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Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764.

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von den Aufgaben.
sie mit einem male hätte vornehmen können, oder
anstatt bereits zusammengezogner Lehrsätze, diejenigen
gebraucht, aus welchen sie zusammengezogen worden.
So z. E. hat man in der Meßkunst aus dem pytha-
gorischen Satze schon unzählige andre gefunden, die
in besondern Fällen Abkürzungen geben. Wenn
man demnach bey jeder vorkommenden Aufgabe im-
mer wiederum bey demselben anfängt, so kann man
gar leicht ohne Nothwendigkeit auf Weitläuftigkei-
ten verfallen.

§. 497.

Da die Verhältnisse eigentlich Abkürzungen an-
geben, (§. 480. 481. 488.) so werden wir verschiedne
allgemeinere Arten derselben hier überhaupt anzeigen.
Die erste kömmt offenbar in allen Schlußreden vor,
weil man das Mittelglied darinn weiter nicht ge-
braucht, als um die beyden andern zusammen zu hän-
gen, und dieses geschieht durch das Verhältniß, so das
Mittelglied zu beyden andern hat. Demnach giebt
die Lehre der Schlüße eine sehr allgemeine Abkürzung
der Verhältnisse an, und was dabey überhaupt ausge-
macht wird, darf nicht erst in besondern Fällen aufs
neue vorgenommen werden.

§. 498.

Wir dehnen diese Anmerkung auf die Theorie der
Wahrheit und Erkenntniß überhaupt aus. Denn
alle Sätze, Mittel, Kunstgriffe etc. die dabey über-
haupt vorkommen, lassen sich in einzelnen Fällen ohne
weiters Anwenden, ohne daß man sie aufs neue zu
suchen habe.

§. 499.

Besonders aber haben wir zu untersuchen, wie-
fern die Bestimmungen, die in dem Subject und
Prädicat eines Satzes zugleich vorkommen, aus

beyden

von den Aufgaben.
ſie mit einem male haͤtte vornehmen koͤnnen, oder
anſtatt bereits zuſammengezogner Lehrſaͤtze, diejenigen
gebraucht, aus welchen ſie zuſammengezogen worden.
So z. E. hat man in der Meßkunſt aus dem pytha-
goriſchen Satze ſchon unzaͤhlige andre gefunden, die
in beſondern Faͤllen Abkuͤrzungen geben. Wenn
man demnach bey jeder vorkommenden Aufgabe im-
mer wiederum bey demſelben anfaͤngt, ſo kann man
gar leicht ohne Nothwendigkeit auf Weitlaͤuftigkei-
ten verfallen.

§. 497.

Da die Verhaͤltniſſe eigentlich Abkuͤrzungen an-
geben, (§. 480. 481. 488.) ſo werden wir verſchiedne
allgemeinere Arten derſelben hier uͤberhaupt anzeigen.
Die erſte koͤmmt offenbar in allen Schlußreden vor,
weil man das Mittelglied darinn weiter nicht ge-
braucht, als um die beyden andern zuſammen zu haͤn-
gen, und dieſes geſchieht durch das Verhaͤltniß, ſo das
Mittelglied zu beyden andern hat. Demnach giebt
die Lehre der Schluͤße eine ſehr allgemeine Abkuͤrzung
der Verhaͤltniſſe an, und was dabey uͤberhaupt ausge-
macht wird, darf nicht erſt in beſondern Faͤllen aufs
neue vorgenommen werden.

§. 498.

Wir dehnen dieſe Anmerkung auf die Theorie der
Wahrheit und Erkenntniß uͤberhaupt aus. Denn
alle Saͤtze, Mittel, Kunſtgriffe ꝛc. die dabey uͤber-
haupt vorkommen, laſſen ſich in einzelnen Faͤllen ohne
weiters Anwenden, ohne daß man ſie aufs neue zu
ſuchen habe.

§. 499.

Beſonders aber haben wir zu unterſuchen, wie-
fern die Beſtimmungen, die in dem Subject und
Praͤdicat eines Satzes zugleich vorkommen, aus

beyden
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[317/0339] von den Aufgaben. ſie mit einem male haͤtte vornehmen koͤnnen, oder anſtatt bereits zuſammengezogner Lehrſaͤtze, diejenigen gebraucht, aus welchen ſie zuſammengezogen worden. So z. E. hat man in der Meßkunſt aus dem pytha- goriſchen Satze ſchon unzaͤhlige andre gefunden, die in beſondern Faͤllen Abkuͤrzungen geben. Wenn man demnach bey jeder vorkommenden Aufgabe im- mer wiederum bey demſelben anfaͤngt, ſo kann man gar leicht ohne Nothwendigkeit auf Weitlaͤuftigkei- ten verfallen. §. 497. Da die Verhaͤltniſſe eigentlich Abkuͤrzungen an- geben, (§. 480. 481. 488.) ſo werden wir verſchiedne allgemeinere Arten derſelben hier uͤberhaupt anzeigen. Die erſte koͤmmt offenbar in allen Schlußreden vor, weil man das Mittelglied darinn weiter nicht ge- braucht, als um die beyden andern zuſammen zu haͤn- gen, und dieſes geſchieht durch das Verhaͤltniß, ſo das Mittelglied zu beyden andern hat. Demnach giebt die Lehre der Schluͤße eine ſehr allgemeine Abkuͤrzung der Verhaͤltniſſe an, und was dabey uͤberhaupt ausge- macht wird, darf nicht erſt in beſondern Faͤllen aufs neue vorgenommen werden. §. 498. Wir dehnen dieſe Anmerkung auf die Theorie der Wahrheit und Erkenntniß uͤberhaupt aus. Denn alle Saͤtze, Mittel, Kunſtgriffe ꝛc. die dabey uͤber- haupt vorkommen, laſſen ſich in einzelnen Faͤllen ohne weiters Anwenden, ohne daß man ſie aufs neue zu ſuchen habe. §. 499. Beſonders aber haben wir zu unterſuchen, wie- fern die Beſtimmungen, die in dem Subject und Praͤdicat eines Satzes zugleich vorkommen, aus beyden

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Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764, S. 317. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764/339>, abgerufen am 18.10.2019.