Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771.

Bild:
<< vorherige Seite
Dreyßigstes Hauptstück.
Die Schranken.
§. 850.

Sofern man bey dem im vorhergehenden Haupt-
stücke betrachteten Aufsuchen des Einförmigen
bey den Größen und ihren Veränderungen dieses gleich-
sam aus einer Menge kleinerer Anomalien heraus
zieht, werden dadurch allerdings allgemeinere und
einfachere Gesetze zur Bestimmung solcher Größen ge-
funden, und dieses giebt, wie wir erst angemerket
haben (§. 849.), die Anlage zu der Theorie dersel-
ben. Es ist aber auch nur die erste Anlage dazu,
und wenn sie nicht weiter getrieben wird, so giebt sie
auch nur das Allgemeine der Sache, und die Größe
derselben in jedem besondern Fall auch nur beyläufig
an, weil man noch der Anomalien Rechnung tragen
muß, und so lange diese nicht ebenfalls auf eine The-
orie gebracht sind, so lange kann man auch in jedem
besondern Fall nicht wissen, welche davon statt findet,
wie groß sie ist, und wie viel folglich die nach dem
einförmigen Gesetze allein heraus gebrachte Berech-
nung von der Erfahrung abweichet.

§. 851.

Dieses ist nun auch dermalen noch der Fall, in
welchem sich die angewandte Mathematic durchaus
befindet. Alle Theorien in derselben gründen sich
schlechthin nur auf solche einfachere und allgemeinere
Einförmigkeiten, und man hat sich noch immer da-

mit
Dreyßigſtes Hauptſtuͤck.
Die Schranken.
§. 850.

Sofern man bey dem im vorhergehenden Haupt-
ſtuͤcke betrachteten Aufſuchen des Einfoͤrmigen
bey den Groͤßen und ihren Veraͤnderungen dieſes gleich-
ſam aus einer Menge kleinerer Anomalien heraus
zieht, werden dadurch allerdings allgemeinere und
einfachere Geſetze zur Beſtimmung ſolcher Groͤßen ge-
funden, und dieſes giebt, wie wir erſt angemerket
haben (§. 849.), die Anlage zu der Theorie derſel-
ben. Es iſt aber auch nur die erſte Anlage dazu,
und wenn ſie nicht weiter getrieben wird, ſo giebt ſie
auch nur das Allgemeine der Sache, und die Groͤße
derſelben in jedem beſondern Fall auch nur beylaͤufig
an, weil man noch der Anomalien Rechnung tragen
muß, und ſo lange dieſe nicht ebenfalls auf eine The-
orie gebracht ſind, ſo lange kann man auch in jedem
beſondern Fall nicht wiſſen, welche davon ſtatt findet,
wie groß ſie iſt, und wie viel folglich die nach dem
einfoͤrmigen Geſetze allein heraus gebrachte Berech-
nung von der Erfahrung abweichet.

§. 851.

Dieſes iſt nun auch dermalen noch der Fall, in
welchem ſich die angewandte Mathematic durchaus
befindet. Alle Theorien in derſelben gruͤnden ſich
ſchlechthin nur auf ſolche einfachere und allgemeinere
Einfoͤrmigkeiten, und man hat ſich noch immer da-

mit
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0485" n="477"/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Dreyßig&#x017F;tes Haupt&#x017F;tu&#x0364;ck.<lb/><hi rendition="#g">Die Schranken</hi>.</hi> </head><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 850.</head><lb/>
            <p><hi rendition="#in">S</hi>ofern man bey dem im vorhergehenden Haupt-<lb/>
&#x017F;tu&#x0364;cke betrachteten Auf&#x017F;uchen des Einfo&#x0364;rmigen<lb/>
bey den Gro&#x0364;ßen und ihren Vera&#x0364;nderungen die&#x017F;es gleich-<lb/>
&#x017F;am aus einer Menge kleinerer Anomalien heraus<lb/>
zieht, werden dadurch allerdings allgemeinere und<lb/>
einfachere Ge&#x017F;etze zur Be&#x017F;timmung &#x017F;olcher Gro&#x0364;ßen ge-<lb/>
funden, und die&#x017F;es giebt, wie wir er&#x017F;t angemerket<lb/>
haben (§. 849.), die Anlage zu der Theorie der&#x017F;el-<lb/>
ben. Es i&#x017F;t aber auch nur die er&#x017F;te Anlage dazu,<lb/>
und wenn &#x017F;ie nicht weiter getrieben wird, &#x017F;o giebt &#x017F;ie<lb/>
auch nur das Allgemeine der Sache, und die Gro&#x0364;ße<lb/>
der&#x017F;elben in jedem be&#x017F;ondern Fall auch nur beyla&#x0364;ufig<lb/>
an, weil man noch der Anomalien Rechnung tragen<lb/>
muß, und &#x017F;o lange die&#x017F;e nicht ebenfalls auf eine The-<lb/>
orie gebracht &#x017F;ind, &#x017F;o lange kann man auch in jedem<lb/>
be&#x017F;ondern Fall nicht wi&#x017F;&#x017F;en, welche davon &#x017F;tatt findet,<lb/>
wie groß &#x017F;ie i&#x017F;t, und wie viel folglich die nach dem<lb/>
einfo&#x0364;rmigen Ge&#x017F;etze allein heraus gebrachte Berech-<lb/>
nung von der Erfahrung abweichet.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 851.</head><lb/>
            <p>Die&#x017F;es i&#x017F;t nun auch dermalen noch der Fall, in<lb/>
welchem &#x017F;ich die angewandte Mathematic durchaus<lb/>
befindet. Alle Theorien in der&#x017F;elben gru&#x0364;nden &#x017F;ich<lb/>
&#x017F;chlechthin nur auf &#x017F;olche einfachere und allgemeinere<lb/>
Einfo&#x0364;rmigkeiten, und man hat &#x017F;ich noch immer da-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">mit</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[477/0485] Dreyßigſtes Hauptſtuͤck. Die Schranken. §. 850. Sofern man bey dem im vorhergehenden Haupt- ſtuͤcke betrachteten Aufſuchen des Einfoͤrmigen bey den Groͤßen und ihren Veraͤnderungen dieſes gleich- ſam aus einer Menge kleinerer Anomalien heraus zieht, werden dadurch allerdings allgemeinere und einfachere Geſetze zur Beſtimmung ſolcher Groͤßen ge- funden, und dieſes giebt, wie wir erſt angemerket haben (§. 849.), die Anlage zu der Theorie derſel- ben. Es iſt aber auch nur die erſte Anlage dazu, und wenn ſie nicht weiter getrieben wird, ſo giebt ſie auch nur das Allgemeine der Sache, und die Groͤße derſelben in jedem beſondern Fall auch nur beylaͤufig an, weil man noch der Anomalien Rechnung tragen muß, und ſo lange dieſe nicht ebenfalls auf eine The- orie gebracht ſind, ſo lange kann man auch in jedem beſondern Fall nicht wiſſen, welche davon ſtatt findet, wie groß ſie iſt, und wie viel folglich die nach dem einfoͤrmigen Geſetze allein heraus gebrachte Berech- nung von der Erfahrung abweichet. §. 851. Dieſes iſt nun auch dermalen noch der Fall, in welchem ſich die angewandte Mathematic durchaus befindet. Alle Theorien in derſelben gruͤnden ſich ſchlechthin nur auf ſolche einfachere und allgemeinere Einfoͤrmigkeiten, und man hat ſich noch immer da- mit

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/485
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771, S. 477. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/485>, abgerufen am 18.10.2019.