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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876.

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Besondere Pflanzenbaulehre.
2. Die schwedische Luzerne.

Die schwedische Luzerne, deutsche Luzerne, der sichelfrüchtige Schneckenklee, Sichelklee
(Medicago falcata L.) Jupiter unterscheidet sich von der blauen Luzerne durch die fast kopf-
förmig stehenden, citronengelben Blüthen, welche späterhin eine sichelförmige Hülfe bilden
und durch die gezähnelten Nebenblättchen. Kolaczek 1) erwähnt, daß die Repro-
duction des Sichelklee's weder so energisch, noch so ausgiebig als die der Luzerne ist.
Bei der Cultur liefert er einen reichlichen Schnitt und eine halb so ergiebige oder
noch geringere Nachmahd. Der Verholzungsproceß tritt zeitig ein, deshalb muß die
Ernte vor der Blüthe geschehen. Der Anbau des Sichelklee's verdient alle Beach-
tung, besonders für jene Oertlichkeiten, in welchen wegen Trockenheit und Wärme des
Bodens und Klima's, wegen steinigen, gerölligen Untergrund weder Rothklee noch Luzerne
einschlagen. Das Saatquantum beträgt 9 bis 15 Kilogramm, der Heuertrag 4 bis
5000 Kilogramm, der Samenertrag 3 bis 4.5 Hektoliter von einem Hektare.

3. Die Sandluzerne.

Die Sandluzerne, wechselfarbige Luzerne (Medicago media Pers.) Jupiter wird
von Vielen nur als Uebergangsform der schwedischen Luzerne zu der cultivirten Lu-
zerne angesehen, nachdem sich oft in ein und derselben Traube verschiedene von gelb,
grasgrün bis violett gefärbte Blüthen finden. Sie wurde zuerst am Rhein auf mehr
sandigerem Boden, welcher frei von stehender Nässe ist, mit Erfolg angebaut. Als
Ueberfrucht hat sich Leindotter, Gerste, Grünroggen bewährt, gegen zu dichten Stand
der Ueberfrucht ist sie empfindlich. An Samen kommen auf 1 Hektar 30 bis 40
Kilogramm. Sie liefert nur zwei Schnitte und eine Weide. Ihre Dauer ist eine
viel kürzere als wie jene der Luzerne, höchstens 3 bis 4 Jahre. Auf leichten, armen
Sandböden gibt sie in einem Schnitte und Weide 4 bis 5 Tonnen Heu, auf zu-
sagenderem Boden in zwei Schnitten und Weide 6 bis 8 Tonnen Heu per Hektar.

4. Die Hopfenluzerne.

Die Hopfenluzerne, der Hopfenklee, gelbe Klee (Medicago lupulina L.) Sun und
besitzt gleichfalls eine schneckenförmig gewundene, wehrlose Hülse, welche jedoch zum
Unterschiede von der Luzerne in der Mitte geschlossen ist. Die vielblüthigen Trauben
sind gelb. Der Stengel fast niederliegend. Sie nimmt mit jedem Boden verlieb
und eignet sich besonders zu Kleegrasmischungen, welche zur Weide ausgesät werden.
Obwohl sie nur zwei Jahre aushält, so findet man sie doch auch auf mehrjährigen Klee-
schlägen, da sie sich durch Samenausfall vermehrt. Der Samen wird häufig zur
Verfälschung anderer Kleesaat verwendet. Nach Nobbe läßt er sich jedoch an der

1) E. Kolaczek, Lehrbuch der Botanik für Landwirthe und Forstmänner. Wien 1856.
S. 385.
Beſondere Pflanzenbaulehre.
2. Die ſchwediſche Luzerne.

Die ſchwediſche Luzerne, deutſche Luzerne, der ſichelfrüchtige Schneckenklee, Sichelklee
(Medicago falcata L.) ♃ unterſcheidet ſich von der blauen Luzerne durch die faſt kopf-
förmig ſtehenden, citronengelben Blüthen, welche ſpäterhin eine ſichelförmige Hülfe bilden
und durch die gezähnelten Nebenblättchen. Kolaczek 1) erwähnt, daß die Repro-
duction des Sichelklee’s weder ſo energiſch, noch ſo ausgiebig als die der Luzerne iſt.
Bei der Cultur liefert er einen reichlichen Schnitt und eine halb ſo ergiebige oder
noch geringere Nachmahd. Der Verholzungsproceß tritt zeitig ein, deshalb muß die
Ernte vor der Blüthe geſchehen. Der Anbau des Sichelklee’s verdient alle Beach-
tung, beſonders für jene Oertlichkeiten, in welchen wegen Trockenheit und Wärme des
Bodens und Klima’s, wegen ſteinigen, gerölligen Untergrund weder Rothklee noch Luzerne
einſchlagen. Das Saatquantum beträgt 9 bis 15 Kilogramm, der Heuertrag 4 bis
5000 Kilogramm, der Samenertrag 3 bis 4.5 Hektoliter von einem Hektare.

