Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 4,1. Leipzig, 1797.

Bild:
<< vorherige Seite
Fünftes Kapitel.

Fernere Begebenheiten in Landau.



Von dieser Zeit an ließ der Kronprinz von Preu-
ßen, der auf meine Vermittelung vielleicht mehr
rechnete, als meine beschriebene Lage sie zuließ,
Landau beynahe täglich durch Trompeter zur Ueber-
gabe auffodern, erhielt aber immer die Antwort:
daß man Entsatz erwarte und das Aeußerste daran
wagen wolle, diese wichtige Festung dem Frey-
staate zu erhalten.

Dentzel saß indessen immer in Arrest; aber
nachdem die Leute kaltblütiger geworden waren,
fingen schon Viele unter den Bürgern und Solda-
ten an, ihn für unschuldig zu erkennen, und das
harte Verfahren wider ihn auf den Haß zu schieben,
womit Laubadere ihn verfolgte. Laubadere
verlangte demnach, daß man die Sache nach Pa-
ris schicken sollte: allein das Conseil de defense
wendete dawider ein, daß dieses nicht anginge,
weil die Briefschaften vom Feinde aufgefangen
werden könnten, wodurch denn dieser nothwendig
von Landau's ganzer innern Lage unterrichtet wer-

Fuͤnftes Kapitel.

Fernere Begebenheiten in Landau.



Von dieſer Zeit an ließ der Kronprinz von Preu-
ßen, der auf meine Vermittelung vielleicht mehr
rechnete, als meine beſchriebene Lage ſie zuließ,
Landau beynahe taͤglich durch Trompeter zur Ueber-
gabe auffodern, erhielt aber immer die Antwort:
daß man Entſatz erwarte und das Aeußerſte daran
wagen wolle, dieſe wichtige Feſtung dem Frey-
ſtaate zu erhalten.

Dentzel ſaß indeſſen immer in Arreſt; aber
nachdem die Leute kaltbluͤtiger geworden waren,
fingen ſchon Viele unter den Buͤrgern und Solda-
ten an, ihn fuͤr unſchuldig zu erkennen, und das
harte Verfahren wider ihn auf den Haß zu ſchieben,
womit Laubadere ihn verfolgte. Laubadere
verlangte demnach, daß man die Sache nach Pa-
ris ſchicken ſollte: allein das Conſeil de défenſe
wendete dawider ein, daß dieſes nicht anginge,
weil die Briefſchaften vom Feinde aufgefangen
werden koͤnnten, wodurch denn dieſer nothwendig
von Landau's ganzer innern Lage unterrichtet wer-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0054" n="50"/>
      <div n="1">
        <head>Fu&#x0364;nftes Kapitel.</head><lb/>
        <p><hi rendition="#g">Fernere Begebenheiten in Landau</hi>.</p><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <p><hi rendition="#in">V</hi>on die&#x017F;er Zeit an ließ der Kronprinz von Preu-<lb/>
ßen, der auf meine Vermittelung vielleicht mehr<lb/>
rechnete, als meine be&#x017F;chriebene Lage &#x017F;ie zuließ,<lb/>
Landau beynahe ta&#x0364;glich durch Trompeter zur Ueber-<lb/>
gabe auffodern, erhielt aber immer die Antwort:<lb/>
daß man Ent&#x017F;atz erwarte und das Aeußer&#x017F;te daran<lb/>
wagen wolle, die&#x017F;e wichtige Fe&#x017F;tung dem Frey-<lb/>
&#x017F;taate zu erhalten.</p><lb/>
        <p><hi rendition="#g">Dentzel</hi> &#x017F;aß inde&#x017F;&#x017F;en immer in Arre&#x017F;t; aber<lb/>
nachdem die Leute kaltblu&#x0364;tiger geworden waren,<lb/>
fingen &#x017F;chon Viele unter den Bu&#x0364;rgern und Solda-<lb/>
ten an, ihn fu&#x0364;r un&#x017F;chuldig zu erkennen, und das<lb/>
harte Verfahren wider ihn auf den Haß zu &#x017F;chieben,<lb/>
womit <hi rendition="#g">Laubadere</hi> ihn verfolgte. <hi rendition="#g">Laubadere</hi><lb/>
verlangte demnach, daß man die Sache nach Pa-<lb/>
ris &#x017F;chicken &#x017F;ollte: allein das <hi rendition="#aq">Con&#x017F;eil de défen&#x017F;e</hi><lb/>
wendete dawider ein, daß die&#x017F;es nicht anginge,<lb/>
weil die Brief&#x017F;chaften vom Feinde aufgefangen<lb/>
werden ko&#x0364;nnten, wodurch denn die&#x017F;er nothwendig<lb/>
von Landau's ganzer innern Lage unterrichtet wer-<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[50/0054] Fuͤnftes Kapitel. Fernere Begebenheiten in Landau. Von dieſer Zeit an ließ der Kronprinz von Preu- ßen, der auf meine Vermittelung vielleicht mehr rechnete, als meine beſchriebene Lage ſie zuließ, Landau beynahe taͤglich durch Trompeter zur Ueber- gabe auffodern, erhielt aber immer die Antwort: daß man Entſatz erwarte und das Aeußerſte daran wagen wolle, dieſe wichtige Feſtung dem Frey- ſtaate zu erhalten. Dentzel ſaß indeſſen immer in Arreſt; aber nachdem die Leute kaltbluͤtiger geworden waren, fingen ſchon Viele unter den Buͤrgern und Solda- ten an, ihn fuͤr unſchuldig zu erkennen, und das harte Verfahren wider ihn auf den Haß zu ſchieben, womit Laubadere ihn verfolgte. Laubadere verlangte demnach, daß man die Sache nach Pa- ris ſchicken ſollte: allein das Conſeil de défenſe wendete dawider ein, daß dieſes nicht anginge, weil die Briefſchaften vom Feinde aufgefangen werden koͤnnten, wodurch denn dieſer nothwendig von Landau's ganzer innern Lage unterrichtet wer-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben0401_1797
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben0401_1797/54
Zitationshilfe: Laukhard, Friedrich Christian: F. C. Laukhards Leben und Schicksale. Bd. 4,1. Leipzig, 1797, S. 50. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/laukhard_leben0401_1797/54>, abgerufen am 18.07.2019.