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Krane, Friedrich von: Die Dressur des Reitpferdes (Campagne- und Gebrauchs-Pferdes). Münster, 1856.

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Vorwort.

Der Revolutionssturm, welcher am Ende des vorigen
Jahrhunderts in Frankreich losbrach und ganz Europa
durchtobte, zerstörte in wenig Jahren manches Werk,
woran Jahrhunderte mühsam gearbeitet hatten. So riss
er auch die Schulreiterei hinweg und liess von ihr wenig
mehr als die Schriften der alten Meister zurück. Der
schwache Stamm von Künstlern, welcher den Sturm ab-
gewettert und sich in das neue Jahrhundert herüber-
gerettet hatte, war nicht mehr triebfähig genug, um im
Strahle der Friedenssonne zum kräftigen Baume aufzu-
treiben.

Die Schulreiterei an sich, wie viel sie auch zum
Pomp der Höfe, zum Glanz der Festzüge, zur Grandezza
der Erscheinung der Grossen beitrug, ragte zu wenig in
das praktische Leben hinein, als dass ihr Verlust ein sehr
fühlbarer geworden wäre, wenn nicht die Campagne-
Reiterei,
die bisher mit ihr eng verbunden war, dadurch
haltungslos zu Boden gefallen wäre. Es waren die nach
den Regeln der Schule gebildeten Stallmeister und Bereiter,
welche auch diese für das Leben unentbehrliche Kunst
ausübten und lehrten. Sie dressirten die Campagnepferde
und hielten Bahnen in jeder ansehnlichen Stadt; der Stall-
meister war im Gefolge jedes grossen Herrn, er dressirte

Vorwort.

Der Revolutionssturm, welcher am Ende des vorigen
Jahrhunderts in Frankreich losbrach und ganz Europa
durchtobte, zerstörte in wenig Jahren manches Werk,
woran Jahrhunderte mühsam gearbeitet hatten. So riss
er auch die Schulreiterei hinweg und liess von ihr wenig
mehr als die Schriften der alten Meister zurück. Der
schwache Stamm von Künstlern, welcher den Sturm ab-
gewettert und sich in das neue Jahrhundert herüber-
gerettet hatte, war nicht mehr triebfähig genug, um im
Strahle der Friedenssonne zum kräftigen Baume aufzu-
treiben.

Die Schulreiterei an sich, wie viel sie auch zum
Pomp der Höfe, zum Glanz der Festzüge, zur Grandezza
der Erscheinung der Grossen beitrug, ragte zu wenig in
das praktische Leben hinein, als dass ihr Verlust ein sehr
fühlbarer geworden wäre, wenn nicht die Campagne-
Reiterei,
die bisher mit ihr eng verbunden war, dadurch
haltungslos zu Boden gefallen wäre. Es waren die nach
den Regeln der Schule gebildeten Stallmeister und Bereiter,
welche auch diese für das Leben unentbehrliche Kunst
ausübten und lehrten. Sie dressirten die Campagnepferde
und hielten Bahnen in jeder ansehnlichen Stadt; der Stall-
meister war im Gefolge jedes grossen Herrn, er dressirte

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[[III]/0011] Vorwort. Der Revolutionssturm, welcher am Ende des vorigen Jahrhunderts in Frankreich losbrach und ganz Europa durchtobte, zerstörte in wenig Jahren manches Werk, woran Jahrhunderte mühsam gearbeitet hatten. So riss er auch die Schulreiterei hinweg und liess von ihr wenig mehr als die Schriften der alten Meister zurück. Der schwache Stamm von Künstlern, welcher den Sturm ab- gewettert und sich in das neue Jahrhundert herüber- gerettet hatte, war nicht mehr triebfähig genug, um im Strahle der Friedenssonne zum kräftigen Baume aufzu- treiben. Die Schulreiterei an sich, wie viel sie auch zum Pomp der Höfe, zum Glanz der Festzüge, zur Grandezza der Erscheinung der Grossen beitrug, ragte zu wenig in das praktische Leben hinein, als dass ihr Verlust ein sehr fühlbarer geworden wäre, wenn nicht die Campagne- Reiterei, die bisher mit ihr eng verbunden war, dadurch haltungslos zu Boden gefallen wäre. Es waren die nach den Regeln der Schule gebildeten Stallmeister und Bereiter, welche auch diese für das Leben unentbehrliche Kunst ausübten und lehrten. Sie dressirten die Campagnepferde und hielten Bahnen in jeder ansehnlichen Stadt; der Stall- meister war im Gefolge jedes grossen Herrn, er dressirte

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Zitationshilfe: Krane, Friedrich von: Die Dressur des Reitpferdes (Campagne- und Gebrauchs-Pferdes). Münster, 1856, S. [III]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/krane_reitpferd_1856/11>, abgerufen am 21.04.2019.