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Lehnert, Josef von u. a.: Die Seehäfen des Weltverkehrs. Bd. 1. Wien, 1891.

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La Valetta.

Im Canale von Malta, also in der schmalen Strasse zwischen
der Südküste von Sicilien und dem afrikanischen Festlande, zwischen
dem östlichen und westlichen Becken des Mittelmeeres, durch welchen
also eine der wichtigsten Schiffahrtsrouten des Mittelmeeres führt,
liegt etwa 85 km vom Cap Passero, dem nächsten Punkt von Sicilien
entfernt, die Inselgruppe Malta, Gozzo und Comino, ein wichtiges und
darum sorgfältig gehütetes Besitzthum Grossbritanniens. Die 180 m
hohe, steil in See abfallende Insel Malta ist bei 32 km Länge und
15·5 km Breite die grösste der Gruppe. An der Nordseite liegt unter
35° 55' nördl. Breite und 40° 31' östl. Länge v. Gr. (Spencer's
Monument) der, wie unser Plan zeigt, fjordartig eingerissene, vielfach
verzweigte und von grossartigen Festungswerken geschützte Hafen von
La Valetta mit der gleichnamigen Hauptstadt des ganzen Inselgebietes.

Neben Gibraltar ist La Valetta, kurzweg Malta genannt, vermöge
der centralen Lage die strategisch bedeutendste Station der Engländer
im Mittelmeere. Dem Auge erscheinen die Inseln völlig vegetations-
los, denn alle Culturen sind zum Schutz gegen die enorme Sommer-
hitze durch hohe Steinmauern eingefasst, mitunter selbst unter das
Bodenniveau eingesenkt und kommen daher landschaftlich gar nicht
zur Geltung. Durch ausserordentlichen Fleiss und Beharrlichkeit gelang
es den Bewohnern, mehr als zwei Drittheile der aus weichem gelben
Kalksteine bestehenden Bodenkruste in fruchtbares Acker- und Garten-
land zu verwandeln, auf dem nun der Segen überaus reicher Ernten
ruht. Getreide, Baumwolle, Früchte, besonders Orangen, Citronen und
Feigen, dann prächtiges Gemüse und frühreife Kartoffel werden in
grossen Mengen gewonnen. Die Bewohner, deren Zahl 162.000 be-
trägt, ungerechnet die englischen Soldaten und deren Familien, erfreuen
sich dank dem reichen Bodenertrage einer ausgesprochenen Wohl-
habenheit. Zahlreiche Ortschaften liegen auf Malta und Gozzo zerstreut;

Die Seehäfen des Weltverkehrs. I. Band. 40
La Valetta.

Im Canale von Malta, also in der schmalen Strasse zwischen
der Südküste von Sicilien und dem afrikanischen Festlande, zwischen
dem östlichen und westlichen Becken des Mittelmeeres, durch welchen
also eine der wichtigsten Schiffahrtsrouten des Mittelmeeres führt,
liegt etwa 85 km vom Cap Passero, dem nächsten Punkt von Sicilien
entfernt, die Inselgruppe Malta, Gozzo und Comino, ein wichtiges und
darum sorgfältig gehütetes Besitzthum Grossbritanniens. Die 180 m
hohe, steil in See abfallende Insel Malta ist bei 32 km Länge und
15·5 km Breite die grösste der Gruppe. An der Nordseite liegt unter
35° 55′ nördl. Breite und 40° 31′ östl. Länge v. Gr. (Spencer’s
Monument) der, wie unser Plan zeigt, fjordartig eingerissene, vielfach
verzweigte und von grossartigen Festungswerken geschützte Hafen von
La Valetta mit der gleichnamigen Hauptstadt des ganzen Inselgebietes.

