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Lavater, Johann Caspar: Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe. Bd. 2. Leipzig u. a., 1776.

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Einleitung.

Mit Zittern und Beben, mit Hoffnung und Wonne fang' ich den zweyten Theil dieser phy-
siognomischen Fragmente an.

Warum mit Zittern und Beben? ... Um der großen Erwartungen, der großen Leser wil-
len, mit denen ich mich umringt sehe? -- Jch kann nicht sagen, daß mich das ganz gleichgültig
lasse; daß ich nicht oft in einander fahre, wenn ich mich so dem erlauchten und erleuchteten Pu-
blikum vorgeführt erblicke; -- daß ich nicht oft meine entsetzliche Kleinheit und Dürftigkeit, das
ungeheure Mißverhältniß meiner Kräfte zu der unermeßlichen Arbeit so tief fühle, daß mir kalter
Schweiß über den Leib zu rinnen scheint; allein, das ist's doch nicht eigentlich, was mich am mei-
sten zittern macht. --

Aber
Phys. Fragm. II Versuch. A

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Einleitung.

Mit Zittern und Beben, mit Hoffnung und Wonne fang’ ich den zweyten Theil dieſer phy-
ſiognomiſchen Fragmente an.

Warum mit Zittern und Beben? ... Um der großen Erwartungen, der großen Leſer wil-
len, mit denen ich mich umringt ſehe? — Jch kann nicht ſagen, daß mich das ganz gleichguͤltig
laſſe; daß ich nicht oft in einander fahre, wenn ich mich ſo dem erlauchten und erleuchteten Pu-
blikum vorgefuͤhrt erblicke; — daß ich nicht oft meine entſetzliche Kleinheit und Duͤrftigkeit, das
ungeheure Mißverhaͤltniß meiner Kraͤfte zu der unermeßlichen Arbeit ſo tief fuͤhle, daß mir kalter
Schweiß uͤber den Leib zu rinnen ſcheint; allein, das iſt’s doch nicht eigentlich, was mich am mei-
ſten zittern macht. —

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[[1]/0015] [Abbildung] Einleitung. Mit Zittern und Beben, mit Hoffnung und Wonne fang’ ich den zweyten Theil dieſer phy- ſiognomiſchen Fragmente an. Warum mit Zittern und Beben? ... Um der großen Erwartungen, der großen Leſer wil- len, mit denen ich mich umringt ſehe? — Jch kann nicht ſagen, daß mich das ganz gleichguͤltig laſſe; daß ich nicht oft in einander fahre, wenn ich mich ſo dem erlauchten und erleuchteten Pu- blikum vorgefuͤhrt erblicke; — daß ich nicht oft meine entſetzliche Kleinheit und Duͤrftigkeit, das ungeheure Mißverhaͤltniß meiner Kraͤfte zu der unermeßlichen Arbeit ſo tief fuͤhle, daß mir kalter Schweiß uͤber den Leib zu rinnen ſcheint; allein, das iſt’s doch nicht eigentlich, was mich am mei- ſten zittern macht. — Aber Phyſ. Fragm. II Verſuch. A

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Zitationshilfe: Lavater, Johann Caspar: Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe. Bd. 2. Leipzig u. a., 1776, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lavater_fragmente02_1776/15>, abgerufen am 22.05.2019.