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Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764.

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von zusammengesetzten Begriffen.
§. 158.

Endlich ist auch die Bequemlichkeit, Wörter von
mehr oder minder unbestimmter Bedeutung durch
den Zusammenhang der Rede jedesmal so zu bestim-
men, wie man sie, seine Gedanken auszudrücken, nö-
thig hat, viel zu groß, als daß man sich den Zwang
anthun, und ehe man das Wort gebraucht, jedesmal
erst sehen müßte, ob die einmal angenommene und zu-
sammengefaßte Merkmaale sämmtlich da sind. Hiezu
gebraucht es eine Uebung, durch die man sich an Wör-
ter von bestimmter Bedeutung erst gewöhnen muß,
und um desto weniger ist sich zu verwundern, wenn
in dem gemeinen Leben eine solche Genauigkeit selten
ist, oder gar nicht vorkömmt. Hingegen lohnt es sich
allerdings der Mühe, sich an Wörter von bestimm-
ter und richtiger Bedeutung zu gewöhnen, weil man
die Erkenntniß dadurch wissenschaftlicher macht, und
sie zuverläßiger gebrauchen kann. Man gelangt da-
durch mühsamer zu vielen Sätzen, aber die, so man
dabey hat, sind bestimmt und anwendbar.



Viertes Hauptstück.
Von dem Unterschiede des Wahren
und Jrrigen.
§. 159.

Bisher haben wir unsre einfachen Begriffe, die
bey denselben vorkommenden Grundsätze und
Forderungen, und überhaupt auch die Beschaffenheit
zusammengesetzter Begriffe betrachtet, in sofern wir
dadurch den ersten Grund zu einer wissenschaftlichen
Erkenntniß legen können. Wir werden nun das, was

im
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von zuſammengeſetzten Begriffen.
§. 158.

Endlich iſt auch die Bequemlichkeit, Woͤrter von
mehr oder minder unbeſtimmter Bedeutung durch
den Zuſammenhang der Rede jedesmal ſo zu beſtim-
men, wie man ſie, ſeine Gedanken auszudruͤcken, noͤ-
thig hat, viel zu groß, als daß man ſich den Zwang
anthun, und ehe man das Wort gebraucht, jedesmal
erſt ſehen muͤßte, ob die einmal angenommene und zu-
ſammengefaßte Merkmaale ſaͤmmtlich da ſind. Hiezu
gebraucht es eine Uebung, durch die man ſich an Woͤr-
ter von beſtimmter Bedeutung erſt gewoͤhnen muß,
und um deſto weniger iſt ſich zu verwundern, wenn
in dem gemeinen Leben eine ſolche Genauigkeit ſelten
iſt, oder gar nicht vorkoͤmmt. Hingegen lohnt es ſich
allerdings der Muͤhe, ſich an Woͤrter von beſtimm-
ter und richtiger Bedeutung zu gewoͤhnen, weil man
die Erkenntniß dadurch wiſſenſchaftlicher macht, und
ſie zuverlaͤßiger gebrauchen kann. Man gelangt da-
durch muͤhſamer zu vielen Saͤtzen, aber die, ſo man
dabey hat, ſind beſtimmt und anwendbar.



Viertes Hauptſtuͤck.
Von dem Unterſchiede des Wahren
und Jrrigen.
§. 159.

Bisher haben wir unſre einfachen Begriffe, die
bey denſelben vorkommenden Grundſaͤtze und
Forderungen, und uͤberhaupt auch die Beſchaffenheit
zuſammengeſetzter Begriffe betrachtet, in ſofern wir
dadurch den erſten Grund zu einer wiſſenſchaftlichen
Erkenntniß legen koͤnnen. Wir werden nun das, was

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[537/0559] von zuſammengeſetzten Begriffen. §. 158. Endlich iſt auch die Bequemlichkeit, Woͤrter von mehr oder minder unbeſtimmter Bedeutung durch den Zuſammenhang der Rede jedesmal ſo zu beſtim- men, wie man ſie, ſeine Gedanken auszudruͤcken, noͤ- thig hat, viel zu groß, als daß man ſich den Zwang anthun, und ehe man das Wort gebraucht, jedesmal erſt ſehen muͤßte, ob die einmal angenommene und zu- ſammengefaßte Merkmaale ſaͤmmtlich da ſind. Hiezu gebraucht es eine Uebung, durch die man ſich an Woͤr- ter von beſtimmter Bedeutung erſt gewoͤhnen muß, und um deſto weniger iſt ſich zu verwundern, wenn in dem gemeinen Leben eine ſolche Genauigkeit ſelten iſt, oder gar nicht vorkoͤmmt. Hingegen lohnt es ſich allerdings der Muͤhe, ſich an Woͤrter von beſtimm- ter und richtiger Bedeutung zu gewoͤhnen, weil man die Erkenntniß dadurch wiſſenſchaftlicher macht, und ſie zuverlaͤßiger gebrauchen kann. Man gelangt da- durch muͤhſamer zu vielen Saͤtzen, aber die, ſo man dabey hat, ſind beſtimmt und anwendbar. Viertes Hauptſtuͤck. Von dem Unterſchiede des Wahren und Jrrigen. §. 159. Bisher haben wir unſre einfachen Begriffe, die bey denſelben vorkommenden Grundſaͤtze und Forderungen, und uͤberhaupt auch die Beſchaffenheit zuſammengeſetzter Begriffe betrachtet, in ſofern wir dadurch den erſten Grund zu einer wiſſenſchaftlichen Erkenntniß legen koͤnnen. Wir werden nun das, was im L l 5

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Zitationshilfe: Lambert, Johann Heinrich: Neues Organon. Bd. 1. Leipzig, 1764, S. 537. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lambert_organon01_1764/559>, abgerufen am 20.10.2019.