Neben Gibraltar ist La Valetta, kurzweg Malta genannt, vermöge
der centralen Lage die strategisch bedeutendste Station der Engländer
im Mittelmeere. Dem Auge erscheinen die Inseln völlig vegetations-
los, denn alle Culturen sind zum Schutz gegen die enorme Sommer-
hitze durch hohe Steinmauern eingefasst, mitunter selbst unter das
Bodenniveau eingesenkt und kommen daher landschaftlich gar nicht
zur Geltung. Durch ausserordentlichen Fleiss und Beharrlichkeit gelang
es den Bewohnern, mehr als zwei Drittheile der aus weichem gelben
Kalksteine bestehenden Bodenkruste in fruchtbares Acker- und Garten-
land zu verwandeln, auf dem nun der Segen überaus reicher Ernten
ruht. Getreide, Baumwolle, Früchte, besonders Orangen, Citronen und
Feigen, dann prächtiges Gemüse und frühreife Kartoffel werden in
grossen Mengen gewonnen. Die Bewohner, deren Zahl 162.000 be-
trägt, ungerechnet die englischen Soldaten und deren Familien, erfreuen
sich dank dem reichen Bodenertrage einer ausgesprochenen Wohl-
habenheit. Zahlreiche Ortschaften liegen auf Malta und Gozzo zerstreut;

Die Seehäfen des Weltverkehrs. I. Band. 40
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[[313]/0333] La Valetta. Im Canale von Malta, also in der schmalen Strasse zwischen der Südküste von Sicilien und dem afrikanischen Festlande, zwischen dem östlichen und westlichen Becken des Mittelmeeres, durch welchen also eine der wichtigsten Schiffahrtsrouten des Mittelmeeres führt, liegt etwa 85 km vom Cap Passero, dem nächsten Punkt von Sicilien entfernt, die Inselgruppe Malta, Gozzo und Comino, ein wichtiges und darum sorgfältig gehütetes Besitzthum Grossbritanniens. Die 180 m hohe, steil in See abfallende Insel Malta ist bei 32 km Länge und 15·5 km Breite die grösste der Gruppe. An der Nordseite liegt unter 35° 55′ nördl. Breite und 40° 31′ östl. Länge v. Gr. (Spencer’s Monument) der, wie unser Plan zeigt, fjordartig eingerissene, vielfach verzweigte und von grossartigen Festungswerken geschützte Hafen von La Valetta mit der gleichnamigen Hauptstadt des ganzen Inselgebietes. Neben Gibraltar ist La Valetta, kurzweg Malta genannt, vermöge der centralen Lage die strategisch bedeutendste Station der Engländer im Mittelmeere. Dem Auge erscheinen die Inseln völlig vegetations- los, denn alle Culturen sind zum Schutz gegen die enorme Sommer- hitze durch hohe Steinmauern eingefasst, mitunter selbst unter das Bodenniveau eingesenkt und kommen daher landschaftlich gar nicht zur Geltung. Durch ausserordentlichen Fleiss und Beharrlichkeit gelang es den Bewohnern, mehr als zwei Drittheile der aus weichem gelben Kalksteine bestehenden Bodenkruste in fruchtbares Acker- und Garten- land zu verwandeln, auf dem nun der Segen überaus reicher Ernten ruht. Getreide, Baumwolle, Früchte, besonders Orangen, Citronen und Feigen, dann prächtiges Gemüse und frühreife Kartoffel werden in grossen Mengen gewonnen. Die Bewohner, deren Zahl 162.000 be- trägt, ungerechnet die englischen Soldaten und deren Familien, erfreuen sich dank dem reichen Bodenertrage einer ausgesprochenen Wohl- habenheit. Zahlreiche Ortschaften liegen auf Malta und Gozzo zerstreut; Die Seehäfen des Weltverkehrs. I. Band. 40

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Zitationshilfe: Lehnert, Josef von u. a.: Die Seehäfen des Weltverkehrs. Bd. 1. Wien, 1891, S. [313]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lehnert_seehaefen01_1891/333>, abgerufen am 15.09.2019.