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[La Roche, Sophie von]: Geschichte des Fräuleins von Sternheim. Bd. 1. Hrsg. v. Christoph Martin Wieland. Leipzig, 1771.

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Sie soll zur linken Hand vermählt wor-
den seyn. Elende lächerliche Larve,
eine verstellte Tugend vor Schande
sicher zu stellen! -- Alle schmeichelten ihr;
Sie, mein Freund, kennen mich genug,
um zu wissen, ob ich es that. Jch werde
nicht an den Hof gehen bis ich ruhiger
bin; niemals liebte ich das Hofleben ganz,
nun verabscheue ich es! Die Reisen mei-
nes Oncles will ich aushalten; aber mei-
ne Frau Mutter soll nicht fodern, daß ich
Hofdienste nehme, oder mich verheyrathe;
das Fräulein von Sternheim hat mich
beydem auf ewig entsagen gemacht.
Derby, der ruchlose Derby, verachtet sie
auch, aber er hilft sie betäuben; denn
er erzeigt ihr mehr Ehrerbietung als
sonst; -- Der Bösewicht!



Fräulein von Sternheim
an
Emilia.

Kommen Sie, meine Emilia, Sie sollen
auch einmal eine aufgeweckte Erzählung

von

Sie ſoll zur linken Hand vermaͤhlt wor-
den ſeyn. Elende laͤcherliche Larve,
eine verſtellte Tugend vor Schande
ſicher zu ſtellen! — Alle ſchmeichelten ihr;
Sie, mein Freund, kennen mich genug,
um zu wiſſen, ob ich es that. Jch werde
nicht an den Hof gehen bis ich ruhiger
bin; niemals liebte ich das Hofleben ganz,
nun verabſcheue ich es! Die Reiſen mei-
nes Oncles will ich aushalten; aber mei-
ne Frau Mutter ſoll nicht fodern, daß ich
Hofdienſte nehme, oder mich verheyrathe;
das Fraͤulein von Sternheim hat mich
beydem auf ewig entſagen gemacht.
Derby, der ruchloſe Derby, verachtet ſie
auch, aber er hilft ſie betaͤuben; denn
er erzeigt ihr mehr Ehrerbietung als
ſonſt; — Der Boͤſewicht!



Fraͤulein von Sternheim
an
Emilia.

Kommen Sie, meine Emilia, Sie ſollen
auch einmal eine aufgeweckte Erzaͤhlung

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[258/0284] Sie ſoll zur linken Hand vermaͤhlt wor- den ſeyn. Elende laͤcherliche Larve, eine verſtellte Tugend vor Schande ſicher zu ſtellen! — Alle ſchmeichelten ihr; Sie, mein Freund, kennen mich genug, um zu wiſſen, ob ich es that. Jch werde nicht an den Hof gehen bis ich ruhiger bin; niemals liebte ich das Hofleben ganz, nun verabſcheue ich es! Die Reiſen mei- nes Oncles will ich aushalten; aber mei- ne Frau Mutter ſoll nicht fodern, daß ich Hofdienſte nehme, oder mich verheyrathe; das Fraͤulein von Sternheim hat mich beydem auf ewig entſagen gemacht. Derby, der ruchloſe Derby, verachtet ſie auch, aber er hilft ſie betaͤuben; denn er erzeigt ihr mehr Ehrerbietung als ſonſt; — Der Boͤſewicht! Fraͤulein von Sternheim an Emilia. Kommen Sie, meine Emilia, Sie ſollen auch einmal eine aufgeweckte Erzaͤhlung von

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Zitationshilfe: [La Roche, Sophie von]: Geschichte des Fräuleins von Sternheim. Bd. 1. Hrsg. v. Christoph Martin Wieland. Leipzig, 1771, S. 258. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/laroche_geschichte01_1771/284>, abgerufen am 13.08.2020.