Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771.

Bild:
<< vorherige Seite
Das Bestimmen.
4°. So fern wir die Begriffe nach den Sa-
chen bestimmen,
thun wir eigentlich nichts
anders, als daß wir die Bestimmungen, die
die Sache hat, finden, und den Begriff mit
Bewußtseyn nach denselben richten.
5°. So fern die Eigenschaften und Grade, die eine
Sache hat, anders seyn können, und in andern
Dingen anders sind, so ferne sehen wir sie als
Bestimmungen an.
6°. So fern wir das, was mehrere Dinge gemein
haben zusammen in einen allgemeinen Begriff
nehmen, dem sich folglich noch das in jedem
dieser Dinge eigenes beysetzen läßt, so ferne
nennen wir dieses eigene Bestimmungen, den
allgemeinen Begriff aber sehen wir als be-
stimmbar,
oder als noch mehrerer Bestim-
mungen fähig an.
7°. So fern endlich bey mehrern Bestimmungen
eine die andere nach sich zieht, erfordert, oder
voraussetzet: so ferne wird die Möglichkeit da-
bey eingeschränket, und das Bestimmen kann
auch nicht weiter eine Handlung des Willens
seyn, als diese Möglichkeit reichet.
§. 507.

Wir sehen überhaupt hieraus, daß bey dem Be-
stimmen die drey Gattungen von Kräften durch ein-
ander laufen, und folglich genauer untersuchet wer-
den müsse, wie ferne jede dabey vorkömmt. Dahin
dienen nun folgende Sätze.

1°. Das Bestimmen setzet überhaupt zweyerley
Möglichkeiten voraus. Denn einmal muß die
Sache, so wie man sie bestimmen will, ange-
hen
Das Beſtimmen.
4°. So fern wir die Begriffe nach den Sa-
chen beſtimmen,
thun wir eigentlich nichts
anders, als daß wir die Beſtimmungen, die
die Sache hat, finden, und den Begriff mit
Bewußtſeyn nach denſelben richten.
5°. So fern die Eigenſchaften und Grade, die eine
Sache hat, anders ſeyn koͤnnen, und in andern
Dingen anders ſind, ſo ferne ſehen wir ſie als
Beſtimmungen an.
6°. So fern wir das, was mehrere Dinge gemein
haben zuſammen in einen allgemeinen Begriff
nehmen, dem ſich folglich noch das in jedem
dieſer Dinge eigenes beyſetzen laͤßt, ſo ferne
nennen wir dieſes eigene Beſtimmungen, den
allgemeinen Begriff aber ſehen wir als be-
ſtimmbar,
oder als noch mehrerer Beſtim-
mungen faͤhig an.
7°. So fern endlich bey mehrern Beſtimmungen
eine die andere nach ſich zieht, erfordert, oder
vorausſetzet: ſo ferne wird die Moͤglichkeit da-
bey eingeſchraͤnket, und das Beſtimmen kann
auch nicht weiter eine Handlung des Willens
ſeyn, als dieſe Moͤglichkeit reichet.
§. 507.

Wir ſehen uͤberhaupt hieraus, daß bey dem Be-
ſtimmen die drey Gattungen von Kraͤften durch ein-
ander laufen, und folglich genauer unterſuchet wer-
den muͤſſe, wie ferne jede dabey vorkoͤmmt. Dahin
dienen nun folgende Saͤtze.

