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Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832.

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Die Heideschenke.

Ich zog durch's weite Ungerland;
Mein Herz fand seine Freude,
Als Dorf und Busch und Baum verschwand
Auf einer stillen Heide.
Die Heide war so still, so leer,
Am Abendhimmel zogen
Die Wolken hin, gewitterschwer,
Und leise Blitze flogen.
Da hört' ich in der Ferne was,
In dunkler, meilenweiter;
Ich legte's Ohr an's knappe Gras,
Mir war als kämen Reiter.
Und als sie kamen näherwärts,
Begann der Grund zu zittern,
Stets bänger, wie ein zages Herz
Bei nahenden Gewittern.
Die Heideschenke.

Ich zog durch's weite Ungerland;
Mein Herz fand ſeine Freude,
Als Dorf und Buſch und Baum verſchwand
Auf einer ſtillen Heide.
Die Heide war ſo ſtill, ſo leer,
Am Abendhimmel zogen
Die Wolken hin, gewitterſchwer,
Und leiſe Blitze flogen.
Da hoͤrt' ich in der Ferne was,
In dunkler, meilenweiter;
Ich legte's Ohr an's knappe Gras,
Mir war als kaͤmen Reiter.
Und als ſie kamen naͤherwaͤrts,
Begann der Grund zu zittern,
Stets baͤnger, wie ein zages Herz
Bei nahenden Gewittern.
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[199/0213] Die Heideschenke. Ich zog durch's weite Ungerland; Mein Herz fand ſeine Freude, Als Dorf und Buſch und Baum verſchwand Auf einer ſtillen Heide. Die Heide war ſo ſtill, ſo leer, Am Abendhimmel zogen Die Wolken hin, gewitterſchwer, Und leiſe Blitze flogen. Da hoͤrt' ich in der Ferne was, In dunkler, meilenweiter; Ich legte's Ohr an's knappe Gras, Mir war als kaͤmen Reiter. Und als ſie kamen naͤherwaͤrts, Begann der Grund zu zittern, Stets baͤnger, wie ein zages Herz Bei nahenden Gewittern.

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Zitationshilfe: Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/213>, S. 199, abgerufen am 18.11.2017.