Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lavater, Johann Caspar: Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe. Bd. 4. Leipzig u. a., 1778.

Bild:
<< vorherige Seite
Auszüge aus andern.
b) Aus einem Briefe von Herrn Füeßlin aus Preßburg.

"Meine Beobachtungen," schreibt mir dieser große Zeichner und Menschenkenner, "sind
"nicht nur auf die Gesichtsbildungen der Nationen gegangen; sondern ich bin auch ganz überzeugt,
[Spaltenumbruch]

und
und dann, was allen von diesem Charakter gemein ist,
herausgehoben!) "Die Mohren aus Guinea haben
"sehr wenig Verstand, und kein Gedächtniß, und können
"bisweilen nicht über drey zählen. So wenig Verstand
"indessen die Mohren haben, so fehlt es ihnen doch
"nicht an einer starken sinnlichen Empfindung. --
"Sie haben ein gutes Herz und den Saamen aller Tu-
"genden. -- Alle Hottentotten haben eine sehr platte
"und breite Nase; sie würden solche aber nicht haben,
"wofern es nicht die Mütter für eine Schuldigkeit hiel-
"ten, ihren Kindern kurz nach der Geburt die Nase
"platt zu drücken." (Es läßt sich wohl nicht so schlecht-
weg sagen: sie würdens nicht haben! -- Man muß
die Form des Kopfes, so wie sie sich natürlich bildet,
zur Basis von der Form der Nase setzen. Es giebt
offenbar Schädelformen, wo die Nase natürlicher Weise
platt ist; und Formen, bey denen sie, äußerste Gewalt-
thätigkeit ausgenommen, nicht platt gedrückt werden
kann. Und selber diese Gewohnheit, die Nase platt
zu drücken, ist vielleicht als ein Beweis anzusehen,
daß diese Form diesen Menschen natürlicher ist, als
jede andre.) -- "Sie haben auch sehr dicke Lefzen, und
"insonderheit ist die obere so beschaffen. Jhre Augen
"sind sehr weiß und die Augenbraunen dicke: daneben
"haben sie einen großen Kopf, einen magern Leib und
"kleine Glieder. Die Einwohner von Canada -- und
"diesen Enden sind insgesammt groß und stark von
"Gliedern und Kräften, und ziemlich wohlgestalt;
"sie haben alle schwarze Haare und Augen, sehr weiße
"Zähne, eine braune Gesichtsfarbe, einen kleinen Bart,
"und fast gar keine Haare auf einem andern Theile des
[Spaltenumbruch] "Leibes; sie sind zu schwerer Arbeit abgehärtet, auf
"großen Reisen unermüdet und sehr behende zum Lau-
"fen. Sie leiden itzt Hunger; dann sind sie unmä-
"ßig -- hochmüthig, herzhaft, und wissen sich zu mä-
"ßigen. Endlich befindet sich eine solche Aehnlichkeit
"zwischen ihnen und den morgenländischen Tartarn in
"der Farbe der Haut, der Augen und des Gesichts;
"ferner in Ansehung des kleinen Bartes und ihrer
"wenigen Haare, ingleichen, was ihre Gemüthsnei-
"gungen und Sitten betrifft,
daß man glauben wür-
"de, sie stammten von dieser Nation her, wenn man
"sie nicht als Leute ansähe, die von einander durch ein
"großes Meer abgesondert sind. Sie wohnen auch
"unter eben demselben Grade der Breite; und dieß be-
"weiset ebenfalls, was für einen Einfluß der Himmels-
"strich in die Farbe und die Gestalt" -- und hiemit
auch in den Charakter, den Geist und die Sitten --
"der Menschen habe."
2) Aus einer sehr lesenswürdigen Abhandlung Herrn
Professors Kant in Königsberg, die sich in Engels
Philosophen für die Welt
II. Theil von S. 125 bis 165.
befindet, nur einige der merkwürdigsten Stellen:


"S. 131. Auf der Möglichkeit, durch sorgfältige
"Aussonderung der ausartenden Geburten von den ein-
"schlagenden endlich einen dauerhaften Familienschlag
"zu errichten, beruhte die Meynung des Herrn von
"Maupertuis; einen von Natur edeln Schlag Men-
"schen in irgend einer Provinz zu ziehen, worinn Ver-
"stand, Tüchtigkeit und Rechtschaffenheit erblich wären.
"Ein Anschlag, der, meiner Meynung nach, zwar thun-
"lich,
M m 2
Auszuͤge aus andern.
b) Aus einem Briefe von Herrn Fuͤeßlin aus Preßburg.

