Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771.

Bild:
<< vorherige Seite

XXXIII. Hauptstück.
Umstandes Ungereimtheiten von erheblichen Folgen
nach sich ziehen kann. Wir werden um mehrerer Er-
läuterung wegen einige Hauptclassen solcher Reihen,
theils in Beyspielen, so in der Natur sind, vorle-
gen, theils auch sie mit bloß Mathematischen ver-
gleichen, ohne noch ihre Endlichkeit oder Unendlichkeit
mit in Betrachtung zu ziehen.

§. 917.

Jn die erste Classe rechnen wir überhaupt die peri-
odischen Reihen,
das will sagen, solche Verände-
rungen, die nach gesetzter Zeit in eben der Ordnung
wiederkehren. Solche finden sich nun mehr am Him-
mel als auf der Erde, und auch die meisten von de-
nen, so auf der Erde vorkommen, hängen von dem
Umlaufe der Sonne oder der Erde und des Mondes
ab. Unter diesen Reihen kommen auch solche vor,
die von mehrern Perioden zugleich abhängen, und
daher eine zusammengesetzte Periode haben, welche
an sich desto mehr ungleich ist, je mehr die einfachen
Perioden, aus denen sie besteht, einander incommen-
surabel sind. Da nun in der wirklichen Welt alles
viel zu sehr durchflochten ist, als daß runde Zahlen
darinn vorkommen, oder wenn sie vorkommen, blei-
ben sollten, so hat keine Periode eine unveränderliche
Größe, und wir haben oben (§. 131.) schon aus diesem
Grunde angemerkt, daß ein absoluter Progressus re-
rum circularis
und damit die Platonische Apocatasta-
sis aus der Welt schlechthin wegbleibe. Was demnach
immer von periodischen Reihen in der Welt kann ge-
sagt werden, muß ohne Nachtheil des Satzes gesche-
hen, daß man sie nicht nach mathematischer Schärfe
nehmen könne.

§. 918.

XXXIII. Hauptſtuͤck.
Umſtandes Ungereimtheiten von erheblichen Folgen
nach ſich ziehen kann. Wir werden um mehrerer Er-
laͤuterung wegen einige Hauptclaſſen ſolcher Reihen,
theils in Beyſpielen, ſo in der Natur ſind, vorle-
gen, theils auch ſie mit bloß Mathematiſchen ver-
gleichen, ohne noch ihre Endlichkeit oder Unendlichkeit
mit in Betrachtung zu ziehen.

§. 917.

Jn die erſte Claſſe rechnen wir uͤberhaupt die peri-
odiſchen Reihen,
das will ſagen, ſolche Veraͤnde-
rungen, die nach geſetzter Zeit in eben der Ordnung
wiederkehren. Solche finden ſich nun mehr am Him-
mel als auf der Erde, und auch die meiſten von de-
nen, ſo auf der Erde vorkommen, haͤngen von dem
Umlaufe der Sonne oder der Erde und des Mondes
ab. Unter dieſen Reihen kommen auch ſolche vor,
die von mehrern Perioden zugleich abhaͤngen, und
daher eine zuſammengeſetzte Periode haben, welche
an ſich deſto mehr ungleich iſt, je mehr die einfachen
Perioden, aus denen ſie beſteht, einander incommen-
ſurabel ſind. Da nun in der wirklichen Welt alles
viel zu ſehr durchflochten iſt, als daß runde Zahlen
darinn vorkommen, oder wenn ſie vorkommen, blei-
ben ſollten, ſo hat keine Periode eine unveraͤnderliche
Groͤße, und wir haben oben (§. 131.) ſchon aus dieſem
Grunde angemerkt, daß ein abſoluter Progreſſus re-
rum circularis
und damit die Platoniſche Apocataſta-
ſis aus der Welt ſchlechthin wegbleibe. Was demnach
immer von periodiſchen Reihen in der Welt kann ge-
ſagt werden, muß ohne Nachtheil des Satzes geſche-
hen, daß man ſie nicht nach mathematiſcher Schaͤrfe
nehmen koͤnne.

