Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Cosmologische Briefe über die Einrichtung des Weltbaues. Augsburg, 1761.

Bild:
<< vorherige Seite
Cosmologische Briefe
Siebenzehnter Brief.

So glaubten Sie denn, mein Herr, in Ernste
am Ende Ihrer guten und schicklichen Ein-
fälle über die Einrichtung des Weltgebäudes

zu seyn? Das werde ich mir nie vorstellen, und Ihr ge-
schätztestes Schreiben ist gewiß keine Probe davon.
Es ware Bescheidenheit und neue Aufmunterungen,
daß Sie sich meiner beyläuftigen Berechnungen über
die Geschwindigkeit des Laufes der Fixsterne und eini-
ger andern von meinen Betrachtungen haben bedienen
wollen, um den Anfang zu Ihren fernern Schlüssen
zu machen. Sie haben mir dadurch auf eine sehr ver-
bindliche Art gezeigt, wie ich meine eigene Gedanken
weiter hätte fortsetzen sollen, und dadurch geben Sie
mir einen erwünschten Leitfaden, da Sie mir zeigen,
wie mich eben diese Gedanken zur Hauptsache, die ich
noch nicht sahe, hätten führen können. Da ich indes-
sen nichts so sehr wünsche, als nach und nach selbsten
einige sichere Schritte zu thun, und mir die Mittel
und Wege immer bekannter zu machen, die man an
dem Firmamente einschlagen muß, so freuet es mich,
daß dieser erste Versuch Ihren Beyfall erhalten, und
daß Sie mir die Fortsetzung davon haben anzeigen
wollen.

Ich sehe nun vollkommen ein, daß das Haupt-
werk bey der entdeckten Verrückung der Fixsterne auf
die Parallaxe der Sonnenbahn ankömmt, und um mir

sie
Coſmologiſche Briefe
Siebenzehnter Brief.

So glaubten Sie denn, mein Herr, in Ernſte
am Ende Ihrer guten und ſchicklichen Ein-
faͤlle uͤber die Einrichtung des Weltgebaͤudes

zu ſeyn? Das werde ich mir nie vorſtellen, und Ihr ge-
ſchaͤtzteſtes Schreiben iſt gewiß keine Probe davon.
Es ware Beſcheidenheit und neue Aufmunterungen,
daß Sie ſich meiner beylaͤuftigen Berechnungen uͤber
die Geſchwindigkeit des Laufes der Fixſterne und eini-
ger andern von meinen Betrachtungen haben bedienen
wollen, um den Anfang zu Ihren fernern Schluͤſſen
zu machen. Sie haben mir dadurch auf eine ſehr ver-
bindliche Art gezeigt, wie ich meine eigene Gedanken
weiter haͤtte fortſetzen ſollen, und dadurch geben Sie
mir einen erwuͤnſchten Leitfaden, da Sie mir zeigen,
wie mich eben dieſe Gedanken zur Hauptſache, die ich
noch nicht ſahe, haͤtten fuͤhren koͤnnen. Da ich indeſ-
ſen nichts ſo ſehr wuͤnſche, als nach und nach ſelbſten
einige ſichere Schritte zu thun, und mir die Mittel
und Wege immer bekannter zu machen, die man an
dem Firmamente einſchlagen muß, ſo freuet es mich,
daß dieſer erſte Verſuch Ihren Beyfall erhalten, und
daß Sie mir die Fortſetzung davon haben anzeigen
wollen.

Ich ſehe nun vollkommen ein, daß das Haupt-
werk bey der entdeckten Verruͤckung der Fixſterne auf
die Parallaxe der Sonnenbahn ankoͤmmt, und um mir