„Meine Beobachtungen,“ ſchreibt mir dieſer große Zeichner und Menſchenkenner, „ſind
„nicht nur auf die Geſichtsbildungen der Nationen gegangen; ſondern ich bin auch ganz uͤberzeugt,
[Spaltenumbruch]

und
und dann, was allen von dieſem Charakter gemein iſt,
herausgehoben!) „Die Mohren aus Guinea haben
„ſehr wenig Verſtand, und kein Gedaͤchtniß, und koͤnnen
„bisweilen nicht uͤber drey zaͤhlen. So wenig Verſtand
„indeſſen die Mohren haben, ſo fehlt es ihnen doch
„nicht an einer ſtarken ſinnlichen Empfindung. —
„Sie haben ein gutes Herz und den Saamen aller Tu-
„genden. — Alle Hottentotten haben eine ſehr platte
„und breite Naſe; ſie wuͤrden ſolche aber nicht haben,
„wofern es nicht die Muͤtter fuͤr eine Schuldigkeit hiel-
„ten, ihren Kindern kurz nach der Geburt die Naſe
„platt zu druͤcken.“ (Es laͤßt ſich wohl nicht ſo ſchlecht-
weg ſagen: ſie wuͤrdens nicht haben! — Man muß
die Form des Kopfes, ſo wie ſie ſich natuͤrlich bildet,
zur Baſis von der Form der Naſe ſetzen. Es giebt
offenbar Schaͤdelformen, wo die Naſe natuͤrlicher Weiſe
platt iſt; und Formen, bey denen ſie, aͤußerſte Gewalt-
thaͤtigkeit ausgenommen, nicht platt gedruͤckt werden
kann. Und ſelber dieſe Gewohnheit, die Naſe platt
zu druͤcken, iſt vielleicht als ein Beweis anzuſehen,
daß dieſe Form dieſen Menſchen natuͤrlicher iſt, als
jede andre.) — „Sie haben auch ſehr dicke Lefzen, und
„inſonderheit iſt die obere ſo beſchaffen. Jhre Augen
„ſind ſehr weiß und die Augenbraunen dicke: daneben
„haben ſie einen großen Kopf, einen magern Leib und
„kleine Glieder. Die Einwohner von Canada — und
„dieſen Enden ſind insgeſammt groß und ſtark von
„Gliedern und Kraͤften, und ziemlich wohlgeſtalt;
„ſie haben alle ſchwarze Haare und Augen, ſehr weiße
„Zaͤhne, eine braune Geſichtsfarbe, einen kleinen Bart,
„und faſt gar keine Haare auf einem andern Theile des
[Spaltenumbruch] „Leibes; ſie ſind zu ſchwerer Arbeit abgehaͤrtet, auf
„großen Reiſen unermuͤdet und ſehr behende zum Lau-
„fen. Sie leiden itzt Hunger; dann ſind ſie unmaͤ-
„ßig — hochmuͤthig, herzhaft, und wiſſen ſich zu maͤ-
„ßigen. Endlich befindet ſich eine ſolche Aehnlichkeit
„zwiſchen ihnen und den morgenlaͤndiſchen Tartarn in
„der Farbe der Haut, der Augen und des Geſichts;
„ferner in Anſehung des kleinen Bartes und ihrer
„wenigen Haare, ingleichen, was ihre Gemuͤthsnei-
„gungen und Sitten betrifft,
daß man glauben wuͤr-
„de, ſie ſtammten von dieſer Nation her, wenn man
„ſie nicht als Leute anſaͤhe, die von einander durch ein
„großes Meer abgeſondert ſind. Sie wohnen auch
„unter eben demſelben Grade der Breite; und dieß be-
„weiſet ebenfalls, was fuͤr einen Einfluß der Himmels-
„ſtrich in die Farbe und die Geſtalt“ — und hiemit
auch in den Charakter, den Geiſt und die Sitten —
„der Menſchen habe.“
2) Aus einer ſehr leſenswuͤrdigen Abhandlung Herrn
Profeſſors Kant in Koͤnigsberg, die ſich in Engels
Philoſophen fuͤr die Welt
II. Theil von S. 125 bis 165.
befindet, nur einige der merkwuͤrdigſten Stellen:


„S. 131. Auf der Moͤglichkeit, durch ſorgfaͤltige
„Ausſonderung der ausartenden Geburten von den ein-
„ſchlagenden endlich einen dauerhaften Familienſchlag
„zu errichten, beruhte die Meynung des Herrn von
Maupertuis; einen von Natur edeln Schlag Men-
„ſchen in irgend einer Provinz zu ziehen, worinn Ver-
„ſtand, Tuͤchtigkeit und Rechtſchaffenheit erblich waͤren.