§. 918.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0564" n="556"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">XXXIII.</hi> Haupt&#x017F;tu&#x0364;ck.</hi></fw><lb/>
Um&#x017F;tandes Ungereimtheiten von erheblichen Folgen<lb/>
nach &#x017F;ich ziehen kann. Wir werden um mehrerer Er-<lb/>
la&#x0364;uterung wegen einige Hauptcla&#x017F;&#x017F;en &#x017F;olcher Reihen,<lb/>
theils in Bey&#x017F;pielen, &#x017F;o in der Natur &#x017F;ind, vorle-<lb/>
gen, theils auch &#x017F;ie mit bloß Mathemati&#x017F;chen ver-<lb/>
gleichen, ohne noch ihre Endlichkeit oder Unendlichkeit<lb/>
mit in Betrachtung zu ziehen.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 917.</head><lb/>
            <p>Jn die er&#x017F;te Cla&#x017F;&#x017F;e rechnen wir u&#x0364;berhaupt die <hi rendition="#fr">peri-<lb/>
odi&#x017F;chen Reihen,</hi> das will &#x017F;agen, &#x017F;olche Vera&#x0364;nde-<lb/>
rungen, die nach ge&#x017F;etzter Zeit in eben der Ordnung<lb/>
wiederkehren. Solche finden &#x017F;ich nun mehr am Him-<lb/>
mel als auf der Erde, und auch die mei&#x017F;ten von de-<lb/>
nen, &#x017F;o auf der Erde vorkommen, ha&#x0364;ngen von dem<lb/>
Umlaufe der Sonne oder der Erde und des Mondes<lb/>
ab. Unter die&#x017F;en Reihen kommen auch &#x017F;olche vor,<lb/>
die von mehrern Perioden zugleich abha&#x0364;ngen, und<lb/>
daher eine zu&#x017F;ammenge&#x017F;etzte Periode haben, welche<lb/>
an &#x017F;ich de&#x017F;to mehr ungleich i&#x017F;t, je mehr die einfachen<lb/>
Perioden, aus denen &#x017F;ie be&#x017F;teht, einander incommen-<lb/>
&#x017F;urabel &#x017F;ind. Da nun in der wirklichen Welt alles<lb/>
viel zu &#x017F;ehr durchflochten i&#x017F;t, als daß runde Zahlen<lb/>
darinn vorkommen, oder wenn &#x017F;ie vorkommen, blei-<lb/>
ben &#x017F;ollten, &#x017F;o hat keine Periode eine unvera&#x0364;nderliche<lb/>
Gro&#x0364;ße, und wir haben oben (§. 131.) &#x017F;chon aus die&#x017F;em<lb/>
Grunde angemerkt, daß ein ab&#x017F;oluter <hi rendition="#aq">Progre&#x017F;&#x017F;us re-<lb/>
rum circularis</hi> und damit die Platoni&#x017F;che Apocata&#x017F;ta-<lb/>
&#x017F;is aus der Welt &#x017F;chlechthin wegbleibe. Was demnach<lb/>
immer von periodi&#x017F;chen Reihen in der Welt kann ge-<lb/>
&#x017F;agt werden, muß ohne Nachtheil des Satzes ge&#x017F;che-<lb/>
hen, daß man &#x017F;ie nicht nach mathemati&#x017F;cher Scha&#x0364;rfe<lb/>
nehmen ko&#x0364;nne.</p>
          </div><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">§. 918.</fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[556/0564] XXXIII. Hauptſtuͤck. Umſtandes Ungereimtheiten von erheblichen Folgen nach ſich ziehen kann. Wir werden um mehrerer Er- laͤuterung wegen einige Hauptclaſſen ſolcher Reihen, theils in Beyſpielen, ſo in der Natur ſind, vorle- gen, theils auch ſie mit bloß Mathematiſchen ver- gleichen, ohne noch ihre Endlichkeit oder Unendlichkeit mit in Betrachtung zu ziehen. §. 917. Jn die erſte Claſſe rechnen wir uͤberhaupt die peri- odiſchen Reihen, das will ſagen, ſolche Veraͤnde- rungen, die nach geſetzter Zeit in eben der Ordnung wiederkehren. Solche finden ſich nun mehr am Him- mel als auf der Erde, und auch die meiſten von de- nen, ſo auf der Erde vorkommen, haͤngen von dem Umlaufe der Sonne oder der Erde und des Mondes ab. Unter dieſen Reihen kommen auch ſolche vor, die von mehrern Perioden zugleich abhaͤngen, und daher eine zuſammengeſetzte Periode haben, welche an ſich deſto mehr ungleich iſt, je mehr die einfachen Perioden, aus denen ſie beſteht, einander incommen- ſurabel ſind. Da nun in der wirklichen Welt alles viel zu ſehr durchflochten iſt, als daß runde Zahlen darinn vorkommen, oder wenn ſie vorkommen, blei- ben ſollten, ſo hat keine Periode eine unveraͤnderliche Groͤße, und wir haben oben (§. 131.) ſchon aus dieſem Grunde angemerkt, daß ein abſoluter Progreſſus re- rum circularis und damit die Platoniſche Apocataſta- ſis aus der Welt ſchlechthin wegbleibe. Was demnach immer von periodiſchen Reihen in der Welt kann ge- ſagt werden, muß ohne Nachtheil des Satzes geſche- hen, daß man ſie nicht nach mathematiſcher Schaͤrfe nehmen koͤnne. §. 918.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/564
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771, S. 556. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/564>, abgerufen am 23.10.2019.