Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771.

Bild:
<< vorherige Seite

Dinge und Verhältnisse.
Theils in C, zu dem noch unbestimmten Theil in B
gefunden werde, oder gegeben sey. Dadurch aber
werden B und C vollständig bestimmt seyn, und so
auch die Verhältnisse zwischen B, C und A ganz ge-
funden werden können. Auch dieser Fall kömmt im
gemeinen Leben häufig vor. Man höret z. E. etwann
drey Personen mit einander reden. Man kennet die
eine von Person, und aus dem, was sie mit einan-
der sprechen, schließt man, und zwar öfters ganz
stückweise, daß die andern beyden Personen diejeni-
gen sind, die man bereits dem Namen nach, oder
aus andern Erzählungen der ersten Person gekannt
hatte.

§. 573.

Es kann ferner eine Sache, sowohl ihren Theilen,
als ihren Eigenschaften nach, besonders genommen,
und durch deren Verhältnisse zu mehrern andern
Dingen dergestalt bestimmt seyn, daß jeder Theil
mit einer andern Sache verglichen wird. Sollte nun
die Sache aus diesen angegebenen Verhältnissen ge-
funden werden, so sieht die Frage eigentlich proble-
matisch und öfters räthselhaft aus. Jn der That
sind auch die wirklichen Räthsel, die man zu errathen
aufgiebt, nicht anders davon verschieden, als daß
man sich vorsetzt, die Sache zu verstecken, und folg-
lich alle die Verhältnisse wegläßt, welche sie gar zu
leicht und unmittelbar entdecken würden, und aus
diesem Grunde drücket man sie auch lieber durch Me-
taphern, als durch eigene Worte aus. Man hat
dabey ebenfalls darauf zu sehen, daß man genug
Data angebe, damit nicht mehrere Auflösungen mög-
lich bleiben. Die Regel Falsi, welche zur Erfindung
der Algeber Anlaß gegeben zu haben scheint, mußte
anfangs fast nothwendig als eine Regel angesehen

werden,
N 2

Dinge und Verhaͤltniſſe.
Theils in C, zu dem noch unbeſtimmten Theil in B
gefunden werde, oder gegeben ſey. Dadurch aber
werden B und C vollſtaͤndig beſtimmt ſeyn, und ſo
auch die Verhaͤltniſſe zwiſchen B, C und A ganz ge-
funden werden koͤnnen. Auch dieſer Fall koͤmmt im
gemeinen Leben haͤufig vor. Man hoͤret z. E. etwann
drey Perſonen mit einander reden. Man kennet die
eine von Perſon, und aus dem, was ſie mit einan-
der ſprechen, ſchließt man, und zwar oͤfters ganz
ſtuͤckweiſe, daß die andern beyden Perſonen diejeni-
gen ſind, die man bereits dem Namen nach, oder
aus andern Erzaͤhlungen der erſten Perſon gekannt
hatte.

§. 573.

Es kann ferner eine Sache, ſowohl ihren Theilen,
als ihren Eigenſchaften nach, beſonders genommen,
und durch deren Verhaͤltniſſe zu mehrern andern
Dingen dergeſtalt beſtimmt ſeyn, daß jeder Theil
mit einer andern Sache verglichen wird. Sollte nun
die Sache aus dieſen angegebenen Verhaͤltniſſen ge-
funden werden, ſo ſieht die Frage eigentlich proble-
matiſch und oͤfters raͤthſelhaft aus. Jn der That
ſind auch die wirklichen Raͤthſel, die man zu errathen
aufgiebt, nicht anders davon verſchieden, als daß
man ſich vorſetzt, die Sache zu verſtecken, und folg-
lich alle die Verhaͤltniſſe weglaͤßt, welche ſie gar zu
leicht und unmittelbar entdecken wuͤrden, und aus
dieſem Grunde druͤcket man ſie auch lieber durch Me-
taphern, als durch eigene Worte aus. Man hat
dabey ebenfalls darauf zu ſehen, daß man genug
Data angebe, damit nicht mehrere Aufloͤſungen moͤg-
lich bleiben. Die Regel Falſi, welche zur Erfindung
der Algeber Anlaß gegeben zu haben ſcheint, mußte
anfangs faſt nothwendig als eine Regel angeſehen

