Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Lessing, Gotthold Ephraim]: Hamburgische Dramaturgie. Bd. 1. Hamburg u. a., [1769].

Bild:
<< vorherige Seite
Hamburgische
Dramaturgie.


Acht und dreyßigstes Stück.





Ich bin es auch nicht allein, dem die Ausle-
gung des Dacier keine Genüge leistet.
Unsern deutschen Uebersetzer der Aristote-
lischen Dichtkunst, (*) hat sie eben so wenig be-
friediget. Er trägt seine Gründe dagegen vor,
die zwar nicht eigentlich die Ausflucht des Dacier
bestreiten, aber ihn doch sonst erheblich genug
dünken, um seinen Autor lieber gänzlich im
Stiche zu lassen, als einen neuen Versuch zu
wagen, etwas zu retten, was nicht zu retten
sey. "Ich überlasse, schließt er, einer tiefern
"Einsicht, diese Schwierigkeiten zu heben; ich
"kann kein Licht zu ihrer Erklärung finden, und
"scheinet mir wahrscheinlich, daß unser Philo-
"soph dieses Kapitel nicht mit seiner gewöhnli-
"chen Vorsicht durchgedacht habe."

Ich
(*) Herrn Curtius. S. 214.
P p
Hamburgiſche
Dramaturgie.


Acht und dreyßigſtes Stuͤck.





Ich bin es auch nicht allein, dem die Ausle-
gung des Dacier keine Genuͤge leiſtet.
Unſern deutſchen Ueberſetzer der Ariſtote-
liſchen Dichtkunſt, (*) hat ſie eben ſo wenig be-
friediget. Er traͤgt ſeine Gruͤnde dagegen vor,
die zwar nicht eigentlich die Ausflucht des Dacier
beſtreiten, aber ihn doch ſonſt erheblich genug
duͤnken, um ſeinen Autor lieber gaͤnzlich im
Stiche zu laſſen, als einen neuen Verſuch zu
wagen, etwas zu retten, was nicht zu retten
ſey. 〟Ich uͤberlaſſe, ſchließt er, einer tiefern
〟Einſicht, dieſe Schwierigkeiten zu heben; ich
〟kann kein Licht zu ihrer Erklaͤrung finden, und
〟ſcheinet mir wahrſcheinlich, daß unſer Philo-
〟ſoph dieſes Kapitel nicht mit ſeiner gewoͤhnli-
〟chen Vorſicht durchgedacht habe.〟

Ich
(*) Herrn Curtius. S. 214.
P p
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0311" n="[297]"/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Hamburgi&#x017F;che<lb/><hi rendition="#g">Dramaturgie.</hi><lb/><milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
Acht und dreyßig&#x017F;tes Stu&#x0364;ck.</hi> </head><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#c">Den 8ten September, 1767.</hi> </dateline><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <p><hi rendition="#in">I</hi>ch bin es auch nicht allein, dem die Ausle-<lb/>
gung des Dacier keine Genu&#x0364;ge lei&#x017F;tet.<lb/>
Un&#x017F;ern deut&#x017F;chen Ueber&#x017F;etzer der Ari&#x017F;tote-<lb/>
li&#x017F;chen Dichtkun&#x017F;t, <note place="foot" n="(*)">Herrn Curtius. S. 214.</note> hat &#x017F;ie eben &#x017F;o wenig be-<lb/>
friediget. Er tra&#x0364;gt &#x017F;eine Gru&#x0364;nde dagegen vor,<lb/>
die zwar nicht eigentlich die Ausflucht des Dacier<lb/>
be&#x017F;treiten, aber ihn doch &#x017F;on&#x017F;t erheblich genug<lb/>
du&#x0364;nken, um &#x017F;einen Autor lieber ga&#x0364;nzlich im<lb/>
Stiche zu la&#x017F;&#x017F;en, als einen neuen Ver&#x017F;uch zu<lb/>
wagen, etwas zu retten, was nicht zu retten<lb/>
&#x017F;ey. <cit><quote>&#x301F;Ich u&#x0364;berla&#x017F;&#x017F;e,</quote></cit> &#x017F;chließt er, <cit><quote>einer tiefern<lb/>
&#x301F;Ein&#x017F;icht, die&#x017F;e Schwierigkeiten zu heben; ich<lb/>
&#x301F;kann kein Licht zu ihrer Erkla&#x0364;rung finden, und<lb/>
&#x301F;&#x017F;cheinet mir wahr&#x017F;cheinlich, daß un&#x017F;er Philo-<lb/>
&#x301F;&#x017F;oph die&#x017F;es Kapitel nicht mit &#x017F;einer gewo&#x0364;hnli-<lb/>
&#x301F;chen Vor&#x017F;icht durchgedacht habe.&#x301F;</quote></cit></p><lb/>
        <fw place="bottom" type="catch">Ich</fw><lb/>
        <fw place="bottom" type="sig">P p</fw><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[297]/0311] Hamburgiſche Dramaturgie. Acht und dreyßigſtes Stuͤck. Den 8ten September, 1767. Ich bin es auch nicht allein, dem die Ausle- gung des Dacier keine Genuͤge leiſtet. Unſern deutſchen Ueberſetzer der Ariſtote- liſchen Dichtkunſt, (*) hat ſie eben ſo wenig be- friediget. Er traͤgt ſeine Gruͤnde dagegen vor, die zwar nicht eigentlich die Ausflucht des Dacier beſtreiten, aber ihn doch ſonſt erheblich genug duͤnken, um ſeinen Autor lieber gaͤnzlich im Stiche zu laſſen, als einen neuen Verſuch zu wagen, etwas zu retten, was nicht zu retten ſey. 〟Ich uͤberlaſſe, ſchließt er, einer tiefern 〟Einſicht, dieſe Schwierigkeiten zu heben; ich 〟kann kein Licht zu ihrer Erklaͤrung finden, und 〟ſcheinet mir wahrſcheinlich, daß unſer Philo- 〟ſoph dieſes Kapitel nicht mit ſeiner gewoͤhnli- 〟chen Vorſicht durchgedacht habe.〟 Ich (*) Herrn Curtius. S. 214. P p

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lessing_dramaturgie01_1767
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lessing_dramaturgie01_1767/311
Zitationshilfe: [Lessing, Gotthold Ephraim]: Hamburgische Dramaturgie. Bd. 1. Hamburg u. a., [1769], S. [297]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lessing_dramaturgie01_1767/311>, abgerufen am 03.08.2020.