Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771.

Bild:
<< vorherige Seite

XXI. Hauptstück.
den dadurch bedeuteten Sachen vorkommen. Jn
dieser Untersuchung können wir hier das weglassen,
was die willkührlichen und die wissenschaftlichen
Zeichen
betrifft, weil wir diese in der Semiotic be-
sonders betrachtet haben. Es bleiben demnach hier
eigentlich nur die sogenannten natürlichen Zeichen
vorzunehmen, wovon wir in dem §. 47. Semiot. Er-
wähnung gethan haben, und welche von den beyden
erstern Arten und so auch von der Zeichnung des
Scheines,
(Phänomenol. §. 266-288.) ganz ver-
schieden sind.

§. 647.

Das erste, was wir in Ansehung der natürlichen
Zeichen anzumerken haben, ist, daß sie mehren-
theils nicht nur Zeichen von einer Sache, son-
dern zugleich auch Zeichen von unserer Unwis-
senheit, und zuweilen letzteres ohne das erstere
sind.
Es ist nämlich zwischen dem natürlichen Zei-
chen, und der Sache, die es bedeutet, eine solche
Verbindung, daß sie entweder zugleich sind, oder
das Zeichen der Sache vorgeht oder darauf folget.
Dafern uns nun diese Verbindung bekannt ist, so
daß wir sie beschreiben und mit ihrem eigenen Na-
men
benennen können, so gebrauchen wir das Wort
Zeichen höchstens nur als einen abgekürzten Aus-
druck.
Jst uns aber diese Verbindung nicht be-
kannt, so müssen wir bey dem Worte Zeichen, oder
andern demselben gleich geltenden Ausdrücken bleiben,
und in so ferne zeiget es an, daß wir die Verbin-
dung nicht wissen.
Zu diesen beyden Fällen kömmt
öfters noch der dritte, da wir uns nämlich nur ein-
bilden, daß eine Sache ein Zeichen von einer andern
sey, wenn sie es in der That nicht ist, oder etwas

anders

XXI. Hauptſtuͤck.
den dadurch bedeuteten Sachen vorkommen. Jn
dieſer Unterſuchung koͤnnen wir hier das weglaſſen,
was die willkuͤhrlichen und die wiſſenſchaftlichen
Zeichen
betrifft, weil wir dieſe in der Semiotic be-
ſonders betrachtet haben. Es bleiben demnach hier
eigentlich nur die ſogenannten natuͤrlichen Zeichen
vorzunehmen, wovon wir in dem §. 47. Semiot. Er-
waͤhnung gethan haben, und welche von den beyden
erſtern Arten und ſo auch von der Zeichnung des
Scheines,
(Phaͤnomenol. §. 266-288.) ganz ver-
ſchieden ſind.

§. 647.

Das erſte, was wir in Anſehung der natuͤrlichen
Zeichen anzumerken haben, iſt, daß ſie mehren-
theils nicht nur Zeichen von einer Sache, ſon-
dern zugleich auch Zeichen von unſerer Unwiſ-
ſenheit, und zuweilen letzteres ohne das erſtere
ſind.
Es iſt naͤmlich zwiſchen dem natuͤrlichen Zei-
chen, und der Sache, die es bedeutet, eine ſolche
Verbindung, daß ſie entweder zugleich ſind, oder
das Zeichen der Sache vorgeht oder darauf folget.
Dafern uns nun dieſe Verbindung bekannt iſt, ſo
daß wir ſie beſchreiben und mit ihrem eigenen Na-
men
benennen koͤnnen, ſo gebrauchen wir das Wort
Zeichen hoͤchſtens nur als einen abgekuͤrzten Aus-
druck.
Jſt uns aber dieſe Verbindung nicht be-
kannt, ſo muͤſſen wir bey dem Worte Zeichen, oder
andern demſelben gleich geltenden Ausdruͤcken bleiben,
und in ſo ferne zeiget es an, daß wir die Verbin-
dung nicht wiſſen.
Zu dieſen beyden Faͤllen koͤmmt
oͤfters noch der dritte, da wir uns naͤmlich nur ein-
bilden, daß eine Sache ein Zeichen von einer andern
ſey, wenn ſie es in der That nicht iſt, oder etwas

