Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Cosmologische Briefe über die Einrichtung des Weltbaues. Augsburg, 1761.

Bild:
<< vorherige Seite
Cosmologische Briefe
Dreyzehnter Brief.

Wie angenehm würde es mir seyn, wenn ich Ih-
nen, mein Herr, Anlaß geben könnte, Ihre
Betrachtungen über den Grundriß der Welt

zu aller Vollständigkeit zu bringen. Ich hoffe, Sie
werden aus allen meinen Schreiben sehen, daß diese
Sache mich immer mehr aufmerksam macht, und zu
einem ernstlichen Nachdenken verleitet. Ich empfinde
alles Vergnügen bey der Betrachtung des gestirnten
Himmels, welches Sie mir so lebhaft schildern, und
wünschte nun, daß ich früher angefangen hätte, diese
prächtige Schaubühne mit astronomischen Augen anzu-
sehen. Allein desto eifriger werde ich diese Versäum-
nis einholen, und mich wenigstens in Stand zu setzen
suchen, Ihnen geschickte Fragen vorzulegen. Denn
diese Fragen beunruhigen mich nun nicht mehr, weil ich
wohl einsehe, daß sie nicht so fürchterlich sind, als die,
so man über die Wirkungen der Cometen, mehr für
die lange Weile, als aus erträglichen Gründen ge-
macht hatte.

Sie haben mich, mein Herr, durch die Beschrei-
bung, wie Sie zu Ihrem Lehrgebäude gekommen, sehr
verpflichtet. So sehr Sie Ihre ersten Einfälle hier-
über als ein Cahos ansehen wollen, so muß ich Ihnen
doch sagen, daß sie sehr natürlich waren, und ich finde
nichts darinn, welches von Ihren übrigen glücklichen
Einfällen unterschieden wäre. Ich weiß, daß Sie

doch
Coſmologiſche Briefe
Dreyzehnter Brief.

Wie angenehm wuͤrde es mir ſeyn, wenn ich Ih-
nen, mein Herr, Anlaß geben koͤnnte, Ihre
Betrachtungen uͤber den Grundriß der Welt

zu aller Vollſtaͤndigkeit zu bringen. Ich hoffe, Sie
werden aus allen meinen Schreiben ſehen, daß dieſe
Sache mich immer mehr aufmerkſam macht, und zu
einem ernſtlichen Nachdenken verleitet. Ich empfinde
alles Vergnuͤgen bey der Betrachtung des geſtirnten
Himmels, welches Sie mir ſo lebhaft ſchildern, und
wuͤnſchte nun, daß ich fruͤher angefangen haͤtte, dieſe
praͤchtige Schaubuͤhne mit aſtronomiſchen Augen anzu-
ſehen. Allein deſto eifriger werde ich dieſe Verſaͤum-
nis einholen, und mich wenigſtens in Stand zu ſetzen
ſuchen, Ihnen geſchickte Fragen vorzulegen. Denn
dieſe Fragen beunruhigen mich nun nicht mehr, weil ich
wohl einſehe, daß ſie nicht ſo fuͤrchterlich ſind, als die,
ſo man uͤber die Wirkungen der Cometen, mehr fuͤr
die lange Weile, als aus ertraͤglichen Gruͤnden ge-
macht hatte.

Sie haben mich, mein Herr, durch die Beſchrei-
bung, wie Sie zu Ihrem Lehrgebaͤude gekommen, ſehr
verpflichtet. So ſehr Sie Ihre erſten Einfaͤlle hier-
uͤber als ein Cahos anſehen wollen, ſo muß ich Ihnen
doch ſagen, daß ſie ſehr natuͤrlich waren, und ich finde
nichts darinn, welches von Ihren uͤbrigen gluͤcklichen
Einfaͤllen unterſchieden waͤre. Ich weiß, daß Sie

