Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764.

Bild:
<< vorherige Seite

VI. Hauptstück,
dieses aus andern Erfahrungen genauer erörtern
kann, so gebraucht man in der Theorie der Finster-
nisse die erste Schlußrede, und zwar um desto mehr,
weil man nunmehr weis, daß eigentlich nicht die Erde
selbst, sondern ihr Luftkrais den Schatten in den
Mond wirft. Daß aber auch der Luftkrais sphärisch
sey, wird aus der Theorie des Gleichgewichtes flüßi-
ger Körper, und daher wiederum durch identische
Sätze erwiesen etc.

§. 416.

So auch, wenn man annimmt, daß die Wärme
eine besondre Materie sey, und nicht bloß in der Be-
wegung der Theilchen der Körper selbst bestehe; so
wird man aus dem Satz, daß die Wärme durch die
Körper dringe, folgern können, daß die Materie der
Wärme flüßig sey. Dieses folgt aus der Undurch-
dringbarkeit der Materie und unflüßiger oder fester
Körper. Wiederum wird man daraus, daß die Wär-
me die Körper ausdehnt, der Wärme eine Kraft bey-
legen, und sie elastisch machen, weil man weis, daß
die Körper sich ohne Kraft nicht trennen lassen. Eben
so wird man die Theilchen der Materie der Wärme
so klein annehmen müssen, als immer die Zwischen-
räumchen der Körper sind, durch welche sie dringen
kann, weil nur das kleinere im größern seyn kann,
folglich der identische Satz von dem Raum und
Materie:

Wenn A in B ist, so ist A kleiner als B.
Wenn A kleiner als B ist, so kann A in B seyn.

dabey angewandt werden kann, in welchem A eine
Materie, B einen Raum vorstellt etc.

§. 417.

Die bisher erklärte analytische Methode (§. 404
seqq.) kömmt nicht nur vor, wo der Schlußsatz in

der

VI. Hauptſtuͤck,
dieſes aus andern Erfahrungen genauer eroͤrtern
kann, ſo gebraucht man in der Theorie der Finſter-
niſſe die erſte Schlußrede, und zwar um deſto mehr,
weil man nunmehr weis, daß eigentlich nicht die Erde
ſelbſt, ſondern ihr Luftkrais den Schatten in den
Mond wirft. Daß aber auch der Luftkrais ſphaͤriſch
ſey, wird aus der Theorie des Gleichgewichtes fluͤßi-
ger Koͤrper, und daher wiederum durch identiſche
Saͤtze erwieſen ꝛc.

§. 416.

So auch, wenn man annimmt, daß die Waͤrme
eine beſondre Materie ſey, und nicht bloß in der Be-
wegung der Theilchen der Koͤrper ſelbſt beſtehe; ſo
wird man aus dem Satz, daß die Waͤrme durch die
Koͤrper dringe, folgern koͤnnen, daß die Materie der
Waͤrme fluͤßig ſey. Dieſes folgt aus der Undurch-
dringbarkeit der Materie und unfluͤßiger oder feſter
Koͤrper. Wiederum wird man daraus, daß die Waͤr-
me die Koͤrper ausdehnt, der Waͤrme eine Kraft bey-
legen, und ſie elaſtiſch machen, weil man weis, daß
die Koͤrper ſich ohne Kraft nicht trennen laſſen. Eben
ſo wird man die Theilchen der Materie der Waͤrme
ſo klein annehmen muͤſſen, als immer die Zwiſchen-
raͤumchen der Koͤrper ſind, durch welche ſie dringen
kann, weil nur das kleinere im groͤßern ſeyn kann,
folglich der identiſche Satz von dem Raum und
Materie:

Wenn A in B iſt, ſo iſt A kleiner als B.
Wenn A kleiner als B iſt, ſo kann A in B ſeyn.

dabey angewandt werden kann, in welchem A eine
Materie, B einen Raum vorſtellt ꝛc.

§. 417.

Die bisher erklaͤrte analytiſche Methode (§. 404
ſeqq.) koͤmmt nicht nur vor, wo der Schlußſatz in

