Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771.

Bild:
<< vorherige Seite

Der Maaßstab.
oder auch der Weiße eines Körpers zu bestimmen,
ist es genug, daß man das auffallende Licht mit dem
durchgehenden oder zurück geworfenen vergleicht, ohne
dabey den Abstand und die absolute Helligkeit mit in
Betrachtung zu ziehen, und auf eine ähnliche Art mißt
man die Geschwindigkeit nur durch den Raum und
die Zeit aus, ohne auf andere Umstände, z. E. auf
die Masse, Direction, Kraft etc. Acht zu haben, weil
diese nicht nothwendig dazu erfordert werden.

§. 770.

Um aber zu dem erst angeführten geometrischen
Begriff von dem zusammen- oder auf einander passen
der Figuren zurück zu kehren, um denselben näher zu
betrachten, so können wir erstlich anmerken, daß
man bey diesem Zusammenpassen eigentlich auf die
Enden oder den Umriß der Figur sieht, weil dieser
die Figur zur Figur machet, und weil, wenn die
Umrisse zusammen passen, auch nothwendig die Figu-
ren, sofern sie flach sind zusammen passen. Jn so
fern aber ist der Satz unter dem viel allgemeinern
enthalten, den wir oben (§. 139.) vorgetragen haben.
Sodann können wir das in dem §. 80. erwähnte
ideale Herumtragen der Theile des Raumes dabey
mit vornehmen, als welches von dem physischen Her-
umtragen der Körper verschieden, und deswegen bloß
ideal ist, weil es mit den Theilen des wirklichen
Raumes nicht angeht. Durch dieses ideale Herum-
tragen aber legen wir in Gedanken jede Seiten und
Winkel der einen Figur auf die Seiten und Winkel
der andern, um uns dadurch zu versichern, daß sie
durchaus auf einander passen. Wollen wir demnach
bey solchen idealen Vorstellungen bleiben, so läßt sich
der Satz vom Zusammenpassen weiter ausdehnen,
ungeachtet er in Absicht auf den Raum immer eine

größere
B b 4

Der Maaßſtab.
oder auch der Weiße eines Koͤrpers zu beſtimmen,
iſt es genug, daß man das auffallende Licht mit dem
durchgehenden oder zuruͤck geworfenen vergleicht, ohne
dabey den Abſtand und die abſolute Helligkeit mit in
Betrachtung zu ziehen, und auf eine aͤhnliche Art mißt
man die Geſchwindigkeit nur durch den Raum und
die Zeit aus, ohne auf andere Umſtaͤnde, z. E. auf
die Maſſe, Direction, Kraft ꝛc. Acht zu haben, weil
dieſe nicht nothwendig dazu erfordert werden.

§. 770.

Um aber zu dem erſt angefuͤhrten geometriſchen
Begriff von dem zuſammen- oder auf einander paſſen
der Figuren zuruͤck zu kehren, um denſelben naͤher zu
betrachten, ſo koͤnnen wir erſtlich anmerken, daß
man bey dieſem Zuſammenpaſſen eigentlich auf die
Enden oder den Umriß der Figur ſieht, weil dieſer
die Figur zur Figur machet, und weil, wenn die
Umriſſe zuſammen paſſen, auch nothwendig die Figu-
ren, ſofern ſie flach ſind zuſammen paſſen. Jn ſo
fern aber iſt der Satz unter dem viel allgemeinern
enthalten, den wir oben (§. 139.) vorgetragen haben.
Sodann koͤnnen wir das in dem §. 80. erwaͤhnte
ideale Herumtragen der Theile des Raumes dabey
mit vornehmen, als welches von dem phyſiſchen Her-
umtragen der Koͤrper verſchieden, und deswegen bloß
ideal iſt, weil es mit den Theilen des wirklichen
Raumes nicht angeht. Durch dieſes ideale Herum-
tragen aber legen wir in Gedanken jede Seiten und
Winkel der einen Figur auf die Seiten und Winkel
der andern, um uns dadurch zu verſichern, daß ſie
durchaus auf einander paſſen. Wollen wir demnach
bey ſolchen idealen Vorſtellungen bleiben, ſo laͤßt ſich
der Satz vom Zuſammenpaſſen weiter ausdehnen,
ungeachtet er in Abſicht auf den Raum immer eine

