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Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 3. Berlin, 1876.

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Besondere Thierzuchtlehre.
Futtermitteln zuweilen auch nur zweimal. Bei 4, 5 und mehr Futterzeiten wird
zwar die Ausnutzung des Futters erhöht, aber auch die Arbeit des Fütterns ver-
mehrt. Für die Nacht darf keinesfalls schwer verdauliches Futter vorgelegt werden.
Veränderungen der zu verabreichenden Futterstoffe, besonders bei der Aufnahme der
Trockenfütterung im Herbste oder der Grünfütterung im Frühjahre, sollen nur all-
mählig vorgenommen werden, so zwar, daß der Uebergang von einer Nahrung zur
andern sich mindestens erst nach 8--14 Tagen vollzogen hat. Wird diese Vorsicht
nicht befolgt, so treten entweder Störungen in der Verdauung (Durchfall, Hartleibig-
keit) oder in der Nutzung (Zurückgehen des Körpergewichtes, der Milchsecretion) ein.
Bei den einzelnen Futterrationen ist auf möglichste Mannigfaltigkeit zu achten. Zuerst
reiche man Kurz-, dann Langfutter. Das Tränken geschehe entweder am Brunnen
oder noch besser im Stalle Früh und Abends. Die Menge des Tränkwassers richtet
sich nach dem Wassergehalte des Futters, der Menge der Ausscheidung und selbst nach
der Gewohnheit der Thiere.

Eine kurze Winterfütterung währt 4--6, eine mittellange 6--7 und eine lange
7--9 Monate. Dieselbe ist abhängig von dem Beginne und dem Ende der Grün-
fütterung oder der Weide. Der Bedarf an Winterfutter ist durch einen Futter-
überschlag zu regeln, um rechtzeitig etwaige Abgänge durch Futterzukauf decken zu
können.

3. Die Fütterung des Milchviehes.

Auf die Milchergiebigkeit des Rindviehes hat in erster Linie die Entwickelung
der Milchdrüse und erst in zweiter Linie die Nahrungszufuhr entscheidenden Einfluß.
Nachdem die Höhe der Milchproduction von der Neubildung und dem Zerfalle der
aus Eiweißsubstanz bestehenden Drüsenzellen abhängig ist, so muß bei der Fütterung
des Milchviehes 1) das größte Gewicht auf die Zufuhr eines stickstoffreichen Futters
gelegt werden. Das eiweißhaltige Futter soll namentlich das Circulationseiweiß,
welches in der Milchdrüse verwerthet wird, vermehren und nicht etwa dem Organ-
eiweiß oder dem Ansatze von Eiweiß und Fett im übrigen Körper zu Gute kommen.
Mit der Vermehrung des Circulationseiweißes durch ein enges Nährstoffverhältniß
von 1 : 4.7--5.4, durch erhöhte Wasseraufnahme, durch mäßige Beigabe von Kochsalz,
von fettreichem Futter, Oelkuchen etc., wird auch die Milchausscheidung vermehrt, ohne
daß eine erhebliche Aenderung der Qualität eintritt. Bei Abnahme der Menge an
verdaulichem Eiweiß im Futter sinkt der Milchertrag nicht in dem gleichen, sondern
in viel beträchtlicherem Verhältnisse, wenn er sich auch in ersterer Zeit oft auf Kosten
der Körpersubstanz auf gleicher Höhe erhält.

In dem täglichen Futter für Milchkühe sollen per 1000 Kilogr. Lebendgewicht
nach zahlreichen Fütterungsversuchen enthalten sein:

1) Versuche über den Einfluß der Ernährung auf die Milchproduction von G. Kühn
und Genossen. Journal für Landwirthschaft 1874, S. 168 u. 295.

Beſondere Thierzuchtlehre.
Futtermitteln zuweilen auch nur zweimal. Bei 4, 5 und mehr Futterzeiten wird
zwar die Ausnutzung des Futters erhöht, aber auch die Arbeit des Fütterns ver-
mehrt. Für die Nacht darf keinesfalls ſchwer verdauliches Futter vorgelegt werden.
Veränderungen der zu verabreichenden Futterſtoffe, beſonders bei der Aufnahme der
Trockenfütterung im Herbſte oder der Grünfütterung im Frühjahre, ſollen nur all-
mählig vorgenommen werden, ſo zwar, daß der Uebergang von einer Nahrung zur
andern ſich mindeſtens erſt nach 8—14 Tagen vollzogen hat. Wird dieſe Vorſicht
nicht befolgt, ſo treten entweder Störungen in der Verdauung (Durchfall, Hartleibig-
keit) oder in der Nutzung (Zurückgehen des Körpergewichtes, der Milchſecretion) ein.
Bei den einzelnen Futterrationen iſt auf möglichſte Mannigfaltigkeit zu achten. Zuerſt
reiche man Kurz-, dann Langfutter. Das Tränken geſchehe entweder am Brunnen
oder noch beſſer im Stalle Früh und Abends. Die Menge des Tränkwaſſers richtet
ſich nach dem Waſſergehalte des Futters, der Menge der Ausſcheidung und ſelbſt nach
der Gewohnheit der Thiere.

Eine kurze Winterfütterung währt 4—6, eine mittellange 6—7 und eine lange
7—9 Monate. Dieſelbe iſt abhängig von dem Beginne und dem Ende der Grün-
fütterung oder der Weide. Der Bedarf an Winterfutter iſt durch einen Futter-
überſchlag zu regeln, um rechtzeitig etwaige Abgänge durch Futterzukauf decken zu
können.

