Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Laube, Heinrich: Das junge Europa. Bd. 1, 1. Leipzig, 1833.

Bild:
<< vorherige Seite
9.
Camilla an Julia.

Ich bin so glücklich, meine Liebe, Süße, Beste, daß
ich Ihnen mittheilen muß von unsrem Ueberfluße. Wor¬
in unser Glück besteht? -- Ja, das kann ich Ihnen
nicht auseinandersetzen, das Auseinandersetzen ist über¬
haupt meine Sache nicht. Die Welt ist schön, der
Frühling grün, die Menschen sind gut. An den Menschen,
ja, daran mag's wohl größtentheils liegen, wir haben
meist neue um uns, lauter neue Welttheile mit neuen
Pflanzen und Bäumen, und das unterhält. Wunder¬
liche Leute sind's, aber lieb, gut meist, charmant alle.
Alberta hat Ihnen schon davon geschrieben, ich darf wohl
nur ergänzen. Es behagt auch meiner Hastigkeit nicht,
breit und tief zu schreiben. Kurz und spitz, das ist
mir lieber. Eins ist dabei wunderlich -- der Graf.
Wie der zu dem Gedanken kommt, uns mit so junger,
größtentheils bürgerlicher Gesellschaft zu umgeben, das
weiß ich nicht. Ich glaube, er experimentirt. Die Leute
sind artig und was dem Einen oder dem Andern an
gutem Ton, feinen Manieren abgeht, das ersetzt viel¬

4 *
9.
Camilla an Julia.

Ich bin ſo glücklich, meine Liebe, Süße, Beſte, daß
ich Ihnen mittheilen muß von unſrem Ueberfluße. Wor¬
in unſer Glück beſteht? — Ja, das kann ich Ihnen
nicht auseinanderſetzen, das Auseinanderſetzen iſt über¬
haupt meine Sache nicht. Die Welt iſt ſchön, der
Frühling grün, die Menſchen ſind gut. An den Menſchen,
ja, daran mag's wohl größtentheils liegen, wir haben
meiſt neue um uns, lauter neue Welttheile mit neuen
Pflanzen und Bäumen, und das unterhält. Wunder¬
liche Leute ſind's, aber lieb, gut meiſt, charmant alle.
Alberta hat Ihnen ſchon davon geſchrieben, ich darf wohl
nur ergänzen. Es behagt auch meiner Haſtigkeit nicht,
breit und tief zu ſchreiben. Kurz und ſpitz, das iſt
mir lieber. Eins iſt dabei wunderlich — der Graf.
Wie der zu dem Gedanken kommt, uns mit ſo junger,
größtentheils bürgerlicher Geſellſchaft zu umgeben, das
weiß ich nicht. Ich glaube, er experimentirt. Die Leute
ſind artig und was dem Einen oder dem Andern an
gutem Ton, feinen Manieren abgeht, das erſetzt viel¬

4 *
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0085" n="75"/>
      </div>
      <div n="1">
        <head>9.<lb/><hi rendition="#b #g">Camilla an Julia.</hi><lb/></head>
        <div n="2">
          <dateline rendition="#right">Grün&#x017F;chloß im Juni.<lb/></dateline>
          <p>Ich bin &#x017F;o glücklich, meine Liebe, Süße, Be&#x017F;te, daß<lb/>
ich Ihnen mittheilen muß von un&#x017F;rem Ueberfluße. Wor¬<lb/>
in un&#x017F;er Glück be&#x017F;teht? &#x2014; Ja, das kann ich Ihnen<lb/>
nicht auseinander&#x017F;etzen, das Auseinander&#x017F;etzen i&#x017F;t über¬<lb/>
haupt meine Sache nicht. Die Welt i&#x017F;t &#x017F;chön, der<lb/>
Frühling grün, die Men&#x017F;chen &#x017F;ind gut. An den Men&#x017F;chen,<lb/>
ja, daran mag's wohl größtentheils liegen, wir haben<lb/>
mei&#x017F;t neue um uns, lauter neue Welttheile mit neuen<lb/>
Pflanzen und Bäumen, und das unterhält. Wunder¬<lb/>
liche Leute &#x017F;ind's, aber lieb, gut mei&#x017F;t, charmant alle.<lb/>
Alberta hat Ihnen &#x017F;chon davon ge&#x017F;chrieben, ich darf wohl<lb/>
nur ergänzen. Es behagt auch meiner Ha&#x017F;tigkeit nicht,<lb/>
breit und tief zu &#x017F;chreiben. Kurz und &#x017F;pitz, das i&#x017F;t<lb/>
mir lieber. Eins i&#x017F;t dabei wunderlich &#x2014; der Graf.<lb/>
Wie der zu dem Gedanken kommt, uns mit &#x017F;o junger,<lb/>
größtentheils bürgerlicher Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft zu umgeben, das<lb/>
weiß ich nicht. Ich glaube, er experimentirt. Die Leute<lb/>
&#x017F;ind artig und was dem Einen oder dem Andern an<lb/>
gutem Ton, feinen Manieren abgeht, das er&#x017F;etzt viel¬<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">4 *<lb/></fw>
</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[75/0085] 9. Camilla an Julia. Grünſchloß im Juni. Ich bin ſo glücklich, meine Liebe, Süße, Beſte, daß ich Ihnen mittheilen muß von unſrem Ueberfluße. Wor¬ in unſer Glück beſteht? — Ja, das kann ich Ihnen nicht auseinanderſetzen, das Auseinanderſetzen iſt über¬ haupt meine Sache nicht. Die Welt iſt ſchön, der Frühling grün, die Menſchen ſind gut. An den Menſchen, ja, daran mag's wohl größtentheils liegen, wir haben meiſt neue um uns, lauter neue Welttheile mit neuen Pflanzen und Bäumen, und das unterhält. Wunder¬ liche Leute ſind's, aber lieb, gut meiſt, charmant alle. Alberta hat Ihnen ſchon davon geſchrieben, ich darf wohl nur ergänzen. Es behagt auch meiner Haſtigkeit nicht, breit und tief zu ſchreiben. Kurz und ſpitz, das iſt mir lieber. Eins iſt dabei wunderlich — der Graf. Wie der zu dem Gedanken kommt, uns mit ſo junger, größtentheils bürgerlicher Geſellſchaft zu umgeben, das weiß ich nicht. Ich glaube, er experimentirt. Die Leute ſind artig und was dem Einen oder dem Andern an gutem Ton, feinen Manieren abgeht, das erſetzt viel¬ 4 *

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/laube_europa0101_1833
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/laube_europa0101_1833/85
Zitationshilfe: Laube, Heinrich: Das junge Europa. Bd. 1, 1. Leipzig, 1833, S. 75. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/laube_europa0101_1833/85>, abgerufen am 06.08.2020.