groͤßere
B b 4
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0399" n="391"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Der Maaß&#x017F;tab.</hi></fw><lb/>
oder auch der Weiße eines Ko&#x0364;rpers zu be&#x017F;timmen,<lb/>
i&#x017F;t es genug, daß man das auffallende Licht mit dem<lb/>
durchgehenden oder zuru&#x0364;ck geworfenen vergleicht, ohne<lb/>
dabey den Ab&#x017F;tand und die ab&#x017F;olute Helligkeit mit in<lb/>
Betrachtung zu ziehen, und auf eine a&#x0364;hnliche Art mißt<lb/>
man die Ge&#x017F;chwindigkeit nur durch den Raum und<lb/>
die Zeit aus, ohne auf andere Um&#x017F;ta&#x0364;nde, z. E. auf<lb/>
die Ma&#x017F;&#x017F;e, Direction, Kraft &#xA75B;c. Acht zu haben, weil<lb/>
die&#x017F;e nicht nothwendig dazu erfordert werden.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 770.</head><lb/>
            <p>Um aber zu dem er&#x017F;t angefu&#x0364;hrten geometri&#x017F;chen<lb/>
Begriff von dem zu&#x017F;ammen- oder auf einander pa&#x017F;&#x017F;en<lb/>
der Figuren zuru&#x0364;ck zu kehren, um den&#x017F;elben na&#x0364;her zu<lb/>
betrachten, &#x017F;o ko&#x0364;nnen wir er&#x017F;tlich anmerken, daß<lb/>
man bey die&#x017F;em Zu&#x017F;ammenpa&#x017F;&#x017F;en eigentlich auf die<lb/>
Enden oder den Umriß der Figur &#x017F;ieht, weil die&#x017F;er<lb/>
die Figur zur Figur machet, und weil, wenn die<lb/>
Umri&#x017F;&#x017F;e zu&#x017F;ammen pa&#x017F;&#x017F;en, auch nothwendig die Figu-<lb/>
ren, &#x017F;ofern &#x017F;ie flach &#x017F;ind zu&#x017F;ammen pa&#x017F;&#x017F;en. Jn &#x017F;o<lb/>
fern aber i&#x017F;t der Satz unter dem viel allgemeinern<lb/>
enthalten, den wir oben (§. 139.) vorgetragen haben.<lb/>
Sodann ko&#x0364;nnen wir das in dem §. 80. erwa&#x0364;hnte<lb/>
ideale Herumtragen der Theile des Raumes dabey<lb/>
mit vornehmen, als welches von dem phy&#x017F;i&#x017F;chen Her-<lb/>
umtragen der Ko&#x0364;rper ver&#x017F;chieden, und deswegen bloß<lb/>
ideal i&#x017F;t, weil es mit den Theilen des wirklichen<lb/>
Raumes nicht angeht. Durch die&#x017F;es ideale Herum-<lb/>
tragen aber legen wir in Gedanken jede Seiten und<lb/>
Winkel der einen Figur auf die Seiten und Winkel<lb/>
der andern, um uns dadurch zu ver&#x017F;ichern, daß &#x017F;ie<lb/>
durchaus auf einander pa&#x017F;&#x017F;en. Wollen wir demnach<lb/>
bey &#x017F;olchen idealen Vor&#x017F;tellungen bleiben, &#x017F;o la&#x0364;ßt &#x017F;ich<lb/>
der Satz vom Zu&#x017F;ammenpa&#x017F;&#x017F;en weiter ausdehnen,<lb/>
ungeachtet er in Ab&#x017F;icht auf den Raum immer eine<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">B b 4</fw><fw place="bottom" type="catch">gro&#x0364;ßere</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[391/0399] Der Maaßſtab. oder auch der Weiße eines Koͤrpers zu beſtimmen, iſt es genug, daß man das auffallende Licht mit dem durchgehenden oder zuruͤck geworfenen vergleicht, ohne dabey den Abſtand und die abſolute Helligkeit mit in Betrachtung zu ziehen, und auf eine aͤhnliche Art mißt man die Geſchwindigkeit nur durch den Raum und die Zeit aus, ohne auf andere Umſtaͤnde, z. E. auf die Maſſe, Direction, Kraft ꝛc. Acht zu haben, weil dieſe nicht nothwendig dazu erfordert werden. §. 770. Um aber zu dem erſt angefuͤhrten geometriſchen Begriff von dem zuſammen- oder auf einander paſſen der Figuren zuruͤck zu kehren, um denſelben naͤher zu betrachten, ſo koͤnnen wir erſtlich anmerken, daß man bey dieſem Zuſammenpaſſen eigentlich auf die Enden oder den Umriß der Figur ſieht, weil dieſer die Figur zur Figur machet, und weil, wenn die Umriſſe zuſammen paſſen, auch nothwendig die Figu- ren, ſofern ſie flach ſind zuſammen paſſen. Jn ſo fern aber iſt der Satz unter dem viel allgemeinern enthalten, den wir oben (§. 139.) vorgetragen haben. Sodann koͤnnen wir das in dem §. 80. erwaͤhnte ideale Herumtragen der Theile des Raumes dabey mit vornehmen, als welches von dem phyſiſchen Her- umtragen der Koͤrper verſchieden, und deswegen bloß ideal iſt, weil es mit den Theilen des wirklichen Raumes nicht angeht. Durch dieſes ideale Herum- tragen aber legen wir in Gedanken jede Seiten und Winkel der einen Figur auf die Seiten und Winkel der andern, um uns dadurch zu verſichern, daß ſie durchaus auf einander paſſen. Wollen wir demnach bey ſolchen idealen Vorſtellungen bleiben, ſo laͤßt ſich der Satz vom Zuſammenpaſſen weiter ausdehnen, ungeachtet er in Abſicht auf den Raum immer eine groͤßere B b 4

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/399
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771, S. 391. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/399>, abgerufen am 19.11.2019.