3. Die Sandluzerne.

Die Sandluzerne, wechſelfarbige Luzerne (Medicago media Pers.) ♃ wird
von Vielen nur als Uebergangsform der ſchwediſchen Luzerne zu der cultivirten Lu-
zerne angeſehen, nachdem ſich oft in ein und derſelben Traube verſchiedene von gelb,
grasgrün bis violett gefärbte Blüthen finden. Sie wurde zuerſt am Rhein auf mehr
ſandigerem Boden, welcher frei von ſtehender Näſſe iſt, mit Erfolg angebaut. Als
Ueberfrucht hat ſich Leindotter, Gerſte, Grünroggen bewährt, gegen zu dichten Stand
der Ueberfrucht iſt ſie empfindlich. An Samen kommen auf 1 Hektar 30 bis 40
Kilogramm. Sie liefert nur zwei Schnitte und eine Weide. Ihre Dauer iſt eine
viel kürzere als wie jene der Luzerne, höchſtens 3 bis 4 Jahre. Auf leichten, armen
Sandböden gibt ſie in einem Schnitte und Weide 4 bis 5 Tonnen Heu, auf zu-
ſagenderem Boden in zwei Schnitten und Weide 6 bis 8 Tonnen Heu per Hektar.

4. Die Hopfenluzerne.

Die Hopfenluzerne, der Hopfenklee, gelbe Klee (Medicago lupulina L.) ☉ und ⚇
beſitzt gleichfalls eine ſchneckenförmig gewundene, wehrloſe Hülſe, welche jedoch zum
Unterſchiede von der Luzerne in der Mitte geſchloſſen iſt. Die vielblüthigen Trauben
ſind gelb. Der Stengel faſt niederliegend. Sie nimmt mit jedem Boden verlieb
und eignet ſich beſonders zu Kleegrasmiſchungen, welche zur Weide ausgeſät werden.
Obwohl ſie nur zwei Jahre aushält, ſo findet man ſie doch auch auf mehrjährigen Klee-
ſchlägen, da ſie ſich durch Samenausfall vermehrt. Der Samen wird häufig zur
Verfälſchung anderer Kleeſaat verwendet. Nach Nobbe läßt er ſich jedoch an der

1) E. Kolaczek, Lehrbuch der Botanik für Landwirthe und Forſtmänner. Wien 1856.
S. 385.
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[184/0198] Beſondere Pflanzenbaulehre. 2. Die ſchwediſche Luzerne. Die ſchwediſche Luzerne, deutſche Luzerne, der ſichelfrüchtige Schneckenklee, Sichelklee (Medicago falcata L.) ♃ unterſcheidet ſich von der blauen Luzerne durch die faſt kopf- förmig ſtehenden, citronengelben Blüthen, welche ſpäterhin eine ſichelförmige Hülfe bilden und durch die gezähnelten Nebenblättchen. Kolaczek 1) erwähnt, daß die Repro- duction des Sichelklee’s weder ſo energiſch, noch ſo ausgiebig als die der Luzerne iſt. Bei der Cultur liefert er einen reichlichen Schnitt und eine halb ſo ergiebige oder noch geringere Nachmahd. Der Verholzungsproceß tritt zeitig ein, deshalb muß die Ernte vor der Blüthe geſchehen. Der Anbau des Sichelklee’s verdient alle Beach- tung, beſonders für jene Oertlichkeiten, in welchen wegen Trockenheit und Wärme des Bodens und Klima’s, wegen ſteinigen, gerölligen Untergrund weder Rothklee noch Luzerne einſchlagen. Das Saatquantum beträgt 9 bis 15 Kilogramm, der Heuertrag 4 bis 5000 Kilogramm, der Samenertrag 3 bis 4.5 Hektoliter von einem Hektare. 3. Die Sandluzerne. Die Sandluzerne, wechſelfarbige Luzerne (Medicago media Pers.) ♃ wird von Vielen nur als Uebergangsform der ſchwediſchen Luzerne zu der cultivirten Lu- zerne angeſehen, nachdem ſich oft in ein und derſelben Traube verſchiedene von gelb, grasgrün bis violett gefärbte Blüthen finden. Sie wurde zuerſt am Rhein auf mehr ſandigerem Boden, welcher frei von ſtehender Näſſe iſt, mit Erfolg angebaut. Als Ueberfrucht hat ſich Leindotter, Gerſte, Grünroggen bewährt, gegen zu dichten Stand der Ueberfrucht iſt ſie empfindlich. An Samen kommen auf 1 Hektar 30 bis 40 Kilogramm. Sie liefert nur zwei Schnitte und eine Weide. Ihre Dauer iſt eine viel kürzere als wie jene der Luzerne, höchſtens 3 bis 4 Jahre. Auf leichten, armen Sandböden gibt ſie in einem Schnitte und Weide 4 bis 5 Tonnen Heu, auf zu- ſagenderem Boden in zwei Schnitten und Weide 6 bis 8 Tonnen Heu per Hektar. 4. Die Hopfenluzerne. Die Hopfenluzerne, der Hopfenklee, gelbe Klee (Medicago lupulina L.) ☉ und ⚇ beſitzt gleichfalls eine ſchneckenförmig gewundene, wehrloſe Hülſe, welche jedoch zum Unterſchiede von der Luzerne in der Mitte geſchloſſen iſt. Die vielblüthigen Trauben ſind gelb. Der Stengel faſt niederliegend. Sie nimmt mit jedem Boden verlieb und eignet ſich beſonders zu Kleegrasmiſchungen, welche zur Weide ausgeſät werden. Obwohl ſie nur zwei Jahre aushält, ſo findet man ſie doch auch auf mehrjährigen Klee- ſchlägen, da ſie ſich durch Samenausfall vermehrt. Der Samen wird häufig zur Verfälſchung anderer Kleeſaat verwendet. Nach Nobbe läßt er ſich jedoch an der 1) E. Kolaczek, Lehrbuch der Botanik für Landwirthe und Forſtmänner. Wien 1856. S. 385.

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 2. Berlin, 1876, S. 184. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft02_1876/198>, abgerufen am 21.03.2019.