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Kunckel, Johann: Ars Vitraria Experimentalis, Oder Vollkommene Glasmacher-Kunst. Frankfurt (Main) u. a., 1679.

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J. Kunckels Anmerckungen über das 1. B.
Vom 31. Capitel.

WEr die Zeit nicht erwarten will/ daß er erstlich ein
Vitriol-Oel/ aus dem durch Kunst bereiteten Vitri-
ol von Kupffer/ destillire/ der brenne nur das Kupf-
fer in den Asch-Ofen/ biß es gantz schwartz werde. Jch habe es
durch die Erfahrung/ daß/ wenn ich nehme Kupfferblech/ cal-
cin
ier solche mit Schwefel/ und mache es allerdings wie dieser
unser Autor lehret/ ferner wenn ichs einmahl gebrannt/ und
zum schwartzen Pulver gestossen/ wieder mit gleichschwer
Schwefel vermische/ und nach Wegbrennung desselben zum
drittenmahl wiederhole: Da ich denn/ wann ichs gelinde und
gebührlich tractirt habe/ endlich ein Pulver erlanget/ das auff
der Zunge scharff wie ein Vitriol von Kupffer schmeckt/
welches/ ob es wohl oben schwartz/ doch sonst mehrentheils
roth und Ziegelstein-färbig ist: dieses schwartz und rothe
Pulver durch einander gemischt/ thut/ sag ich/ nach meiner
Experienz alles das jenige/ was der Autor von deme mit so gros-
ser Mühe aus dem von Kupffer gemachten Vitriol lehret
und rühmet.

Vom 32. 33. 34 und 35. Capitel.

MJt dieser Grüne hat es allerdings die Bewandnis/ wie
im vorigen mit der Meerwasser-Farbe/ gelehret und
unterrichtet worden. Jch habe mich sehr in der
Schönheit und mancherley Veränderung solcher Grüne de-
lect
irt/ sonderlich noch unlängst in meines Gn. Churfürsten
und Herrn Crystall-Hüte/ da ich dieses gantze Buch: (so viel
ich vorhero nicht probirt:) durchgearbeitet/ und experimenti-
ret/ auch darunter allerhand schöne und fast ungemeine grüne
Coleuren gemacht habe. Es besteht aber solche vielfältige Ver-
änderung bloß und allein in dem Unterschied und Bereitung
des zugerichten Eisen-Pulvers/ Crocus Martis genannt: Nach
dem die praeparation und Zurichtung desselben ist/ nach

dem
J. Kunckels Anmerckungen uͤber das 1. B.
Vom 31. Capitel.

WEr die Zeit nicht erwarten will/ daß er erſtlich ein
Vitriol-Oel/ aus dem durch Kunſt bereiteten Vitri-
ol von Kupffer/ deſtillire/ der brenne nur das Kupf-
fer in den Aſch-Ofen/ biß es gantz ſchwartz werde. Jch habe es
durch die Erfahrung/ daß/ wenn ich nehme Kupfferblech/ cal-
cin
ier ſolche mit Schwefel/ und mache es allerdings wie dieſer
unſer Autor lehret/ ferner wenn ichs einmahl gebrannt/ und
zum ſchwartzen Pulver geſtoſſen/ wieder mit gleichſchwer
Schwefel vermiſche/ und nach Wegbrennung deſſelben zum
drittenmahl wiederhole: Da ich denn/ wañ ichs gelinde und
gebuͤhrlich tractirt habe/ endlich ein Pulver erlanget/ das auff
der Zunge ſcharff wie ein Vitriol von Kupffer ſchmeckt/
welches/ ob es wohl oben ſchwartz/ doch ſonſt mehrentheils
roth und Ziegelſtein-faͤrbig iſt: dieſes ſchwartz und rothe
Pulver durch einander gemiſcht/ thut/ ſag ich/ nach meiner
Experienz alles das jenige/ was der Autor von deme mit ſo groſ-
ſer Muͤhe aus dem von Kupffer gemachten Vitriol lehret
und ruͤhmet.