„Ein Anſchlag, der, meiner Meynung nach, zwar thun-
„lich,
M m 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0315" n="275"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Auszu&#x0364;ge aus andern.</hi> </fw><lb/>
            <div n="4">
              <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">b)</hi> Aus einem Briefe von Herrn Fu&#x0364;eßlin aus Preßburg.</hi> </head><lb/>
              <p>&#x201E;Meine Beobachtungen,&#x201C; &#x017F;chreibt mir die&#x017F;er große Zeichner und Men&#x017F;chenkenner, &#x201E;&#x017F;ind<lb/>
&#x201E;nicht nur auf die Ge&#x017F;ichtsbildungen der Nationen gegangen; &#x017F;ondern ich bin auch ganz u&#x0364;berzeugt,<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">M m 2</fw><fw place="bottom" type="catch">und</fw><lb/><cb/>
<note next="#a39" xml:id="a38" prev="#a37" place="foot" n="1)">und dann, was allen von die&#x017F;em Charakter gemein i&#x017F;t,<lb/>
herausgehoben!) &#x201E;Die Mohren aus <hi rendition="#fr">Guinea</hi> haben<lb/>
&#x201E;&#x017F;ehr wenig Ver&#x017F;tand, und kein Geda&#x0364;chtniß, und ko&#x0364;nnen<lb/>
&#x201E;bisweilen nicht u&#x0364;ber drey za&#x0364;hlen. So wenig Ver&#x017F;tand<lb/>
&#x201E;inde&#x017F;&#x017F;en die Mohren haben, &#x017F;o fehlt es ihnen doch<lb/>
&#x201E;nicht an einer &#x017F;tarken &#x017F;innlichen Empfindung. &#x2014;<lb/>
&#x201E;Sie haben ein gutes Herz und den Saamen aller Tu-<lb/>
&#x201E;genden. &#x2014; Alle <hi rendition="#fr">Hottentotten</hi> haben eine &#x017F;ehr platte<lb/>
&#x201E;und breite Na&#x017F;e; &#x017F;ie wu&#x0364;rden &#x017F;olche aber nicht haben,<lb/>
&#x201E;wofern es nicht die Mu&#x0364;tter fu&#x0364;r eine Schuldigkeit hiel-<lb/>
&#x201E;ten, ihren Kindern kurz nach der Geburt die Na&#x017F;e<lb/>
&#x201E;platt zu dru&#x0364;cken.&#x201C; (Es la&#x0364;ßt &#x017F;ich wohl nicht &#x017F;o &#x017F;chlecht-<lb/>
weg &#x017F;agen: &#x017F;ie wu&#x0364;rdens nicht haben! &#x2014; Man muß<lb/>
die Form des Kopfes, &#x017F;o wie &#x017F;ie &#x017F;ich natu&#x0364;rlich bildet,<lb/>
zur Ba&#x017F;is von der Form der Na&#x017F;e &#x017F;etzen. Es giebt<lb/>
offenbar Scha&#x0364;delformen, wo die Na&#x017F;e natu&#x0364;rlicher Wei&#x017F;e<lb/>
platt i&#x017F;t; und Formen, bey denen &#x017F;ie, a&#x0364;ußer&#x017F;te Gewalt-<lb/>
tha&#x0364;tigkeit ausgenommen, nicht platt gedru&#x0364;ckt werden<lb/>
kann. Und &#x017F;elber die&#x017F;e Gewohnheit, die Na&#x017F;e platt<lb/>
zu dru&#x0364;cken, i&#x017F;t vielleicht als ein Beweis anzu&#x017F;ehen,<lb/>
daß die&#x017F;e Form die&#x017F;en Men&#x017F;chen natu&#x0364;rlicher i&#x017F;t, als<lb/>
jede andre.) &#x2014; &#x201E;Sie haben auch &#x017F;ehr dicke Lefzen, und<lb/>
&#x201E;in&#x017F;onderheit i&#x017F;t die obere &#x017F;o be&#x017F;chaffen. Jhre Augen<lb/>
&#x201E;&#x017F;ind &#x017F;ehr weiß und die Augenbraunen dicke: daneben<lb/>
&#x201E;haben &#x017F;ie einen großen Kopf, einen magern Leib und<lb/>
&#x201E;kleine Glieder. Die Einwohner von <hi rendition="#fr">Canada</hi> &#x2014; und<lb/>
&#x201E;die&#x017F;en Enden &#x017F;ind insge&#x017F;ammt groß und &#x017F;tark von<lb/>
&#x201E;Gliedern und Kra&#x0364;ften, und ziemlich wohlge&#x017F;talt;<lb/>
&#x201E;&#x017F;ie haben alle &#x017F;chwarze Haare und Augen, &#x017F;ehr weiße<lb/>
