere Pflanzenbaulehre.

Auf den Wurzelblättern der Weißrübe verurſacht ein der Gattung Cystopus
angehöriger Paraſit den weißen Roſt oder Schimmel.

5. Die Ernte.

Die Ernte läßt ſich leicht ausführen, nachdem die meiſten Waſſerrüben aus dem
Boden herauswachſen. Sollen größere Mengen noch im Herbſte verfüttert werden,
ſo bewerkſtelligt man die erſte Saat ſo zeitlich, daß mit der Fütterung Anfang Sep-
tember begonnen werden kann. Die Waſſerrüben ſind weniger empfindlich gegen den
Froſt als die Runkelrüben, trotzdem laſſen ſie ſich ſchwer und nur in kleinen Mieten
aufbewahren In England erſpart man ſich das Nachhauſefahren der ausgenomme-
nen Turnips, indem man ſie ſammt den Blättern vom Felde weg von den Schafen,
welchen gleichzeitig Bohnen oder Rapskuchenmehl vorgelegt wird, verzehren läßt. Als
Brachrüben gewähren ſie auf einem Hektare Erträge von 40—50 Tonnen; als Stoppel-
rüben ſinkt der Ertrag auf durchſchnittlich 20—24 Tonnen. An Blättern, welche
ein gutes Futtermaterial liefern, werden 4—6 Tonnen gewonnen. Unter beſonders
günſtigen Umſtänden erhöht ſich bei einigen als Sommerfrucht gebauten Sorten der
Ertrag auf 50—70 Tonnen Wurzeln.

Zur Samengewinnung läßt man einige Rüben, welche durch ſtarkes Anhäufeln
gegen die Winterkälte geſchützt werden, im Felde ſtehen oder man bewahrt die
Samenrüben im Keller auf und ſetzt ſie im nächſten Frühjahre zur Samenzucht aus.

7. Die Paſtinake.

Die gemeine Paſtinake (Pastinaca sativa L.) ⚇ unterſcheidet ſich von anderen
Umbelliferen durch die rundlichen, einwärts gerollten, gelben Blumenkronenblätter.
Die angenehm riechende Wurzel wird durch Cultur fleiſchig. Der kantig gefurchte,
0.3—1.25 Meter hohe Stengel iſt wie das Blatt grasgrün. Die zwei ſeitlichen
Riefen der Früchtchen von den drei mittleren merklich entfernt. Dieſe urſprünglich
in Europa einheimiſche Pflanze wird entweder als Gemüſe oder, wie namentlich die
langwurzelige Paſtinake, als Viehfutter cultivirt. Außer den langwurzeligen Sorten
kommen noch mittellange Sorten, wie die Jerſey-Paſtinake, Fig. 111, und runde
Sorten, wie die Zucker- oder Königspaſtinake, Fig. 112, zum Anbaue.

Der Same der Paſtinake 1) bewahrt nur zwei Jahre lang ſeine Keimkraft,
daher friſcher Same auszuſäen iſt. Die Vegetationsdauer der Paſtinake iſt etwas
kürzer als die der Mohrrüben.

Bei der tiefgehenden Wurzel der Paſtinake kann dieſelbe nur auf einem reichen,
tiefgründigen und tief bearbeiteten, nicht zu ſchweren Boden cultivirt werden. Am
geeignetſten ſind der lehmige Humusboden und der humoſe, reiche Sandboden; auf
Thonboden gedeiht ſie nicht. Nachdem ſie zu ihrem Gedeihen ein mildes, feuchtes
Klima bedarf, findet ſich ihre Cultur vorzugsweiſe in Belgien, Nordfrankreich und
England.


1) Wir folgen hier den Ausführungen in Werner’s Handbuch des Futterbaues.
Berlin 1875, S. 726.
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[168/0182] Beſondere Pflanzenbaulehre. Auf den Wurzelblättern der Weißrübe verurſacht ein der Gattung Cystopus angehöriger Paraſit den weißen Roſt oder Schimmel. 5. Die Ernte. Die Ernte läßt ſich leicht ausführen, nachdem die meiſten Waſſerrüben aus dem Boden herauswachſen. Sollen größere Mengen noch im Herbſte verfüttert werden, ſo bewerkſtelligt man die erſte Saat ſo zeitlich, daß mit der Fütterung Anfang Sep- tember begonnen werden kann. Die Waſſerrüben ſind weniger empfindlich gegen den Froſt als die Runkelrüben, trotzdem laſſen ſie ſich ſchwer und nur in kleinen Mieten aufbewahren In England erſpart man ſich das Nachhauſefahren der ausgenomme- nen Turnips, indem man ſie ſammt den Blättern vom Felde weg von den Schafen, welchen gleichzeitig Bohnen oder Rapskuchenmehl vorgelegt wird, verzehren läßt. Als Brachrüben gewähren ſie auf einem Hektare Erträge von 40—50 Tonnen; als Stoppel- rüben ſinkt der Ertrag auf durchſchnittlich 20—24 Tonnen. An Blättern, welche ein gutes Futtermaterial liefern, werden 4—6 Tonnen gewonnen. Unter beſonders günſtigen Umſtänden erhöht ſich bei einigen als Sommerfrucht gebauten Sorten der Ertrag auf 50—70 Tonnen Wurzeln. Zur Samengewinnung läßt man einige Rüben, welche durch ſtarkes Anhäufeln gegen die Winterkälte geſchützt werden, im Felde ſtehen oder man bewahrt die Samenrüben im Keller auf und ſetzt ſie im nächſten Frühjahre zur Samenzucht aus. 7. Die Paſtinake. Die gemeine Paſtinake (Pastinaca sativa L.) ⚇ unterſcheidet ſich von anderen Umbelliferen durch die rundlichen, einwärts gerollten, gelben Blumenkronenblätter. Die angenehm riechende Wurzel wird durch Cultur fleiſchig. Der kantig gefurchte, 0.3—1.25 Meter hohe Stengel iſt wie das Blatt grasgrün. Die zwei ſeitlichen Riefen der Früchtchen von den drei mittleren merklich entfernt. Dieſe urſprünglich in Europa einheimiſche Pflanze wird entweder als Gemüſe oder, wie namentlich die langwurzelige Paſtinake, als Viehfutter cultivirt. Außer den langwurzeligen Sorten kommen noch mittellange Sorten, wie die Jerſey-Paſtinake, Fig. 111, und runde Sorten, wie die Zucker- oder Königspaſtinake, Fig. 112, zum Anbaue. Der Same der Paſtinake 1) bewahrt nur zwei Jahre lang ſeine Keimkraft, daher friſcher Same auszuſäen iſt. Die Vegetationsdauer der Paſtinake iſt etwas kürzer als die der Mohrrüben. Bei der tiefgehenden Wurzel der Paſtinake kann dieſelbe nur auf einem reichen, tiefgründigen und tief bearbeiteten, nicht zu ſchweren Boden cultivirt werden. Am geeignetſten ſind der lehmige Humusboden und der humoſe, reiche Sandboden; auf Thonboden gedeiht ſie nicht. Nachdem ſie zu ihrem Gedeihen ein mildes, feuchtes Klima bedarf, findet ſich ihre Cultur vorzugsweiſe in Belgien, Nordfrankreich und England. 1) Wir folgen hier den Ausführungen in Werner’s Handbuch des Futterbaues. Berlin 1875, S. 726.

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876, S. 168. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/182>, abgerufen am 24.03.2019.