Vom 32. 33. 34 und 35. Capitel.

MJt dieſer Gꝛuͤne hat es alleꝛdings die Bewandnis/ wie
im vorigen mit der Meerwaſſer-Farbe/ gelehret und
unterrichtet worden. Jch habe mich ſehr in der
Schoͤnheit und mancherley Veraͤnderung ſolcher Gruͤne de-
lect
irt/ ſonderlich noch unlaͤngſt in meines Gn. Churfuͤrſten
und Herrn Cryſtall-Huͤte/ da ich dieſes gantze Buch: (ſo viel
ich vorhero nicht probirt:) durchgearbeitet/ und experimenti-
ret/ auch daꝛunteꝛ alleꝛhand ſchoͤne und faſt ungemeine gruͤne
Coleuren gemacht habe. Es beſteht aber ſolche vielfaͤltige Ver-
aͤnderung bloß und allein in dem Unterſchied und Bereitung
des zugerichten Eiſen-Pulvers/ Crocus Martis genannt: Nach
dem die præparation und Zurichtung deſſelben iſt/ nach

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[64/0098] J. Kunckels Anmerckungen uͤber das 1. B. Vom 31. Capitel. WEr die Zeit nicht erwarten will/ daß er erſtlich ein Vitriol-Oel/ aus dem durch Kunſt bereiteten Vitri- ol von Kupffer/ deſtillire/ der brenne nur das Kupf- fer in den Aſch-Ofen/ biß es gantz ſchwartz werde. Jch habe es durch die Erfahrung/ daß/ wenn ich nehme Kupfferblech/ cal- cinier ſolche mit Schwefel/ und mache es allerdings wie dieſer unſer Autor lehret/ ferner wenn ichs einmahl gebrannt/ und zum ſchwartzen Pulver geſtoſſen/ wieder mit gleichſchwer Schwefel vermiſche/ und nach Wegbrennung deſſelben zum drittenmahl wiederhole: Da ich denn/ wañ ichs gelinde und gebuͤhrlich tractirt habe/ endlich ein Pulver erlanget/ das auff der Zunge ſcharff wie ein Vitriol von Kupffer ſchmeckt/ welches/ ob es wohl oben ſchwartz/ doch ſonſt mehrentheils roth und Ziegelſtein-faͤrbig iſt: dieſes ſchwartz und rothe Pulver durch einander gemiſcht/ thut/ ſag ich/ nach meiner Experienz alles das jenige/ was der Autor von deme mit ſo groſ- ſer Muͤhe aus dem von Kupffer gemachten Vitriol lehret und ruͤhmet. Vom 32. 33. 34 und 35. Capitel. MJt dieſer Gꝛuͤne hat es alleꝛdings die Bewandnis/ wie im vorigen mit der Meerwaſſer-Farbe/ gelehret und unterrichtet worden. Jch habe mich ſehr in der Schoͤnheit und mancherley Veraͤnderung ſolcher Gruͤne de- lectirt/ ſonderlich noch unlaͤngſt in meines Gn. Churfuͤrſten und Herrn Cryſtall-Huͤte/ da ich dieſes gantze Buch: (ſo viel ich vorhero nicht probirt:) durchgearbeitet/ und experimenti- ret/ auch daꝛunteꝛ alleꝛhand ſchoͤne und faſt ungemeine gruͤne Coleuren gemacht habe. Es beſteht aber ſolche vielfaͤltige Ver- aͤnderung bloß und allein in dem Unterſchied und Bereitung des zugerichten Eiſen-Pulvers/ Crocus Martis genannt: Nach dem die præparation und Zurichtung deſſelben iſt/ nach dem

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Zitationshilfe: Kunckel, Johann: Ars Vitraria Experimentalis, Oder Vollkommene Glasmacher-Kunst. Frankfurt (Main) u. a., 1679, S. 64. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/kunckel_glasmacher_1679/98>, abgerufen am 24.08.2019.