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Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771.

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XIV. Hauptstück.
in mehrern Dingen vorkommen können, so kann man
von diesen das bekanntere zur Erklärung und kürzern
Vorstellung der übrigen gebrauchen. Das oben
(§. 364.) über den Ausdruck an-
gemerkte mag auch hier als Beyspiel dienen.

§. 453.

Man setze nun zwey Dinge A, B, die aus un-
gleichartigen Theilen bestehen. A sey = a + a, und
B = b + b, so daß die Verhältnisse (a : b) und
(a : b) wirklich einfach, aber nicht von gleicher Art
seyn. Macht man nun a = mb, und a = nb, so hat
man A : B = (mb + nb) : (b + b). Diese Ana-
logie giebt nun allerdings an, wie man A durch B
finden könne. Denn B wird in die zween Theile b, b
zerfällt, und durch die Zusetzung der Bestimmungen
m, n, erhält man A = mb + nb. Da aber die
symbolische Möglichkeit sich viel weiter als die wahre
erstrecket (§. 288. 295.), so bindet man sich in
der Sprache auch nicht genau an eine so sorg-
fältige Zergliederung, sondern drücket die Ver-
hältniß
A : B durch ein einiges Wort M aus,
und dieses geschieht fast nothwendig, wenn man die
Vermischung der einfachen Verhältnisse m, n und
Theile b, b nicht unterscheiden kann, und noch leich-
ter geschieht es, wenn nur m und b in die Augen
fällt, oder der äußerliche Schein die Theile confun-
dirt, so daß man sie, wie bey den weißen Lichtstralen,
die Farbichten, daraus sie zusammengesetzt sind, ohne
besondere Aufmerksamkeit und Kunstgriffe nicht un-
terscheiden kann.

§. 454.

Soll nun in dem erst angeführten Falle, das
Wort
M, welches die Verhältniß A : B vor-

stellet,

XIV. Hauptſtuͤck.
in mehrern Dingen vorkommen koͤnnen, ſo kann man
von dieſen das bekanntere zur Erklaͤrung und kuͤrzern
Vorſtellung der uͤbrigen gebrauchen. Das oben
(§. 364.) uͤber den Ausdruck an-
gemerkte mag auch hier als Beyſpiel dienen.

§. 453.

Man ſetze nun zwey Dinge A, B, die aus un-
gleichartigen Theilen beſtehen. A ſey = a + α, und
B = b + β, ſo daß die Verhaͤltniſſe (a : b) und
(α : β) wirklich einfach, aber nicht von gleicher Art
ſeyn. Macht man nun a = mb, und α = nβ, ſo hat
man A : B = (mb + nβ) : (b + β). Dieſe Ana-
logie giebt nun allerdings an, wie man A durch B
finden koͤnne. Denn B wird in die zween Theile b, β
zerfaͤllt, und durch die Zuſetzung der Beſtimmungen
m, n, erhaͤlt man A = mb + nβ. Da aber die
ſymboliſche Moͤglichkeit ſich viel weiter als die wahre
erſtrecket (§. 288. 295.), ſo bindet man ſich in
der Sprache auch nicht genau an eine ſo ſorg-
faͤltige Zergliederung, ſondern druͤcket die Ver-
haͤltniß
A : B durch ein einiges Wort M aus,
und dieſes geſchieht faſt nothwendig, wenn man die
Vermiſchung der einfachen Verhaͤltniſſe m, n und
Theile b, β nicht unterſcheiden kann, und noch leich-
ter geſchieht es, wenn nur m und b in die Augen
faͤllt, oder der aͤußerliche Schein die Theile confun-
dirt, ſo daß man ſie, wie bey den weißen Lichtſtralen,
die Farbichten, daraus ſie zuſammengeſetzt ſind, ohne
beſondere Aufmerkſamkeit und Kunſtgriffe nicht un-
terſcheiden kann.

§. 454.

Soll nun in dem erſt angefuͤhrten Falle, das
Wort
M, welches die Verhaͤltniß A : B vor-

ſtellet,
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[74/0082] XIV. Hauptſtuͤck. in mehrern Dingen vorkommen koͤnnen, ſo kann man von dieſen das bekanntere zur Erklaͤrung und kuͤrzern Vorſtellung der uͤbrigen gebrauchen. Das oben (§. 364.) uͤber den Ausdruck [FORMEL]an- gemerkte mag auch hier als Beyſpiel dienen. §. 453. Man ſetze nun zwey Dinge A, B, die aus un- gleichartigen Theilen beſtehen. A ſey = a + α, und B = b + β, ſo daß die Verhaͤltniſſe (a : b) und (α : β) wirklich einfach, aber nicht von gleicher Art ſeyn. Macht man nun a = mb, und α = nβ, ſo hat man A : B = (mb + nβ) : (b + β). Dieſe Ana- logie giebt nun allerdings an, wie man A durch B finden koͤnne. Denn B wird in die zween Theile b, β zerfaͤllt, und durch die Zuſetzung der Beſtimmungen m, n, erhaͤlt man A = mb + nβ. Da aber die ſymboliſche Moͤglichkeit ſich viel weiter als die wahre erſtrecket (§. 288. 295.), ſo bindet man ſich in der Sprache auch nicht genau an eine ſo ſorg- faͤltige Zergliederung, ſondern druͤcket die Ver- haͤltniß A : B durch ein einiges Wort M aus, und dieſes geſchieht faſt nothwendig, wenn man die Vermiſchung der einfachen Verhaͤltniſſe m, n und Theile b, β nicht unterſcheiden kann, und noch leich- ter geſchieht es, wenn nur m und b in die Augen faͤllt, oder der aͤußerliche Schein die Theile confun- dirt, ſo daß man ſie, wie bey den weißen Lichtſtralen, die Farbichten, daraus ſie zuſammengeſetzt ſind, ohne beſondere Aufmerkſamkeit und Kunſtgriffe nicht un- terſcheiden kann. §. 454. Soll nun in dem erſt angefuͤhrten Falle, das Wort M, welches die Verhaͤltniß A : B vor- ſtellet,

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Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771, S. 74. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/82>, abgerufen am 20.10.2019.