Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832.

Bild:
<< vorherige Seite
Herbstklage.

Holder Lenz, du bist dahin!
Nirgends, nirgends darfst du bleiben!
Wo ich sah dein frohes Blüh'n,
Rauscht des Herbstes banges Treiben.
Wie der Wind so traurig fuhr
Durch den Strauch, als ob er weine;
Sterbeseufzer der Natur
Schauern durch die welken Haine.
Wieder ist, wie bald! wie bald!
Mir ein Jahr dahingeschwunden!
Fragend rauscht es aus dem Wald:
Hast du sie noch nicht gefunden? --

Herbstklage.

Holder Lenz, du biſt dahin!
Nirgends, nirgends darfſt du bleiben!
Wo ich ſah dein frohes Bluͤh'n,
Rauſcht des Herbſtes banges Treiben.
Wie der Wind ſo traurig fuhr
Durch den Strauch, als ob er weine;
Sterbeſeufzer der Natur
Schauern durch die welken Haine.
Wieder iſt, wie bald! wie bald!
Mir ein Jahr dahingeſchwunden!
Fragend rauſcht es aus dem Wald:
Haſt du ſie noch nicht gefunden? —

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0078" n="64"/>
        </div>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b #g">Herbstklage</hi> <hi rendition="#b">.</hi><lb/>
          </head>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <lg type="poem">
            <lg n="1">
              <l><hi rendition="#in">H</hi>older Lenz, du bi&#x017F;t dahin!</l><lb/>
              <l>Nirgends, nirgends darf&#x017F;t du bleiben!</l><lb/>
              <l>Wo ich &#x017F;ah dein frohes Blu&#x0364;h'n,</l><lb/>
              <l>Rau&#x017F;cht des Herb&#x017F;tes banges Treiben.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="2">
              <l>Wie der Wind &#x017F;o traurig fuhr</l><lb/>
              <l>Durch den Strauch, als ob er weine;</l><lb/>
              <l>Sterbe&#x017F;eufzer der Natur</l><lb/>
              <l>Schauern durch die welken Haine.</l><lb/>
            </lg>
            <lg n="3">
              <l>Wieder i&#x017F;t, wie bald! wie bald!</l><lb/>
              <l>Mir ein Jahr dahinge&#x017F;chwunden!</l><lb/>
              <l>Fragend rau&#x017F;cht es aus dem Wald:</l><lb/>
              <l>Ha&#x017F;t du &#x017F;ie noch nicht gefunden? &#x2014;</l><lb/>
            </lg>
          </lg>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[64/0078] Herbstklage. Holder Lenz, du biſt dahin! Nirgends, nirgends darfſt du bleiben! Wo ich ſah dein frohes Bluͤh'n, Rauſcht des Herbſtes banges Treiben. Wie der Wind ſo traurig fuhr Durch den Strauch, als ob er weine; Sterbeſeufzer der Natur Schauern durch die welken Haine. Wieder iſt, wie bald! wie bald! Mir ein Jahr dahingeſchwunden! Fragend rauſcht es aus dem Wald: Haſt du ſie noch nicht gefunden? —

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/78
Zitationshilfe: Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/78>, S. 64, abgerufen am 17.08.2017.