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Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771.

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XXVII. Hauptstück.
auch nicht ungleichartig seyn. Diese letzte Bedin-
gung kömmt nun bey dem Abzählen nur in so fern
vor, als sie den Unterschied zwischen der ersten und
zweyten der vorhin angeführten vier Classen aus-
macht, (§. 792. 793.). Und in dieser Absicht kann
das Abzählen, theils in seinen zweyerley Arten
(§. cit.), theils mit den Continuitäten unschicklich und
unrichtig vermenget werden. Denn wo das Un-
gleichartige nur durch feinere Unterschiede erkennet
werden kann, die nicht jedem sogleich in die Sinnen
fallen, oder nicht so leicht in Sinn kommen, da werden
die Dinge nicht nur bald vermenget, sondern auch
als nach einer und eben derselben Continuität fortge-
hend angesehen. So z. E. fällt von undurchsichtigen
Körpern Licht zurück, man kann dasselbe aber in Ab-
sicht auf die Berechnung nicht so ansehen, als wenn
es auf einerley Art zurücke fiel, sondern man muß
dabey das eigentlich reflectirte, von dem nach allen
Gegenden zerstreuten, und beydes von dem gefärb-
ten, welches nicht von der Fläche, sondern von den
unter derselben liegenden Theilchen zurücke fährt, un-
terscheiden, und noch das Absorbirte mitnehmen,
wenn man die ganze Summe des Auffallenden wie-
der herausbringen will. (Photometr. §. 622. seqq.).

§. 807.

Sodann können Continuitäten von ganz verschiede-
ner Art dergestalt an einander gränzen, daß sie dem
ersten Ansehen nach nur eine auszumachen scheinen,
ungeachtet jede ihre besondere Gesetze hat. So z. E. be-
schreibt man etwann vermittelst vier Cirkelbögen eine
Ovalfigur, oder vermittelst stufenweise größerer Cir-
kelbögen von 60, 90, 180 Graden eine Schnecken-
linie, wobey aber die wahre Continuität, wie sie z. E.

bey

XXVII. Hauptſtuͤck.
auch nicht ungleichartig ſeyn. Dieſe letzte Bedin-
gung koͤmmt nun bey dem Abzaͤhlen nur in ſo fern
vor, als ſie den Unterſchied zwiſchen der erſten und
zweyten der vorhin angefuͤhrten vier Claſſen aus-
macht, (§. 792. 793.). Und in dieſer Abſicht kann
das Abzaͤhlen, theils in ſeinen zweyerley Arten
(§. cit.), theils mit den Continuitaͤten unſchicklich und
unrichtig vermenget werden. Denn wo das Un-
gleichartige nur durch feinere Unterſchiede erkennet
werden kann, die nicht jedem ſogleich in die Sinnen
fallen, oder nicht ſo leicht in Sinn kommen, da werden
die Dinge nicht nur bald vermenget, ſondern auch
als nach einer und eben derſelben Continuitaͤt fortge-
hend angeſehen. So z. E. faͤllt von undurchſichtigen
Koͤrpern Licht zuruͤck, man kann daſſelbe aber in Ab-
ſicht auf die Berechnung nicht ſo anſehen, als wenn
es auf einerley Art zuruͤcke fiel, ſondern man muß
dabey das eigentlich reflectirte, von dem nach allen
Gegenden zerſtreuten, und beydes von dem gefaͤrb-
ten, welches nicht von der Flaͤche, ſondern von den
unter derſelben liegenden Theilchen zuruͤcke faͤhrt, un-
terſcheiden, und noch das Abſorbirte mitnehmen,
wenn man die ganze Summe des Auffallenden wie-
der herausbringen will. (Photometr. §. 622. ſeqq.).

§. 807.

Sodann koͤnnen Continuitaͤten von ganz verſchiede-
ner Art dergeſtalt an einander graͤnzen, daß ſie dem
erſten Anſehen nach nur eine auszumachen ſcheinen,
ungeachtet jede ihre beſondere Geſetze hat. So z. E. be-
ſchreibt man etwann vermittelſt vier Cirkelboͤgen eine
Ovalfigur, oder vermittelſt ſtufenweiſe groͤßerer Cir-
kelboͤgen von 60, 90, 180 Graden eine Schnecken-
linie, wobey aber die wahre Continuitaͤt, wie ſie z. E.

bey
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[432/0440] XXVII. Hauptſtuͤck. auch nicht ungleichartig ſeyn. Dieſe letzte Bedin- gung koͤmmt nun bey dem Abzaͤhlen nur in ſo fern vor, als ſie den Unterſchied zwiſchen der erſten und zweyten der vorhin angefuͤhrten vier Claſſen aus- macht, (§. 792. 793.). Und in dieſer Abſicht kann das Abzaͤhlen, theils in ſeinen zweyerley Arten (§. cit.), theils mit den Continuitaͤten unſchicklich und unrichtig vermenget werden. Denn wo das Un- gleichartige nur durch feinere Unterſchiede erkennet werden kann, die nicht jedem ſogleich in die Sinnen fallen, oder nicht ſo leicht in Sinn kommen, da werden die Dinge nicht nur bald vermenget, ſondern auch als nach einer und eben derſelben Continuitaͤt fortge- hend angeſehen. So z. E. faͤllt von undurchſichtigen Koͤrpern Licht zuruͤck, man kann daſſelbe aber in Ab- ſicht auf die Berechnung nicht ſo anſehen, als wenn es auf einerley Art zuruͤcke fiel, ſondern man muß dabey das eigentlich reflectirte, von dem nach allen Gegenden zerſtreuten, und beydes von dem gefaͤrb- ten, welches nicht von der Flaͤche, ſondern von den unter derſelben liegenden Theilchen zuruͤcke faͤhrt, un- terſcheiden, und noch das Abſorbirte mitnehmen, wenn man die ganze Summe des Auffallenden wie- der herausbringen will. (Photometr. §. 622. ſeqq.). §. 807. Sodann koͤnnen Continuitaͤten von ganz verſchiede- ner Art dergeſtalt an einander graͤnzen, daß ſie dem erſten Anſehen nach nur eine auszumachen ſcheinen, ungeachtet jede ihre beſondere Geſetze hat. So z. E. be- ſchreibt man etwann vermittelſt vier Cirkelboͤgen eine Ovalfigur, oder vermittelſt ſtufenweiſe groͤßerer Cir- kelboͤgen von 60, 90, 180 Graden eine Schnecken- linie, wobey aber die wahre Continuitaͤt, wie ſie z. E. bey

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Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771, S. 432. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/440>, abgerufen am 15.11.2019.