&#x201E;Za&#x0364;hne, eine braune Ge&#x017F;ichtsfarbe, einen kleinen Bart,<lb/>
&#x201E;und fa&#x017F;t gar keine Haare auf einem andern Theile des<lb/><cb/>
&#x201E;Leibes; &#x017F;ie &#x017F;ind zu &#x017F;chwerer Arbeit abgeha&#x0364;rtet, auf<lb/>
&#x201E;großen Rei&#x017F;en unermu&#x0364;det und &#x017F;ehr behende zum Lau-<lb/>
&#x201E;fen. Sie leiden itzt Hunger; dann &#x017F;ind &#x017F;ie unma&#x0364;-<lb/>
&#x201E;ßig &#x2014; hochmu&#x0364;thig, herzhaft, und wi&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ich zu ma&#x0364;-<lb/>
&#x201E;ßigen. Endlich befindet &#x017F;ich eine &#x017F;olche Aehnlichkeit<lb/>
&#x201E;zwi&#x017F;chen ihnen und den morgenla&#x0364;ndi&#x017F;chen Tartarn in<lb/>
&#x201E;der Farbe der Haut, der Augen und des Ge&#x017F;ichts;<lb/>
&#x201E;ferner in An&#x017F;ehung des kleinen Bartes und ihrer<lb/>
&#x201E;wenigen Haare, <hi rendition="#fr">ingleichen, was ihre Gemu&#x0364;thsnei-<lb/>
&#x201E;gungen und Sitten betrifft,</hi> daß man glauben wu&#x0364;r-<lb/>
&#x201E;de, &#x017F;ie &#x017F;tammten von die&#x017F;er Nation her, wenn man<lb/>
&#x201E;&#x017F;ie nicht als Leute an&#x017F;a&#x0364;he, die von einander durch ein<lb/>
&#x201E;großes Meer abge&#x017F;ondert &#x017F;ind. Sie wohnen auch<lb/>
&#x201E;unter eben dem&#x017F;elben Grade der Breite; und dieß be-<lb/>
&#x201E;wei&#x017F;et ebenfalls, was fu&#x0364;r einen Einfluß der Himmels-<lb/>
&#x201E;&#x017F;trich in die Farbe und die Ge&#x017F;talt&#x201C; &#x2014; und hiemit<lb/>
auch in den Charakter, den Gei&#x017F;t und die Sitten &#x2014;<lb/>
&#x201E;der Men&#x017F;chen habe.&#x201C;<lb/>
2) Aus einer &#x017F;ehr le&#x017F;enswu&#x0364;rdigen Abhandlung Herrn<lb/>
Profe&#x017F;&#x017F;ors <hi rendition="#fr">Kant</hi> in Ko&#x0364;nigsberg, die &#x017F;ich in <hi rendition="#fr">Engels<lb/>
Philo&#x017F;ophen fu&#x0364;r die Welt</hi> <hi rendition="#aq">II.</hi> Theil von S. 125 bis 165.<lb/>
befindet, nur einige der merkwu&#x0364;rdig&#x017F;ten Stellen:<lb/><milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
&#x201E;S. 131. Auf der Mo&#x0364;glichkeit, durch &#x017F;orgfa&#x0364;ltige<lb/>
&#x201E;Aus&#x017F;onderung der ausartenden Geburten von den ein-<lb/>
&#x201E;&#x017F;chlagenden endlich einen dauerhaften Familien&#x017F;chlag<lb/>
&#x201E;zu errichten, beruhte die Meynung des Herrn von<lb/>
&#x201E;<hi rendition="#fr">Maupertuis;</hi> einen von Natur edeln Schlag Men-<lb/>
&#x201E;&#x017F;chen in irgend einer Provinz zu ziehen, worinn Ver-<lb/>
&#x201E;&#x017F;tand, Tu&#x0364;chtigkeit und Recht&#x017F;chaffenheit erblich wa&#x0364;ren.<lb/>
&#x201E;Ein An&#x017F;chlag, der, meiner Meynung nach, zwar thun-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">&#x201E;lich,</fw></note><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[275/0315] Auszuͤge aus andern. b) Aus einem Briefe von Herrn Fuͤeßlin aus Preßburg. „Meine Beobachtungen,“ ſchreibt mir dieſer große Zeichner und Menſchenkenner, „ſind „nicht nur auf die Geſichtsbildungen der Nationen gegangen; ſondern ich bin auch ganz uͤberzeugt, und 1) 1) und dann, was allen von dieſem Charakter gemein iſt, herausgehoben!) „Die Mohren aus Guinea haben „ſehr wenig Verſtand, und kein Gedaͤchtniß, und koͤnnen „bisweilen nicht uͤber drey zaͤhlen. So wenig Verſtand „indeſſen die Mohren haben, ſo fehlt es ihnen doch „nicht an einer ſtarken ſinnlichen Empfindung. — „Sie haben ein gutes Herz und den Saamen aller Tu- „genden. — Alle Hottentotten haben eine ſehr platte „und breite Naſe; ſie wuͤrden ſolche aber nicht haben, „wofern es nicht die Muͤtter fuͤr eine Schuldigkeit hiel- „ten, ihren Kindern kurz nach der Geburt die Naſe „platt zu druͤcken.