ſie
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0267" n="234"/>
        <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Co&#x017F;mologi&#x017F;che Briefe</hi> </fw><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Siebenzehnter Brief.</hi> </head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">S</hi>o glaubten Sie denn, mein Herr, in Ern&#x017F;te<lb/><hi rendition="#et">am Ende Ihrer guten und &#x017F;chicklichen Ein-<lb/>
fa&#x0364;lle u&#x0364;ber die Einrichtung des Weltgeba&#x0364;udes</hi><lb/>
zu &#x017F;eyn? Das werde ich mir nie vor&#x017F;tellen, und Ihr ge-<lb/>
&#x017F;cha&#x0364;tzte&#x017F;tes Schreiben i&#x017F;t gewiß keine Probe davon.<lb/>
Es ware Be&#x017F;cheidenheit und neue Aufmunterungen,<lb/>
daß Sie &#x017F;ich meiner beyla&#x0364;uftigen Berechnungen u&#x0364;ber<lb/>
die Ge&#x017F;chwindigkeit des Laufes der Fix&#x017F;terne und eini-<lb/>
ger andern von meinen Betrachtungen haben bedienen<lb/>
wollen, um den Anfang zu Ihren fernern Schlu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en<lb/>
zu machen. Sie haben mir dadurch auf eine &#x017F;ehr ver-<lb/>
bindliche Art gezeigt, wie ich meine eigene Gedanken<lb/>
weiter ha&#x0364;tte fort&#x017F;etzen &#x017F;ollen, und dadurch geben Sie<lb/>
mir einen erwu&#x0364;n&#x017F;chten Leitfaden, da Sie mir zeigen,<lb/>
wie mich eben die&#x017F;e Gedanken zur Haupt&#x017F;ache, die ich<lb/>
noch nicht &#x017F;ahe, ha&#x0364;tten fu&#x0364;hren ko&#x0364;nnen. Da ich inde&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en nichts &#x017F;o &#x017F;ehr wu&#x0364;n&#x017F;che, als nach und nach &#x017F;elb&#x017F;ten<lb/>
einige &#x017F;ichere Schritte zu thun, und mir die Mittel<lb/>
und Wege immer bekannter zu machen, die man an<lb/>
dem Firmamente ein&#x017F;chlagen muß, &#x017F;o freuet es mich,<lb/>
daß die&#x017F;er er&#x017F;te Ver&#x017F;uch Ihren Beyfall erhalten, und<lb/>
daß Sie mir die Fort&#x017F;etzung davon haben anzeigen<lb/>
wollen.</p><lb/>
          <p>Ich &#x017F;ehe nun vollkommen ein, daß das Haupt-<lb/>
werk bey der entdeckten Verru&#x0364;ckung der Fix&#x017F;terne auf<lb/>
die <hi rendition="#aq">Parallaxe</hi> der Sonnenbahn anko&#x0364;mmt, und um mir<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">&#x017F;ie</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[234/0267] Coſmologiſche Briefe Siebenzehnter Brief. So glaubten Sie denn, mein Herr, in Ernſte am Ende Ihrer guten und ſchicklichen Ein- faͤlle uͤber die Einrichtung des Weltgebaͤudes zu ſeyn? Das werde ich mir nie vorſtellen, und Ihr ge- ſchaͤtzteſtes Schreiben iſt gewiß keine Probe davon. Es ware Beſcheidenheit und neue Aufmunterungen, daß Sie ſich meiner beylaͤuftigen Berechnungen uͤber die Geſchwindigkeit des Laufes der Fixſterne und eini- ger andern von meinen Betrachtungen haben bedienen wollen, um den Anfang zu Ihren fernern Schluͤſſen zu machen. Sie haben mir dadurch auf eine ſehr ver- bindliche Art gezeigt, wie ich meine eigene Gedanken weiter haͤtte fortſetzen ſollen, und dadurch geben Sie mir einen erwuͤnſchten Leitfaden, da Sie mir zeigen, wie mich eben dieſe Gedanken zur Hauptſache, die ich noch nicht ſahe, haͤtten fuͤhren koͤnnen. Da ich indeſ- ſen nichts ſo ſehr wuͤnſche, als nach und nach ſelbſten einige ſichere Schritte zu thun, und mir die Mittel und Wege immer bekannter zu machen, die man an dem Firmamente einſchlagen muß, ſo freuet es mich, daß dieſer erſte Verſuch Ihren Beyfall erhalten, und daß Sie mir die Fortſetzung davon haben anzeigen wollen. Ich ſehe nun vollkommen ein, daß das Haupt- werk bey der entdeckten Verruͤckung der Fixſterne auf die Parallaxe der Sonnenbahn ankoͤmmt, und um mir ſie

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_einrichtung_1761
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_einrichtung_1761/267
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Cosmologische Briefe über die Einrichtung des Weltbaues. Augsburg, 1761, S. 234. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_einrichtung_1761/267>, abgerufen am 15.10.2019.