Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lavater, Johann Caspar: Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe. Bd. 4. Leipzig u. a., 1778.

Bild:
<< vorherige Seite
IX. Abschnitt. III. Fragment. Christusbilder.
P. Die sieben Worte am Kreuze.
[Abbildung]

Die Form der wenigsten dieser Köpfe hat etwas hohes. -- Etwas weniges haben 4. und 5.

Der Mund, der um Vergebung fleht, ist zu fade.

Zu süß und untheilnehmend, weder leidend genug, noch beseligend genug der Mund des
Begnadigers. So auch der dritte hat etwas sehr gemeines.

Am wahresten ist der vierte und fünfte -- aber durchaus unwahr der sechste --

Der ruft nicht, am Ende, am Ende der heißen Laufbahn -- vollbracht! So wenig der sie-
bente
mit der lauten, mächtigen Stimme, dessen, dem niemand sein Leben nehmen kann, son-
dern der es freywillig von sich selber läßt
-- mit dem vollen Bewußtseyn, daß sein Wort That
ist, ausruft -- Vater! in deine Hände befehl ich meinen Geist.

[Abbildung]

Des
IX. Abſchnitt. III. Fragment. Chriſtusbilder.
P. Die ſieben Worte am Kreuze.
[Abbildung]

Die Form der wenigſten dieſer Koͤpfe hat etwas hohes. — Etwas weniges haben 4. und 5.

Der Mund, der um Vergebung fleht, iſt zu fade.

Zu ſuͤß und untheilnehmend, weder leidend genug, noch beſeligend genug der Mund des
Begnadigers. So auch der dritte hat etwas ſehr gemeines.

Am wahreſten iſt der vierte und fuͤnfte — aber durchaus unwahr der ſechste —

Der ruft nicht, am Ende, am Ende der heißen Laufbahn — vollbracht! So wenig der ſie-
bente
mit der lauten, maͤchtigen Stimme, deſſen, dem niemand ſein Leben nehmen kann, ſon-
dern der es freywillig von ſich ſelber laͤßt
— mit dem vollen Bewußtſeyn, daß ſein Wort That
iſt, ausruft — Vater! in deine Haͤnde befehl ich meinen Geiſt.

[Abbildung]

Des
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0600" n="456"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">IX.</hi> Ab&#x017F;chnitt. <hi rendition="#aq">III.</hi> Fragment. Chri&#x017F;tusbilder.</hi> </fw><lb/>
            <div n="4">
              <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">P.</hi> Die &#x017F;ieben Worte am Kreuze.</hi> </head><lb/>
              <figure/>
              <p><hi rendition="#in">D</hi>ie <hi rendition="#fr">Form</hi> der wenig&#x017F;ten die&#x017F;er Ko&#x0364;pfe hat etwas hohes. &#x2014; Etwas weniges haben 4. und 5.</p><lb/>
              <p>Der Mund, der um Vergebung fleht, i&#x017F;t zu fade.</p><lb/>
              <p>Zu &#x017F;u&#x0364;ß und untheilnehmend, weder leidend genug, noch be&#x017F;eligend genug der Mund des<lb/>
Begnadigers. So auch der <hi rendition="#fr">dritte</hi> hat etwas &#x017F;ehr gemeines.</p><lb/>
              <p>Am wahre&#x017F;ten i&#x017F;t der <hi rendition="#fr">vierte</hi> und <hi rendition="#fr">fu&#x0364;nfte</hi> &#x2014; aber durchaus unwahr der &#x017F;echste &#x2014;</p><lb/>
              <p>Der ruft nicht, am Ende, am Ende der heißen Laufbahn &#x2014; <hi rendition="#fr">vollbracht!</hi> So wenig der <hi rendition="#fr">&#x017F;ie-<lb/>
bente</hi> mit der lauten, ma&#x0364;chtigen Stimme, de&#x017F;&#x017F;en, <hi rendition="#fr">dem niemand &#x017F;ein Leben nehmen kann, &#x017F;on-<lb/>
dern der es freywillig von &#x017F;ich &#x017F;elber la&#x0364;ßt</hi> &#x2014; mit dem vollen Bewußt&#x017F;eyn, daß &#x017F;ein Wort That<lb/>
i&#x017F;t, ausruft &#x2014; <hi rendition="#fr">Vater! in deine Ha&#x0364;nde befehl ich meinen Gei&#x017F;t.</hi></p><lb/>
              <figure/>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
      <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#b">Des</hi> </fw><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[456/0600] IX. Abſchnitt. III. Fragment. Chriſtusbilder. P. Die ſieben Worte am Kreuze. [Abbildung] Die Form der wenigſten dieſer Koͤpfe hat etwas hohes. — Etwas weniges haben 4. und 5. Der Mund, der um Vergebung fleht, iſt zu fade. Zu ſuͤß und untheilnehmend, weder leidend genug, noch beſeligend genug der Mund des Begnadigers. So auch der dritte hat etwas ſehr gemeines. Am wahreſten iſt der vierte und fuͤnfte — aber durchaus unwahr der ſechste — Der ruft nicht, am Ende, am Ende der heißen Laufbahn — vollbracht! So wenig der ſie- bente mit der lauten, maͤchtigen Stimme, deſſen, dem niemand ſein Leben nehmen kann, ſon- dern der es freywillig von ſich ſelber laͤßt — mit dem vollen Bewußtſeyn, daß ſein Wort That iſt, ausruft — Vater! in deine Haͤnde befehl ich meinen Geiſt. [Abbildung] Des

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lavater_fragmente04_1778
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lavater_fragmente04_1778/600
Zitationshilfe: Lavater, Johann Caspar: Physiognomische Fragmente, zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe. Bd. 4. Leipzig u. a., 1778, S. 456. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lavater_fragmente04_1778/600>, abgerufen am 24.05.2019.