doch
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0197" n="164"/>
        <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Co&#x017F;mologi&#x017F;che Briefe</hi> </fw><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Dreyzehnter Brief.</hi> </head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">W</hi>ie angenehm wu&#x0364;rde es mir &#x017F;eyn, wenn ich Ih-<lb/><hi rendition="#et">nen, mein Herr, Anlaß geben ko&#x0364;nnte, Ihre<lb/>
Betrachtungen u&#x0364;ber den Grundriß der Welt</hi><lb/>
zu aller Voll&#x017F;ta&#x0364;ndigkeit zu bringen. Ich hoffe, Sie<lb/>
werden aus allen meinen Schreiben &#x017F;ehen, daß die&#x017F;e<lb/>
Sache mich immer mehr aufmerk&#x017F;am macht, und zu<lb/>
einem ern&#x017F;tlichen Nachdenken verleitet. Ich empfinde<lb/>
alles Vergnu&#x0364;gen bey der Betrachtung des ge&#x017F;tirnten<lb/>
Himmels, welches Sie mir &#x017F;o lebhaft &#x017F;childern, und<lb/>
wu&#x0364;n&#x017F;chte nun, daß ich fru&#x0364;her angefangen ha&#x0364;tte, die&#x017F;e<lb/>
pra&#x0364;chtige Schaubu&#x0364;hne mit a&#x017F;tronomi&#x017F;chen Augen anzu-<lb/>
&#x017F;ehen. Allein de&#x017F;to eifriger werde ich die&#x017F;e Ver&#x017F;a&#x0364;um-<lb/>
nis einholen, und mich wenig&#x017F;tens in Stand zu &#x017F;etzen<lb/>
&#x017F;uchen, Ihnen ge&#x017F;chickte Fragen vorzulegen. Denn<lb/>
die&#x017F;e Fragen beunruhigen mich nun nicht mehr, weil ich<lb/>
wohl ein&#x017F;ehe, daß &#x017F;ie nicht &#x017F;o fu&#x0364;rchterlich &#x017F;ind, als die,<lb/>
&#x017F;o man u&#x0364;ber die Wirkungen der Cometen, mehr fu&#x0364;r<lb/>
die lange Weile, als aus ertra&#x0364;glichen Gru&#x0364;nden ge-<lb/>
macht hatte.</p><lb/>
          <p>Sie haben mich, mein Herr, durch die Be&#x017F;chrei-<lb/>
bung, wie Sie zu Ihrem Lehrgeba&#x0364;ude gekommen, &#x017F;ehr<lb/>
verpflichtet. So &#x017F;ehr Sie Ihre er&#x017F;ten Einfa&#x0364;lle hier-<lb/>
u&#x0364;ber als ein <hi rendition="#aq">Cahos</hi> an&#x017F;ehen wollen, &#x017F;o muß ich Ihnen<lb/>
doch &#x017F;agen, daß &#x017F;ie &#x017F;ehr natu&#x0364;rlich waren, und ich finde<lb/>
nichts darinn, welches von Ihren u&#x0364;brigen glu&#x0364;cklichen<lb/>
Einfa&#x0364;llen unter&#x017F;chieden wa&#x0364;re. Ich weiß, daß Sie<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">doch</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[164/0197] Coſmologiſche Briefe Dreyzehnter Brief. Wie angenehm wuͤrde es mir ſeyn, wenn ich Ih- nen, mein Herr, Anlaß geben koͤnnte, Ihre Betrachtungen uͤber den Grundriß der Welt zu aller Vollſtaͤndigkeit zu bringen. Ich hoffe, Sie werden aus allen meinen Schreiben ſehen, daß dieſe Sache mich immer mehr aufmerkſam macht, und zu einem ernſtlichen Nachdenken verleitet. Ich empfinde alles Vergnuͤgen bey der Betrachtung des geſtirnten Himmels, welches Sie mir ſo lebhaft ſchildern, und wuͤnſchte nun, daß ich fruͤher angefangen haͤtte, dieſe praͤchtige Schaubuͤhne mit aſtronomiſchen Augen anzu- ſehen. Allein deſto eifriger werde ich dieſe Verſaͤum- nis einholen, und mich wenigſtens in Stand zu ſetzen ſuchen, Ihnen geſchickte Fragen vorzulegen. Denn dieſe Fragen beunruhigen mich nun nicht mehr, weil ich wohl einſehe, daß ſie nicht ſo fuͤrchterlich ſind, als die, ſo man uͤber die Wirkungen der Cometen, mehr fuͤr die lange Weile, als aus ertraͤglichen Gruͤnden ge- macht hatte. Sie haben mich, mein Herr, durch die Beſchrei- bung, wie Sie zu Ihrem Lehrgebaͤude gekommen, ſehr verpflichtet. So ſehr Sie Ihre erſten Einfaͤlle hier- uͤber als ein Cahos anſehen wollen, ſo muß ich Ihnen doch ſagen, daß ſie ſehr natuͤrlich waren, und ich finde nichts darinn, welches von Ihren uͤbrigen gluͤcklichen Einfaͤllen unterſchieden waͤre. Ich weiß, daß Sie doch

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_einrichtung_1761
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_einrichtung_1761/197
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Cosmologische Briefe über die Einrichtung des Weltbaues. Augsburg, 1761, S. 164. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_einrichtung_1761/197>, abgerufen am 19.10.2019.