anders
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0284" n="276"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">XXI.</hi> Haupt&#x017F;tu&#x0364;ck.</hi></fw><lb/>
den dadurch <hi rendition="#fr">bedeuteten Sachen</hi> vorkommen. Jn<lb/>
die&#x017F;er Unter&#x017F;uchung ko&#x0364;nnen wir hier das wegla&#x017F;&#x017F;en,<lb/>
was die <hi rendition="#fr">willku&#x0364;hrlichen</hi> und die <hi rendition="#fr">wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaftlichen<lb/>
Zeichen</hi> betrifft, weil wir die&#x017F;e in der Semiotic be-<lb/>
&#x017F;onders betrachtet haben. Es bleiben demnach hier<lb/>
eigentlich nur die &#x017F;ogenannten <hi rendition="#fr">natu&#x0364;rlichen Zeichen</hi><lb/>
vorzunehmen, wovon wir in dem §. 47. Semiot. Er-<lb/>
wa&#x0364;hnung gethan haben, und welche von den beyden<lb/>
er&#x017F;tern Arten und &#x017F;o auch von der <hi rendition="#fr">Zeichnung des<lb/>
Scheines,</hi> (Pha&#x0364;nomenol. §. 266-288.) ganz ver-<lb/>
&#x017F;chieden &#x017F;ind.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 647.</head><lb/>
            <p>Das er&#x017F;te, was wir in An&#x017F;ehung der natu&#x0364;rlichen<lb/>
Zeichen anzumerken haben, i&#x017F;t, <hi rendition="#fr">daß &#x017F;ie mehren-<lb/>
theils nicht nur Zeichen von einer Sache, &#x017F;on-<lb/>
dern zugleich auch Zeichen von un&#x017F;erer Unwi&#x017F;-<lb/>
&#x017F;enheit, und zuweilen letzteres ohne das er&#x017F;tere<lb/>
&#x017F;ind.</hi> Es i&#x017F;t na&#x0364;mlich zwi&#x017F;chen dem natu&#x0364;rlichen Zei-<lb/>
chen, und der Sache, die es bedeutet, eine &#x017F;olche<lb/><hi rendition="#fr">Verbindung,</hi> daß &#x017F;ie entweder <hi rendition="#fr">zugleich &#x017F;ind,</hi> oder<lb/>
das Zeichen der Sache <hi rendition="#fr">vorgeht</hi> oder <hi rendition="#fr">darauf folget.</hi><lb/>
Dafern uns nun die&#x017F;e <hi rendition="#fr">Verbindung</hi> bekannt i&#x017F;t, &#x017F;o<lb/>
daß wir &#x017F;ie <hi rendition="#fr">be&#x017F;chreiben</hi> und mit ihrem <hi rendition="#fr">eigenen Na-<lb/>
men</hi> benennen ko&#x0364;nnen, &#x017F;o gebrauchen wir das Wort<lb/><hi rendition="#fr">Zeichen</hi> ho&#x0364;ch&#x017F;tens nur als einen <hi rendition="#fr">abgeku&#x0364;rzten Aus-<lb/>
druck.</hi> J&#x017F;t uns aber die&#x017F;e Verbindung nicht be-<lb/>
kannt, &#x017F;o mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en wir bey dem Worte <hi rendition="#fr">Zeichen,</hi> oder<lb/>
andern dem&#x017F;elben gleich geltenden Ausdru&#x0364;cken bleiben,<lb/>
und in &#x017F;o ferne zeiget es an, <hi rendition="#fr">daß wir die Verbin-<lb/>
dung nicht wi&#x017F;&#x017F;en.</hi> Zu die&#x017F;en beyden Fa&#x0364;llen ko&#x0364;mmt<lb/>
o&#x0364;fters noch der dritte, da wir uns na&#x0364;mlich nur ein-<lb/>
bilden, daß eine Sache ein Zeichen von einer andern<lb/>
&#x017F;ey, wenn &#x017F;ie es in der That nicht i&#x017F;t, oder etwas<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">anders</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[276/0284] XXI. Hauptſtuͤck. den dadurch bedeuteten Sachen vorkommen. Jn dieſer Unterſuchung koͤnnen wir hier das weglaſſen, was die willkuͤhrlichen und die wiſſenſchaftlichen Zeichen betrifft, weil wir dieſe in der Semiotic be- ſonders betrachtet haben. Es bleiben demnach hier eigentlich nur die ſogenannten natuͤrlichen Zeichen vorzunehmen, wovon wir in dem §. 47. Semiot. Er- waͤhnung gethan haben, und welche von den beyden erſtern Arten und ſo auch von der Zeichnung des Scheines, (Phaͤnomenol. §. 266-288.) ganz ver- ſchieden ſind. §. 647. Das erſte, was wir in Anſehung der natuͤrlichen Zeichen anzumerken haben, iſt, daß ſie mehren- theils nicht nur Zeichen von einer Sache, ſon- dern zugleich auch Zeichen von unſerer Unwiſ- ſenheit, und zuweilen letzteres ohne das erſtere ſind. Es iſt naͤmlich zwiſchen dem natuͤrlichen Zei- chen, und der Sache, die es bedeutet, eine ſolche Verbindung, daß ſie entweder zugleich ſind, oder das Zeichen der Sache vorgeht oder darauf folget. Dafern uns nun dieſe Verbindung bekannt iſt, ſo daß wir ſie beſchreiben und mit ihrem eigenen Na- men benennen koͤnnen, ſo gebrauchen wir das Wort Zeichen hoͤchſtens nur als einen abgekuͤrzten Aus- druck. Jſt uns aber dieſe Verbindung nicht be- kannt, ſo muͤſſen wir bey dem Worte Zeichen, oder andern demſelben gleich geltenden Ausdruͤcken bleiben, und in ſo ferne zeiget es an, daß wir die Verbin- dung nicht wiſſen. Zu dieſen beyden Faͤllen koͤmmt oͤfters noch der dritte, da wir uns naͤmlich nur ein- bilden, daß eine Sache ein Zeichen von einer andern ſey, wenn ſie es in der That nicht iſt, oder etwas anders

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/284
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771, S. 276. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/284>, abgerufen am 19.11.2019.