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Lavater, Johann Caspar: Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe. Bd. 2. Leipzig u. a., 1776.

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Fünf und dreyßigstes Fragment.
Elephanten, Rinozeros, Hippopotamus u. s. w.

Elephant 1. und 2. im Auge feine Klugheit -- mit empfindlichen Muskeln umkränzt.

Jm ganzen Körper, besonders im Rüssel, am besondersten vornen am Finger des Rüssels,
äusserste Gelenksamkeit.

Seine erhabene gewölbte Stirn zeuget von dem Vorzuge seines Verstandes vor allen
andern vierfüßigen Thieren -- besonders von seinem starken Gedächtnisse.

Das Gewaltsame seines Charakters drückt sich in der Menge und Größe, das Feine in
der Rundung und Gewölbtheit seiner Knochen, das Weichliche in der Masse des Fleisches --
das Kluglistige in der weichen Gelenksamkeit seiner Natur aus.

Das Nashorn 3. und 4. grob, plump, unempfindlich, weniger reizbar, -- unedles
Aussehen, ein stumpfes Thier; von der Stirne zum Nashorn unedler, erniedrigender Einbug.
Schwache Schweinsaugen. Lappichter Mund. Vermöge seines Gewichtes im Zorne nicht grau-
sam, mehr dumm -- hornstößig -- unflätig.

Wie geduldig dagegen das Cameel 5. und 6. wie gemacht, Lasten zu tragen!

7. Hippopotamus, Nilpferd, Behemoth -- Sein Rachen die Hölle -- Seine
Zähne -- Hacken -- Ein Gespennst! --

8. Büffelochse. Eigensinn und Dummheit mit Stärke verbunden -- und fauler Geil-
heit im Blicke und Munde.



Sechs
Fuͤnf und dreyßigſtes Fragment.
Elephanten, Rinozeros, Hippopotamus u. ſ. w.

Elephant 1. und 2. im Auge feine Klugheit — mit empfindlichen Muskeln umkraͤnzt.

Jm ganzen Koͤrper, beſonders im Ruͤſſel, am beſonderſten vornen am Finger des Ruͤſſels,
aͤuſſerſte Gelenkſamkeit.

Seine erhabene gewoͤlbte Stirn zeuget von dem Vorzuge ſeines Verſtandes vor allen
andern vierfuͤßigen Thieren — beſonders von ſeinem ſtarken Gedaͤchtniſſe.

Das Gewaltſame ſeines Charakters druͤckt ſich in der Menge und Groͤße, das Feine in
der Rundung und Gewoͤlbtheit ſeiner Knochen, das Weichliche in der Maſſe des Fleiſches —
das Klugliſtige in der weichen Gelenkſamkeit ſeiner Natur aus.

Das Nashorn 3. und 4. grob, plump, unempfindlich, weniger reizbar, — unedles
Ausſehen, ein ſtumpfes Thier; von der Stirne zum Nashorn unedler, erniedrigender Einbug.
Schwache Schweinsaugen. Lappichter Mund. Vermoͤge ſeines Gewichtes im Zorne nicht grau-
ſam, mehr dumm — hornſtoͤßig — unflaͤtig.

Wie geduldig dagegen das Cameel 5. und 6. wie gemacht, Laſten zu tragen!

7. Hippopotamus, Nilpferd, Behemoth — Sein Rachen die Hoͤlle — Seine
Zaͤhne — Hacken — Ein Geſpennſt! —

8. Buͤffelochſe. Eigenſinn und Dummheit mit Staͤrke verbunden — und fauler Geil-
heit im Blicke und Munde.



Sechs
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[280/0496] Fuͤnf und dreyßigſtes Fragment. Elephanten, Rinozeros, Hippopotamus u. ſ. w. Elephant 1. und 2. im Auge feine Klugheit — mit empfindlichen Muskeln umkraͤnzt. Jm ganzen Koͤrper, beſonders im Ruͤſſel, am beſonderſten vornen am Finger des Ruͤſſels, aͤuſſerſte Gelenkſamkeit. Seine erhabene gewoͤlbte Stirn zeuget von dem Vorzuge ſeines Verſtandes vor allen andern vierfuͤßigen Thieren — beſonders von ſeinem ſtarken Gedaͤchtniſſe. Das Gewaltſame ſeines Charakters druͤckt ſich in der Menge und Groͤße, das Feine in der Rundung und Gewoͤlbtheit ſeiner Knochen, das Weichliche in der Maſſe des Fleiſches — das Klugliſtige in der weichen Gelenkſamkeit ſeiner Natur aus. Das Nashorn 3. und 4. grob, plump, unempfindlich, weniger reizbar, — unedles Ausſehen, ein ſtumpfes Thier; von der Stirne zum Nashorn unedler, erniedrigender Einbug. Schwache Schweinsaugen. Lappichter Mund. Vermoͤge ſeines Gewichtes im Zorne nicht grau- ſam, mehr dumm — hornſtoͤßig — unflaͤtig. Wie geduldig dagegen das Cameel 5. und 6. wie gemacht, Laſten zu tragen! 7. Hippopotamus, Nilpferd, Behemoth — Sein Rachen die Hoͤlle — Seine Zaͤhne — Hacken — Ein Geſpennſt! — 8. Buͤffelochſe. Eigenſinn und Dummheit mit Staͤrke verbunden — und fauler Geil- heit im Blicke und Munde. Sechs

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Zitationshilfe: Lavater, Johann Caspar: Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe. Bd. 2. Leipzig u. a., 1776, S. 280. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lavater_fragmente02_1776/496>, abgerufen am 22.11.2019.