der
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0294" n="272"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">VI.</hi> Haupt&#x017F;tu&#x0364;ck,</hi></fw><lb/>
die&#x017F;es aus andern Erfahrungen genauer ero&#x0364;rtern<lb/>
kann, &#x017F;o gebraucht man in der Theorie der Fin&#x017F;ter-<lb/>
ni&#x017F;&#x017F;e die er&#x017F;te Schlußrede, und zwar um de&#x017F;to mehr,<lb/>
weil man nunmehr weis, daß eigentlich nicht die Erde<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t, &#x017F;ondern ihr Luftkrais den Schatten in den<lb/>
Mond wirft. Daß aber auch der Luftkrais &#x017F;pha&#x0364;ri&#x017F;ch<lb/>
&#x017F;ey, wird aus der Theorie des Gleichgewichtes flu&#x0364;ßi-<lb/>
ger Ko&#x0364;rper, und daher wiederum durch identi&#x017F;che<lb/>
Sa&#x0364;tze erwie&#x017F;en &#xA75B;c.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 416.</head><lb/>
            <p>So auch, wenn man annimmt, daß die Wa&#x0364;rme<lb/>
eine be&#x017F;ondre Materie &#x017F;ey, und nicht bloß in der Be-<lb/>
wegung der Theilchen der Ko&#x0364;rper &#x017F;elb&#x017F;t be&#x017F;tehe; &#x017F;o<lb/>
wird man aus dem Satz, daß die Wa&#x0364;rme durch die<lb/>
Ko&#x0364;rper dringe, folgern ko&#x0364;nnen, daß die Materie der<lb/>
Wa&#x0364;rme <hi rendition="#fr">flu&#x0364;ßig</hi> &#x017F;ey. Die&#x017F;es folgt aus der Undurch-<lb/>
dringbarkeit der Materie und unflu&#x0364;ßiger oder fe&#x017F;ter<lb/>
Ko&#x0364;rper. Wiederum wird man daraus, daß die Wa&#x0364;r-<lb/>
me die Ko&#x0364;rper ausdehnt, der Wa&#x0364;rme eine Kraft bey-<lb/>
legen, und &#x017F;ie <hi rendition="#fr">ela&#x017F;ti&#x017F;ch</hi> machen, weil man weis, daß<lb/>
die Ko&#x0364;rper &#x017F;ich ohne Kraft nicht trennen la&#x017F;&#x017F;en. Eben<lb/>
&#x017F;o wird man die Theilchen der Materie der Wa&#x0364;rme<lb/>
&#x017F;o klein annehmen mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en, als immer die Zwi&#x017F;chen-<lb/>
ra&#x0364;umchen der Ko&#x0364;rper &#x017F;ind, durch welche &#x017F;ie dringen<lb/>
kann, weil nur das kleinere im gro&#x0364;ßern &#x017F;eyn kann,<lb/>
folglich der identi&#x017F;che Satz von dem Raum und<lb/>
Materie:</p><lb/>
            <list>
              <item>Wenn <hi rendition="#aq">A</hi> in <hi rendition="#aq">B</hi> i&#x017F;t, &#x017F;o i&#x017F;t <hi rendition="#aq">A</hi> kleiner als <hi rendition="#aq">B.</hi></item><lb/>
              <item>Wenn <hi rendition="#aq">A</hi> kleiner als <hi rendition="#aq">B</hi> i&#x017F;t, &#x017F;o kann <hi rendition="#aq">A</hi> in <hi rendition="#aq">B</hi> &#x017F;eyn.</item>
            </list><lb/>
            <p>dabey angewandt werden kann, in welchem <hi rendition="#aq">A</hi> eine<lb/>
Materie, <hi rendition="#aq">B</hi> einen Raum vor&#x017F;tellt &#xA75B;c.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 417.</head><lb/>
            <p>Die bisher erkla&#x0364;rte analyti&#x017F;che Methode (§. 404<lb/>
&#x017F;eqq.) ko&#x0364;mmt nicht nur vor, wo der Schluß&#x017F;atz in<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">der</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[272/0294] VI. Hauptſtuͤck, dieſes aus andern Erfahrungen genauer eroͤrtern kann, ſo gebraucht man in der Theorie der Finſter- niſſe die erſte Schlußrede, und zwar um deſto mehr, weil man nunmehr weis, daß eigentlich nicht die Erde ſelbſt, ſondern ihr Luftkrais den Schatten in den Mond wirft. Daß aber auch der Luftkrais ſphaͤriſch ſey, wird aus der Theorie des Gleichgewichtes fluͤßi- ger Koͤrper, und daher wiederum durch identiſche Saͤtze erwieſen ꝛc. §. 416. So auch, wenn man annimmt, daß die Waͤrme eine beſondre Materie ſey, und nicht bloß in der Be- wegung der Theilchen der Koͤrper ſelbſt beſtehe; ſo wird man aus dem Satz, daß die Waͤrme durch die Koͤrper dringe, folgern koͤnnen, daß die Materie der Waͤrme fluͤßig ſey. Dieſes folgt aus der Undurch- dringbarkeit der Materie und unfluͤßiger oder feſter Koͤrper. Wiederum wird man daraus, daß die Waͤr- me die Koͤrper ausdehnt, der Waͤrme eine Kraft bey- legen, und ſie elaſtiſch machen, weil man weis, daß die Koͤrper ſich ohne Kraft nicht trennen laſſen. Eben ſo wird man die Theilchen der Materie der Waͤrme ſo klein annehmen muͤſſen, als immer die Zwiſchen- raͤumchen der Koͤrper ſind, durch welche ſie dringen kann, weil nur das kleinere im groͤßern ſeyn kann, folglich der identiſche Satz von dem Raum und Materie: Wenn A in B iſt, ſo iſt A kleiner als B. Wenn A kleiner als B iſt, ſo kann A in B ſeyn. dabey angewandt werden kann, in welchem A eine Materie, B einen Raum vorſtellt ꝛc. §. 417. Die bisher erklaͤrte analytiſche Methode (§. 404 ſeqq.) koͤmmt nicht nur vor, wo der Schlußſatz in der

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764/294
Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764, S. 272. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764/294>, abgerufen am 20.10.2019.