1°. Das Beſtimmen ſetzet uͤberhaupt zweyerley
Moͤglichkeiten voraus. Denn einmal muß die
Sache, ſo wie man ſie beſtimmen will, ange-
hen
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0133" n="125"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Das Be&#x017F;timmen.</hi> </fw><lb/>
            <list>
              <item>4°. So fern wir <hi rendition="#fr">die Begriffe nach den Sa-<lb/>
chen be&#x017F;timmen,</hi> thun wir eigentlich nichts<lb/>
anders, als daß wir die Be&#x017F;timmungen, die<lb/>
die Sache hat, finden, und den Begriff mit<lb/>
Bewußt&#x017F;eyn nach den&#x017F;elben richten.</item><lb/>
              <item>5°. So fern die Eigen&#x017F;chaften und Grade, die eine<lb/>
Sache hat, anders &#x017F;eyn ko&#x0364;nnen, und in andern<lb/>
Dingen anders &#x017F;ind, &#x017F;o ferne &#x017F;ehen wir &#x017F;ie als<lb/><hi rendition="#fr">Be&#x017F;timmungen</hi> an.</item><lb/>
              <item>6°. So fern wir das, was mehrere Dinge gemein<lb/>
haben zu&#x017F;ammen in einen allgemeinen Begriff<lb/>
nehmen, dem &#x017F;ich folglich noch das in jedem<lb/>
die&#x017F;er Dinge eigenes bey&#x017F;etzen la&#x0364;ßt, &#x017F;o ferne<lb/>
nennen wir die&#x017F;es eigene <hi rendition="#fr">Be&#x017F;timmungen,</hi> den<lb/>
allgemeinen Begriff aber &#x017F;ehen wir als <hi rendition="#fr">be-<lb/>
&#x017F;timmbar,</hi> oder als noch mehrerer Be&#x017F;tim-<lb/>
mungen fa&#x0364;hig an.</item><lb/>
              <item>7°. So fern endlich bey mehrern Be&#x017F;timmungen<lb/>
eine die andere nach &#x017F;ich zieht, erfordert, oder<lb/>
voraus&#x017F;etzet: &#x017F;o ferne wird die Mo&#x0364;glichkeit da-<lb/>
bey einge&#x017F;chra&#x0364;nket, und das Be&#x017F;timmen kann<lb/>
auch nicht weiter eine Handlung des Willens<lb/>
&#x017F;eyn, als die&#x017F;e Mo&#x0364;glichkeit reichet.</item>
            </list>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 507.</head><lb/>
            <p>Wir &#x017F;ehen u&#x0364;berhaupt hieraus, daß bey dem Be-<lb/>
&#x017F;timmen die drey Gattungen von Kra&#x0364;ften durch ein-<lb/>
ander laufen, und folglich genauer unter&#x017F;uchet wer-<lb/>
den mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e, wie ferne jede dabey vorko&#x0364;mmt. Dahin<lb/>
dienen nun folgende Sa&#x0364;tze.</p><lb/>
            <list>
              <item>1°. Das Be&#x017F;timmen &#x017F;etzet u&#x0364;berhaupt zweyerley<lb/>
Mo&#x0364;glichkeiten voraus. Denn einmal muß die<lb/>
Sache, &#x017F;o wie man &#x017F;ie be&#x017F;timmen will, ange-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">hen</fw><lb/></item>
            </list>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[125/0133] Das Beſtimmen. 4°. So fern wir die Begriffe nach den Sa- chen beſtimmen, thun wir eigentlich nichts anders, als daß wir die Beſtimmungen, die die Sache hat, finden, und den Begriff mit Bewußtſeyn nach denſelben richten. 5°. So fern die Eigenſchaften und Grade, die eine Sache hat, anders ſeyn koͤnnen, und in andern Dingen anders ſind, ſo ferne ſehen wir ſie als Beſtimmungen an. 6°. So fern wir das, was mehrere Dinge gemein haben zuſammen in einen allgemeinen Begriff nehmen, dem ſich folglich noch das in jedem dieſer Dinge eigenes beyſetzen laͤßt, ſo ferne nennen wir dieſes eigene Beſtimmungen, den allgemeinen Begriff aber ſehen wir als be- ſtimmbar, oder als noch mehrerer Beſtim- mungen faͤhig an. 7°. So fern endlich bey mehrern Beſtimmungen eine die andere nach ſich zieht, erfordert, oder vorausſetzet: ſo ferne wird die Moͤglichkeit da- bey eingeſchraͤnket, und das Beſtimmen kann auch nicht weiter eine Handlung des Willens ſeyn, als dieſe Moͤglichkeit reichet. §. 507. Wir ſehen uͤberhaupt hieraus, daß bey dem Be- ſtimmen die drey Gattungen von Kraͤften durch ein- ander laufen, und folglich genauer unterſuchet wer- den muͤſſe, wie ferne jede dabey vorkoͤmmt. Dahin dienen nun folgende Saͤtze. 1°. Das Beſtimmen ſetzet uͤberhaupt zweyerley Moͤglichkeiten voraus. Denn einmal muß die Sache, ſo wie man ſie beſtimmen will, ange- hen

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/133
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771, S. 125. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/133>, abgerufen am 19.11.2019.