“ (Es laͤßt ſich wohl nicht ſo ſchlecht- weg ſagen: ſie wuͤrdens nicht haben! — Man muß die Form des Kopfes, ſo wie ſie ſich natuͤrlich bildet, zur Baſis von der Form der Naſe ſetzen. Es giebt offenbar Schaͤdelformen, wo die Naſe natuͤrlicher Weiſe platt iſt; und Formen, bey denen ſie, aͤußerſte Gewalt- thaͤtigkeit ausgenommen, nicht platt gedruͤckt werden kann. Und ſelber dieſe Gewohnheit, die Naſe platt zu druͤcken, iſt vielleicht als ein Beweis anzuſehen, daß dieſe Form dieſen Menſchen natuͤrlicher iſt, als jede andre.) — „Sie haben auch ſehr dicke Lefzen, und „inſonderheit iſt die obere ſo beſchaffen. Jhre Augen „ſind ſehr weiß und die Augenbraunen dicke: daneben „haben ſie einen großen Kopf, einen magern Leib und „kleine Glieder. Die Einwohner von Canada — und „dieſen Enden ſind insgeſammt groß und ſtark von „Gliedern und Kraͤften, und ziemlich wohlgeſtalt; „ſie haben alle ſchwarze Haare und Augen, ſehr weiße „Zaͤhne, eine braune Geſichtsfarbe, einen kleinen Bart, „und faſt gar keine Haare auf einem andern Theile des „Leibes; ſie ſind zu ſchwerer Arbeit abgehaͤrtet, auf „großen Reiſen unermuͤdet und ſehr behende zum Lau- „fen. Sie leiden itzt Hunger; dann ſind ſie unmaͤ- „ßig — hochmuͤthig, herzhaft, und wiſſen ſich zu maͤ- „ßigen. Endlich befindet ſich eine ſolche Aehnlichkeit „zwiſchen ihnen und den morgenlaͤndiſchen Tartarn in „der Farbe der Haut, der Augen und des Geſichts; „ferner in Anſehung des kleinen Bartes und ihrer „wenigen Haare, ingleichen, was ihre Gemuͤthsnei- „gungen und Sitten betrifft, daß man glauben wuͤr- „de, ſie ſtammten von dieſer Nation her, wenn man „ſie nicht als Leute anſaͤhe, die von einander durch ein „großes Meer abgeſondert ſind. Sie wohnen auch „unter eben demſelben Grade der Breite; und dieß be- „weiſet ebenfalls, was fuͤr einen Einfluß der Himmels- „ſtrich in die Farbe und die Geſtalt“ — und hiemit auch in den Charakter, den Geiſt und die Sitten — „der Menſchen habe.“ 2) Aus einer ſehr leſenswuͤrdigen Abhandlung Herrn Profeſſors Kant in Koͤnigsberg, die ſich in Engels Philoſophen fuͤr die Welt II. Theil von S. 125 bis 165. befindet, nur einige der merkwuͤrdigſten Stellen: „S. 131. Auf der Moͤglichkeit, durch ſorgfaͤltige „Ausſonderung der ausartenden Geburten von den ein- „ſchlagenden endlich einen dauerhaften Familienſchlag „zu errichten, beruhte die Meynung des Herrn von „Maupertuis; einen von Natur edeln Schlag Men- „ſchen in irgend einer Provinz zu ziehen, worinn Ver- „ſtand, Tuͤchtigkeit und Rechtſchaffenheit erblich waͤren. „Ein Anſchlag, der, meiner Meynung nach, zwar thun- „lich, M m 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lavater_fragmente04_1778
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lavater_fragmente04_1778/315
Zitationshilfe: Lavater, Johann Caspar: Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe. Bd. 4. Leipzig u. a., 1778, S. 275. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lavater_fragmente04_1778/315>, abgerufen am 20.05.2019.