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Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771.

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XIV. Hauptstück.
zeiget er dem Philosophen näher an, wie seine Theorie
von der Ursache der Schwere aussehen soll, weil er
ihm Sätze angiebt, die daraus folgen müssen, wenn
sie richtig seyn soll. Die Keplerschen Gesetze von
der Bewegung der Planeten sind auf eben die Art
der Probierstein der Theorien gewesen, die man bisher
ausgedacht hat, den Mechanismus dabey zu erklären.

§. 456.

Die erst betrachtete Möglichkeit, Begriffe
zu benennen, in welchen die Theile und ihre
Bestimmungen vermengt sind, dehnt die darinn
liegende Verwirrung ebenfalls auf die Sätze
aus.
Denn so wird man in dem vorhin (§. 453. seqq.)
angeführten Falle, aus A : B = M, leicht A = MB
machen, und daher die beyden Sätze folgern: A ist B,
und A ist M. Jn dem ersten dieser Sätze wird das
Prädicat B, in dem andern aber das Prädicat M,
gleichförmig auf das ganze Subject A ausgedehnt
(§. 242.), da doch eigentlich nur a = mb, und a = nb
ist, und weder nb von a, noch nb von a bejaht wer-
den kann. Es gebraucht auch öfters ein feineres Ge-
fühl (Dianoiol. §. 620. seqq.), um solche Dissonanzen
genau zu empfinden, und von dem Richtigen und mit
der Wahrheit Harmonirenden (Alethiol. §. 179. seqq.)
zu trennen. Denn wenn man solche Sätze in das
Reine bringen will, so kann man sie nicht, so wie sie
sind, beybehalten, sondern man muß mehrere ein-
zelne daraus machen, und sie stückweise vortragen,
(§. 242. N°. 4.).

§. 457.

Es zieht aber die Bedingung, daß das Prädicat
sich gleichförmig auf das ganze Subject ausbreiten

müsse,

XIV. Hauptſtuͤck.
zeiget er dem Philoſophen naͤher an, wie ſeine Theorie
von der Urſache der Schwere ausſehen ſoll, weil er
ihm Saͤtze angiebt, die daraus folgen muͤſſen, wenn
ſie richtig ſeyn ſoll. Die Keplerſchen Geſetze von
der Bewegung der Planeten ſind auf eben die Art
der Probierſtein der Theorien geweſen, die man bisher
ausgedacht hat, den Mechaniſmus dabey zu erklaͤren.

§. 456.

Die erſt betrachtete Moͤglichkeit, Begriffe
zu benennen, in welchen die Theile und ihre
Beſtimmungen vermengt ſind, dehnt die darinn
liegende Verwirrung ebenfalls auf die Saͤtze
aus.
Denn ſo wird man in dem vorhin (§. 453. ſeqq.)
angefuͤhrten Falle, aus A : B = M, leicht A = MB
machen, und daher die beyden Saͤtze folgern: A iſt B,
und A iſt M. Jn dem erſten dieſer Saͤtze wird das
Praͤdicat B, in dem andern aber das Praͤdicat M,
gleichfoͤrmig auf das ganze Subject A ausgedehnt
(§. 242.), da doch eigentlich nur a = mb, und α = nβ
iſt, und weder von a, noch nb von α bejaht wer-
den kann. Es gebraucht auch oͤfters ein feineres Ge-
fuͤhl (Dianoiol. §. 620. ſeqq.), um ſolche Diſſonanzen
genau zu empfinden, und von dem Richtigen und mit
der Wahrheit Harmonirenden (Alethiol. §. 179. ſeqq.)
zu trennen. Denn wenn man ſolche Saͤtze in das
Reine bringen will, ſo kann man ſie nicht, ſo wie ſie
ſind, beybehalten, ſondern man muß mehrere ein-
zelne daraus machen, und ſie ſtuͤckweiſe vortragen,
(§. 242. N°. 4.).

§. 457.

Es zieht aber die Bedingung, daß das Praͤdicat
ſich gleichfoͤrmig auf das ganze Subject ausbreiten

muͤſſe,
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[78/0086] XIV. Hauptſtuͤck. zeiget er dem Philoſophen naͤher an, wie ſeine Theorie von der Urſache der Schwere ausſehen ſoll, weil er ihm Saͤtze angiebt, die daraus folgen muͤſſen, wenn ſie richtig ſeyn ſoll. Die Keplerſchen Geſetze von der Bewegung der Planeten ſind auf eben die Art der Probierſtein der Theorien geweſen, die man bisher ausgedacht hat, den Mechaniſmus dabey zu erklaͤren. §. 456. Die erſt betrachtete Moͤglichkeit, Begriffe zu benennen, in welchen die Theile und ihre Beſtimmungen vermengt ſind, dehnt die darinn liegende Verwirrung ebenfalls auf die Saͤtze aus. Denn ſo wird man in dem vorhin (§. 453. ſeqq.) angefuͤhrten Falle, aus A : B = M, leicht A = MB machen, und daher die beyden Saͤtze folgern: A iſt B, und A iſt M. Jn dem erſten dieſer Saͤtze wird das Praͤdicat B, in dem andern aber das Praͤdicat M, gleichfoͤrmig auf das ganze Subject A ausgedehnt (§. 242.), da doch eigentlich nur a = mb, und α = nβ iſt, und weder nβ von a, noch nb von α bejaht wer- den kann. Es gebraucht auch oͤfters ein feineres Ge- fuͤhl (Dianoiol. §. 620. ſeqq.), um ſolche Diſſonanzen genau zu empfinden, und von dem Richtigen und mit der Wahrheit Harmonirenden (Alethiol. §. 179. ſeqq.) zu trennen. Denn wenn man ſolche Saͤtze in das Reine bringen will, ſo kann man ſie nicht, ſo wie ſie ſind, beybehalten, ſondern man muß mehrere ein- zelne daraus machen, und ſie ſtuͤckweiſe vortragen, (§. 242. N°. 4.). §. 457. Es zieht aber die Bedingung, daß das Praͤdicat ſich gleichfoͤrmig auf das ganze Subject ausbreiten muͤſſe,

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Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Anlage zur Architectonic. Bd. 2. Riga, 1771, S. 78. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_architectonic02_1771/86>, abgerufen am 15.11.2019.