3. Die Fütterung des Milchviehes.

Auf die Milchergiebigkeit des Rindviehes hat in erſter Linie die Entwickelung
der Milchdrüſe und erſt in zweiter Linie die Nahrungszufuhr entſcheidenden Einfluß.
Nachdem die Höhe der Milchproduction von der Neubildung und dem Zerfalle der
aus Eiweißſubſtanz beſtehenden Drüſenzellen abhängig iſt, ſo muß bei der Fütterung
des Milchviehes 1) das größte Gewicht auf die Zufuhr eines ſtickſtoffreichen Futters
gelegt werden. Das eiweißhaltige Futter ſoll namentlich das Circulationseiweiß,
welches in der Milchdrüſe verwerthet wird, vermehren und nicht etwa dem Organ-
eiweiß oder dem Anſatze von Eiweiß und Fett im übrigen Körper zu Gute kommen.
Mit der Vermehrung des Circulationseiweißes durch ein enges Nährſtoffverhältniß
von 1 : 4.7—5.4, durch erhöhte Waſſeraufnahme, durch mäßige Beigabe von Kochſalz,
von fettreichem Futter, Oelkuchen ꝛc., wird auch die Milchausſcheidung vermehrt, ohne
daß eine erhebliche Aenderung der Qualität eintritt. Bei Abnahme der Menge an
verdaulichem Eiweiß im Futter ſinkt der Milchertrag nicht in dem gleichen, ſondern
in viel beträchtlicherem Verhältniſſe, wenn er ſich auch in erſterer Zeit oft auf Koſten
der Körperſubſtanz auf gleicher Höhe erhält.

In dem täglichen Futter für Milchkühe ſollen per 1000 Kilogr. Lebendgewicht
nach zahlreichen Fütterungsverſuchen enthalten ſein:

1) Verſuche über den Einfluß der Ernährung auf die Milchproduction von G. Kühn
und Genoſſen. Journal für Landwirthſchaft 1874, S. 168 u. 295.
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[128/0144] Beſondere Thierzuchtlehre. Futtermitteln zuweilen auch nur zweimal. Bei 4, 5 und mehr Futterzeiten wird zwar die Ausnutzung des Futters erhöht, aber auch die Arbeit des Fütterns ver- mehrt. Für die Nacht darf keinesfalls ſchwer verdauliches Futter vorgelegt werden. Veränderungen der zu verabreichenden Futterſtoffe, beſonders bei der Aufnahme der Trockenfütterung im Herbſte oder der Grünfütterung im Frühjahre, ſollen nur all- mählig vorgenommen werden, ſo zwar, daß der Uebergang von einer Nahrung zur andern ſich mindeſtens erſt nach 8—14 Tagen vollzogen hat. Wird dieſe Vorſicht nicht befolgt, ſo treten entweder Störungen in der Verdauung (Durchfall, Hartleibig- keit) oder in der Nutzung (Zurückgehen des Körpergewichtes, der Milchſecretion) ein. Bei den einzelnen Futterrationen iſt auf möglichſte Mannigfaltigkeit zu achten. Zuerſt reiche man Kurz-, dann Langfutter. Das Tränken geſchehe entweder am Brunnen oder noch beſſer im Stalle Früh und Abends. Die Menge des Tränkwaſſers richtet ſich nach dem Waſſergehalte des Futters, der Menge der Ausſcheidung und ſelbſt nach der Gewohnheit der Thiere. Eine kurze Winterfütterung währt 4—6, eine mittellange 6—7 und eine lange 7—9 Monate. Dieſelbe iſt abhängig von dem Beginne und dem Ende der Grün- fütterung oder der Weide. Der Bedarf an Winterfutter iſt durch einen Futter- überſchlag zu regeln, um rechtzeitig etwaige Abgänge durch Futterzukauf decken zu können. 3. Die Fütterung des Milchviehes. Auf die Milchergiebigkeit des Rindviehes hat in erſter Linie die Entwickelung der Milchdrüſe und erſt in zweiter Linie die Nahrungszufuhr entſcheidenden Einfluß. Nachdem die Höhe der Milchproduction von der Neubildung und dem Zerfalle der aus Eiweißſubſtanz beſtehenden Drüſenzellen abhängig iſt, ſo muß bei der Fütterung des Milchviehes 1) das größte Gewicht auf die Zufuhr eines ſtickſtoffreichen Futters gelegt werden. Das eiweißhaltige Futter ſoll namentlich das Circulationseiweiß, welches in der Milchdrüſe verwerthet wird, vermehren und nicht etwa dem Organ- eiweiß oder dem Anſatze von Eiweiß und Fett im übrigen Körper zu Gute kommen. Mit der Vermehrung des Circulationseiweißes durch ein enges Nährſtoffverhältniß von 1 : 4.7—5.4, durch erhöhte Waſſeraufnahme, durch mäßige Beigabe von Kochſalz, von fettreichem Futter, Oelkuchen ꝛc., wird auch die Milchausſcheidung vermehrt, ohne daß eine erhebliche Aenderung der Qualität eintritt. Bei Abnahme der Menge an verdaulichem Eiweiß im Futter ſinkt der Milchertrag nicht in dem gleichen, ſondern in viel beträchtlicherem Verhältniſſe, wenn er ſich auch in erſterer Zeit oft auf Koſten der Körperſubſtanz auf gleicher Höhe erhält. In dem täglichen Futter für Milchkühe ſollen per 1000 Kilogr. Lebendgewicht nach zahlreichen Fütterungsverſuchen enthalten ſein: 1) Verſuche über den Einfluß der Ernährung auf die Milchproduction von G. Kühn und Genoſſen. Journal für Landwirthſchaft 1874, S. 168 u. 295.

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Zitationshilfe: Krafft, Guido: Lehrbuch der Landwirthschaft auf wissenschaftlicher und praktischer Grundlage. Bd. 3. Berlin, 1876, S. 128. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krafft_landwirthschaft03_1876/144>, abgerufen am 21.08.2018.