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Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764.

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VI. Hauptstück,
vermittelst eines zusammengesetzten Schlusses der
zweyten Figur, welcher in Diprepe oder Perdipe
seyn wird, (§. 283. 284.) in die Form apogogischer
Beweise gebracht werden. Z. E. der Schluß sey:

C ist B.
C ist A.
folgl. Etliche A sind B.

Dieser kann so vorgetragen werden:

Es giebt A, die B sind. Denn wenn dieses
falsch wäre, so müßte C entweder nicht A oder
nicht B, oder weder A noch B seyn. Nun aber
ist C so wohl A als B; daher ist die Voraus-
setzung falsch, und einige A sind B.

Hier ist der Schluß, welcher die Ungereimtheit an-
zeigt, folgender:

C ist entweder nicht A oder nicht B, oder weder A
noch B.
aber C ist sowohl A als B.
folgl. C ist nicht C.

Das disjunctive Mittelglied in dem Obersatz besteht
aus Terminis infinitis, und daher ist es in dem Un-
tersatze collectiv, da es sonst remotiv wäre, wie es die
Schlußart Diprepe erfordert, die folglich hier etwas
versteckter ist.

§. 363.

Man kann auf eine ähnliche Art jedem Schluße
die Form eines apogogischen Beweises geben. Denn
wer den Schlußsatz läugnet, muß nothwendig einen
oder den andern Vordersatz, oder beyde läugnen, so
oft die Form richtig ist. Jst nun aber die Form
richtig, und jeder Vordersatz erwiesen, so fällt auch
das Läugnen des Schlußsatzes weg, und er bleibt wahr.
Man sieht aber auch hieraus, daß die Ungereimtheit
ebenfalls durch einen zusammengesetzten Schluß der

zweyten

VI. Hauptſtuͤck,
vermittelſt eines zuſammengeſetzten Schluſſes der
zweyten Figur, welcher in Diprepe oder Perdipe
ſeyn wird, (§. 283. 284.) in die Form apogogiſcher
Beweiſe gebracht werden. Z. E. der Schluß ſey:

C iſt B.
C iſt A.
folgl. Etliche A ſind B.

Dieſer kann ſo vorgetragen werden:

Es giebt A, die B ſind. Denn wenn dieſes
falſch waͤre, ſo muͤßte C entweder nicht A oder
nicht B, oder weder A noch B ſeyn. Nun aber
iſt C ſo wohl A als B; daher iſt die Voraus-
ſetzung falſch, und einige A ſind B.

Hier iſt der Schluß, welcher die Ungereimtheit an-
zeigt, folgender:

C iſt entweder nicht A oder nicht B, oder weder A
noch B.
aber C iſt ſowohl A als B.
folgl. C iſt nicht C.

Das disjunctive Mittelglied in dem Oberſatz beſteht
aus Terminis infinitis, und daher iſt es in dem Un-
terſatze collectiv, da es ſonſt remotiv waͤre, wie es die
Schlußart Diprepe erfordert, die folglich hier etwas
verſteckter iſt.

§. 363.

Man kann auf eine aͤhnliche Art jedem Schluße
die Form eines apogogiſchen Beweiſes geben. Denn
wer den Schlußſatz laͤugnet, muß nothwendig einen
oder den andern Vorderſatz, oder beyde laͤugnen, ſo
oft die Form richtig iſt. Jſt nun aber die Form
richtig, und jeder Vorderſatz erwieſen, ſo faͤllt auch
das Laͤugnen des Schlußſatzes weg, und er bleibt wahr.
Man ſieht aber auch hieraus, daß die Ungereimtheit
ebenfalls durch einen zuſammengeſetzten Schluß der

zweyten
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[234/0256] VI. Hauptſtuͤck, vermittelſt eines zuſammengeſetzten Schluſſes der zweyten Figur, welcher in Diprepe oder Perdipe ſeyn wird, (§. 283. 284.) in die Form apogogiſcher Beweiſe gebracht werden. Z. E. der Schluß ſey: C iſt B. C iſt A. folgl. Etliche A ſind B. Dieſer kann ſo vorgetragen werden: Es giebt A, die B ſind. Denn wenn dieſes falſch waͤre, ſo muͤßte C entweder nicht A oder nicht B, oder weder A noch B ſeyn. Nun aber iſt C ſo wohl A als B; daher iſt die Voraus- ſetzung falſch, und einige A ſind B. Hier iſt der Schluß, welcher die Ungereimtheit an- zeigt, folgender: C iſt entweder nicht A oder nicht B, oder weder A noch B. aber C iſt ſowohl A als B. folgl. C iſt nicht C. Das disjunctive Mittelglied in dem Oberſatz beſteht aus Terminis infinitis, und daher iſt es in dem Un- terſatze collectiv, da es ſonſt remotiv waͤre, wie es die Schlußart Diprepe erfordert, die folglich hier etwas verſteckter iſt. §. 363. Man kann auf eine aͤhnliche Art jedem Schluße die Form eines apogogiſchen Beweiſes geben. Denn wer den Schlußſatz laͤugnet, muß nothwendig einen oder den andern Vorderſatz, oder beyde laͤugnen, ſo oft die Form richtig iſt. Jſt nun aber die Form richtig, und jeder Vorderſatz erwieſen, ſo faͤllt auch das Laͤugnen des Schlußſatzes weg, und er bleibt wahr. Man ſieht aber auch hieraus, daß die Ungereimtheit ebenfalls durch einen zuſammengeſetzten Schluß der zweyten

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Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764, S. 234. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764/256>, abgerufen am 14.10.2019.