werden,
N 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0203" n="195"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Dinge und Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;e.</hi></fw><lb/>
Theils in <hi rendition="#aq">C,</hi> zu dem noch unbe&#x017F;timmten Theil in <hi rendition="#aq">B</hi><lb/>
gefunden werde, oder gegeben &#x017F;ey. Dadurch aber<lb/>
werden <hi rendition="#aq">B</hi> und <hi rendition="#aq">C</hi> voll&#x017F;ta&#x0364;ndig be&#x017F;timmt &#x017F;eyn, und &#x017F;o<lb/>
auch die Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;e zwi&#x017F;chen <hi rendition="#aq">B, C</hi> und <hi rendition="#aq">A</hi> ganz ge-<lb/>
funden werden ko&#x0364;nnen. Auch die&#x017F;er Fall ko&#x0364;mmt im<lb/>
gemeinen Leben ha&#x0364;ufig vor. Man ho&#x0364;ret z. E. etwann<lb/>
drey Per&#x017F;onen mit einander reden. Man kennet die<lb/>
eine von Per&#x017F;on, und aus dem, was &#x017F;ie mit einan-<lb/>
der &#x017F;prechen, &#x017F;chließt man, und zwar o&#x0364;fters ganz<lb/>
&#x017F;tu&#x0364;ckwei&#x017F;e, daß die andern beyden Per&#x017F;onen diejeni-<lb/>
gen &#x017F;ind, die man bereits dem Namen nach, oder<lb/>
aus andern Erza&#x0364;hlungen der er&#x017F;ten Per&#x017F;on gekannt<lb/>
hatte.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 573.</head><lb/>
            <p>Es kann ferner eine Sache, &#x017F;owohl ihren Theilen,<lb/>
als ihren Eigen&#x017F;chaften nach, be&#x017F;onders genommen,<lb/>
und durch deren Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;e zu mehrern andern<lb/>
Dingen derge&#x017F;talt be&#x017F;timmt &#x017F;eyn, daß jeder Theil<lb/>
mit einer andern Sache verglichen wird. Sollte nun<lb/>
die Sache aus die&#x017F;en angegebenen Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;en ge-<lb/>
funden werden, &#x017F;o &#x017F;ieht die Frage eigentlich proble-<lb/>
mati&#x017F;ch und o&#x0364;fters ra&#x0364;th&#x017F;elhaft aus. Jn der That<lb/>
&#x017F;ind auch die wirklichen Ra&#x0364;th&#x017F;el, die man zu errathen<lb/>
aufgiebt, nicht anders davon ver&#x017F;chieden, als daß<lb/>
man &#x017F;ich vor&#x017F;etzt, die Sache zu ver&#x017F;tecken, und folg-<lb/>
lich alle die Verha&#x0364;ltni&#x017F;&#x017F;e wegla&#x0364;ßt, welche &#x017F;ie gar zu<lb/>
leicht und unmittelbar entdecken wu&#x0364;rden, und aus<lb/>
die&#x017F;em Grunde dru&#x0364;cket man &#x017F;ie auch lieber durch Me-<lb/>
taphern, als durch eigene Worte aus. Man hat<lb/>
dabey ebenfalls darauf zu &#x017F;ehen, daß man genug<lb/><hi rendition="#aq">Data</hi> angebe, damit nicht mehrere Auflo&#x0364;&#x017F;ungen mo&#x0364;g-<lb/>
lich bleiben. Die Regel <hi rendition="#aq">Fal&#x017F;i,</hi> welche zur Erfindung<lb/>
der Algeber Anlaß gegeben zu haben &#x017F;cheint, mußte<lb/>
anfangs fa&#x017F;t nothwendig als eine Regel ange&#x017F;ehen<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">N 2</fw><fw place="bottom" type="catch">werden,</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[195/0203] Dinge und Verhaͤltniſſe. Theils in C, zu dem noch unbeſtimmten Theil in B gefunden werde, oder gegeben ſey. Dadurch aber werden B und C vollſtaͤndig beſtimmt ſeyn, und ſo auch die Verhaͤltniſſe zwiſchen B, C und A ganz ge- funden werden koͤnnen. Auch dieſer Fall koͤmmt im gemeinen Leben haͤufig vor. Man hoͤret z. E. etwann drey Perſonen mit einander reden. Man kennet die eine von Perſon, und aus dem, was ſie mit einan- der ſprechen, ſchließt man, und zwar oͤfters ganz ſtuͤckweiſe, daß die andern beyden Perſonen diejeni- gen ſind, die man bereits dem Namen nach, oder aus andern Erzaͤhlungen der erſten Perſon gekannt hatte. §. 573. Es kann ferner eine Sache, ſowohl ihren Theilen, als ihren Eigenſchaften nach, beſonders genommen, und durch deren Verhaͤltniſſe zu mehrern andern Dingen dergeſtalt beſtimmt ſeyn, daß jeder Theil mit einer andern Sache verglichen wird. Sollte nun die Sache aus dieſen angegebenen Verhaͤltniſſen ge- funden werden, ſo ſieht die Frage eigentlich proble- matiſch und oͤfters raͤthſelhaft aus. Jn der That ſind auch die wirklichen Raͤthſel, die man zu errathen aufgiebt, nicht anders davon verſchieden, als daß man ſich vorſetzt, die Sache zu verſtecken, und folg- lich alle die Verhaͤltniſſe weglaͤßt, welche ſie gar zu leicht und unmittelbar entdecken wuͤrden, und aus dieſem Grunde druͤcket man ſie auch lieber durch Me- taphern, als durch eigene Worte aus. Man hat dabey ebenfalls darauf zu ſehen, daß man genug Data angebe, damit nicht mehrere Aufloͤſungen moͤg- lich bleiben. Die Regel Falſi, welche zur Erfindung der Algeber Anlaß gegeben zu haben ſcheint, mußte anfangs faſt nothwendig als eine Regel angeſehen werden, N 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/203
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771, S. 195. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/203>, abgerufen am 16.10.2019.